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„Mit nem blauen Auge davongekommen“

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Von Edda Hagebölling


            „Mit nem blauen Auge davongekommen“

Ministerin Barbara Otte-Kinast vor der Alten Schule in Rohrsen mit Heemsens Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke und den Landwirtschaftsexperten Carsten Krumwiede, Wilken Meyer, Henrik Backhaus, Christian Andermann, Hendrik Wünderlich, Fred Eickhorst, Fritz Bormann, Alexander Burgath und Dr. Frank Schmädeke. Foto: Hagebölling

„Corona ist für uns alle neu.“ Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast gab unumwunden zu, dass nicht alles optimal war bei der Unterstützung der Spargelanbauer in der in rund zwei Wochen endenden (Corona-) Saison 2020. Sie versprach aber auch: „Wir werden die Rückmeldungen aufarbeiten, um für ein nächstes Mal besser vorbereitet zu sein.“

Am Freitag war Fritz Bormann, als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Nienburger Spargel“ recht gut mit der Ministerin bekannt, gebeten worden, kurzfristig ein Treffen anzuberaumen, bei dem Barbara Otte-Kinast Gelegenheit haben würde, sich direkt mit Spargel- und Beerenanbauern auszutauschen. Carsten Krumwiede aus Erichshagen-Wölpe, Henrik Backhaus aus Landesbergen, Christian Andermann aus Haßbergen und Wilken Meyer aus Drakenburg nutzten diese Chance gerne. Ebenfalls vor Ort waren Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer mit Sitz in Sandhatten bei Oldenburg, Otte-Kinasts Referatsleiter Alexander Burgath, RWG-Spargelvermarkter Hendrik Wünderlich, der Landtagsabgeordnete Dr. Frank Schmädeke und Heemsens Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke.

„Wir brauchen Planungssicherheit“, betonte unter anderem Henrik Backhaus. Der Landwirt aus Landesbergen geht davon aus, dass auch die Ernte 2021 nicht frei von Corona-Auflagen verlaufen wird.

Mit einem blauen Auge davongekommen sind die Spargelanbauer nach Einschätzung von RWG-Spargelvermarkter Hendrik Wünderlich. Da der Spargel in der Corona-Saison 1,50 bis zwei Euro pro Kilo mehr gekostet habe, seien die höheren Ausgaben für die Einhaltung der Corona-Auflagen in etwa wieder ausgeglichen worden.

Von den Soforthilfen von vier Millionen Euro – pro Betrieb bis zu 100000 Euro – steht noch rund die Hälfte zur Verfügung, berichtete unter anderem Fred Eichhorst. Die Bestandsaufnahme des Sprechers der Spargel- und Beerenanbauer rund um den Themenbereich in- und ausländische Arbeitskräfte unter Einhaltung der Corona-Auflagen ist im Internet unter www.sparegelundbeerenanbauer.de einzusehen.

Zu entnehmen ist der Zusammenfassung unter anderem, dass die Corona-Auflagen zu 880 Euro an zusätzlichen Kosten pro Saisonarbeitskraft geführt hätten. Der Flug aus Rumänien sei mit 234 Euro, der Infektionsschutz mit 142 Euro und die Unterbringung mit 504 Euro mehr als noch 2019 zu Buche geschlagen. Die Auflagen hätten zudem dazu geführt, dass nur rund drei Viertel der benötigten Saisonarbeitskräfte zur Verfügung standen.

„Corona hatte aber auch etwas Gutes“, fasste abschließend Barbara Otte-Kinast zusammen. Ihrer Einschätzung nach habe die Wertschätzung gegenüber der heimischen Landwirtschaft als Erzeuger regionaler Produkte, aber auch als Arbeitgeber deutlich zugenommen. An die Anwesenden gerichtet appellierte sie, sich gerne auch nach dem Treffen in Rohrsen bei Fragen und Anregungen mit ihr in Verbindung zu setzen. „Ich verstehe mich als Dienstleisterin, die ihren Job wirklich gerne macht und auch gerne den Dialog sucht“, so Otte-Kinast.

Und Fritz Bormann betonte abschließend: „Wir haben deutlich gemerkt, dass die Menschen mehr zuhause sind und wieder selber kochen. Davon haben die Discounter und vor allem die Hofläden profitiert.“ Dass die Kundinnen und Kunden gerne bereit waren, den höheren Preis in Kauf zu nehmen, sei auch dem Umstand geschuldet, dass sie sich gerne etwas gönnen wollten. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Nienburger Spargel“ warnte aber ausdrücklich davor, davon auszugehen, dass das jetzt immer so sei, und darum die Anbaufläche auszuweiten. „Vergessen sollten wir ebenfalls nicht, dass wegen der brachliegenden Flugverbindungen so gut wie kein ausländischer Spargel auf dem deutschen Markt zu haben war“, so Bormann.