Eine dreiköpfige Familie aus dem Kreisgebiet wartet seit vergangenem Montag, 16. März, auf das Ergebnis der Corona-Probe für die 19-jährige Tochter, die im zentralen Abstrichzentrum in Nienburg genommen wurde. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Eine dreiköpfige Familie aus dem Kreisgebiet wartet seit vergangenem Montag, 16. März, auf das Ergebnis der Corona-Probe für die 19-jährige Tochter, die im zentralen Abstrichzentrum in Nienburg genommen wurde. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Landkreis 20.03.2020 Von Sebastian Stüben

Probe verloren gegangen

Abstrichergebnisse von Montag bis gestern noch nicht da – am frühen Abend die Nachricht: noch mal testen

Die Probe einer 19-jährigen Frau aus dem Landkreis auf eine Infizierung mit dem Coronavirus ist verloren gegangen. Seit dem Abstrich am vergangenen Montag im Corona-Test-Zentrum in Nienburg hatte die Betroffene mit ihrem Vater (50) und ihrer Mutter (55) auf das Ergebnis gewartet. Alle drei hatten sich in selbst auferlegte häusliche Quarantäne begeben.

Am Freitag gegen 17.30 Uhr kam dann der Anruf vom Hausarzt, der sich bereits im Wochenende befand: Die Probe sei nicht auffindbar, ein neuer Test würde angeraten. Das Corona-Test-Zentrum bestellte die junge Frau umgehend noch einmal ein, eine neue Probe ist noch gestern Abend genommen worden. Laut Kreissprecher Cord Steinbrecher ist das der erste Fall einer verloren gegangenen Probe im Kreisgebiet, von der er gehört hätte.

Fünf Tage Ungewissheit

Seit der ersten Probe saß die dreiköpfige Familie fast fünf Tage lang im Ungewissen. Es bestand Corona-Verdacht, aber keine Gewissheit – weder in die eine noch in die andere Richtung. Zur eigenen Unsicherheit kam nach Angaben des Familienvaters (50) die Stigmatisierung durch Menschen im Ort dazu, die allein auf Gerüchten basierte. Nicht zuletzt hat der Fall wirtschaftliche und soziale Dimensionen, die weit über die Familie hinausreichen.

Der Vater fasst zusammen: „Wir waren bis zum 8. März in Tirol. Bei Reiseantritt am 1. März war Corona noch kein Thema. Nach der Rückkehr haben meine Frau (55), meine Tochter (19) und ich den ganz normalen Alltag wieder aufgenommen. Am 14. März haben wir uns auf Empfehlung des Bundesgesundheitsministers in freiwillige Quarantäne begeben. An dem Wochenende bekam meine Tochter Fieber und Halsschmerzen. Also haben wir das pflichtbewusst unserem Hausarzt gemeldet. Am Montag, 16. März, wurde sie im zentralen Abstrichzentrum in Nienburg getestet. Beschwerden hat sie seit Dienstag keine mehr.“

Keine Ergebnisse, Anordnungen oder Empfehlungen

Seit jenem Montag vor fünf Tagen hatte die Familie keine Ergebnisse bekommen, auch keine Anordnung oder Empfehlung, sich in Quarantäne zu begeben. „Nicht einmal ein Infoblatt oder so etwas“, sagt der Vater. Die Familie fühlte sich alleine gelassen. „Wir haben kein Testergebnis seit fünf Tagen“, sagte der Vater noch gestern Nachmittag: „Anrufe bei Landkreis und Hausarzt führen zu nichts – alle sind genervt und haben wenig Verständnis.“

Während der Vater noch immer in selbst auferlegter Quarantäne zu Hause weilt, trägt er nach eigenen Worten weiter die Verantwortung für eine Firma mit fast 100 Mitarbeitern. Er müsse jetzt versuchen, den Laden per Homeoffice am Laufen zu halten. Und das, obwohl die Quarantäne möglicherweise grundlos sei, was ein schnelleres Testergebnis schon vor Tagen hätte belegen können. „Zudem habe ich es offen kommuniziert – die Gerüchtelage ist jetzt so weit, dass es heißt, wir wären alle todkrank“, sagt der Familienvaters: „Wenn die Behörden Leute, die freiwillig ihren Beitrag zur Eindämmung der Infektion leisten, so behandeln, wird sich keiner mehr melden, sondern lieber den Mund halten.“

Ergebnisse liegen normal am Folgetag vor

Kreissprecher Cord Steinbrecher sagte gestern auf HARKE-Nachfrage, dass Ergebnisse von Proben, die in der zentralen Abstrichstelle der Kassenärztlichen Vereinigung in Nienburg genommen werden, im Regelfall bereits am folgenden Tag vorliegen. „Das läuft momentan richtig gut.“ Bei der Probe der 19-Jährigen handelt es sich offenbar und unglücklicherweise um eine Panne.

Der 50-jährige Vater der Betroffenen: „Fehler passieren, aber bei einer Pandemie sollte es Kontrollmechanismen geben.“ Seine zwei Wochen in Quarantäne ohne Symptome sind am Montag um. „Wir sollen noch bis zum Ergebnis der Probe zu Hause bleiben. Danach werde ich mich dann auch wieder in die Firma begeben.“

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Erstellt:
20. März 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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Fam.Block 21.03.202019:43 Uhr

Ein sehr lehrreicher Fall

Hinterher ist man ja immer schlauer, also nicht persönlich nehmen.
Aber zig-tausend Italiener in Quarantäne (1.3.) und 350 Tote (8.3.) hätten ein Signal sein können. Dann "weiter so" mit 100 Angestellten, bis eeendlich ein Politiker (14.3.) mahnende Worte ergreift. So weit so gut/schlecht.
Aber dann Behördenbashing?? "..Leute, die 'freiwillig' ihren Beitrag zur Eindämmung der Infektion leisten,.." Der (potenzielle) Beitrag zur Ausbreitung war ja auch freiwillig. Und der Staat kann nicht das hysterische Gerede der Nachbarn unterbinden.

Ein wenig Einsicht in die Verantwortung die jeder Einzelne(!) mit seinem Handeln für die Allgemeinheit trägt, hätte hier wesentlich besser zu Gesicht gestanden. Die Verantwortung uneinsichtig weiter zu reichen, wird den beklagten Imageschaden der Firma nicht ausbügeln.
Bleibt gesund.


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