Jürgen Leseberg, Anja Engel und Winfried Klug (von links) haben allen Grund, sich auf das zweijährige Bestehen ihres Dorfladens zu freuen. Foto: Hagebölling

Jürgen Leseberg, Anja Engel und Winfried Klug (von links) haben allen Grund, sich auf das zweijährige Bestehen ihres Dorfladens zu freuen. Foto: Hagebölling

Linsburg 01.03.2020 Von Edda Hagebölling

Probleme erkannt und gegengesteuert

In Linsburg freut man sich auf das zweijährige Bestehen des Dorfladens. Und über das Ende der Bauarbeiten

„Wir haben es geschafft, wir schreiben endlich die schwarze Null.“ Jürgen Leseberg und Winfried Klug haben allen Grund, sich auf das zweijährige Bestehen des Linsburger Dorfladens am 8. März zu freuen. Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr um 25 bis 30 Prozent gesteigert werden, die Stimmung unter den Mitarbeiterinnen ist gut, die Kundinnen und Kunden kommen gerne.

Das war nicht immer so. „Noch vor einem Jahr haben wir gedacht, wir müssen unseren Laden schließen“, so Leseberg und Klug beim Treffen mit der HARKE am Sonntag. Jürgen Leseberg ist Vorsitzender des wirtschaftlichen Vereins Dorfladen Linsburg, Winfried Klug ist seit seinem Eintritt in den Ruhestand ehrenamtlicher Leiter des Marktes, der auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern so gut wie alles bietet, was man für den täglichen Bedarf braucht und dem Rewe-nahkauf-Konzept entspricht.

Noch vor einem Jahr haben wir gedacht, wir müssen unseren Laden schließen.

Jürgen Leseberg, Vorsitzender des Vereins Dorfladen Linsburg

Das es in den ersten zwölf Monaten finanziell ziemlich eng war, hatte mehrere Gründe: Es stand zu viel Ware in den Regalen, die bei den Kundinnen und Kunden in Linsburg nicht ankam und entsorgt werden musste, die Lohnkosten waren zu hoch, die Öffnungszeiten zu unübersichtlich.

„Dass das jetzt anders ist, haben wir auch unserem Finanz-Vorstand Florian Wegener zu verdanken. Als BWLer erkennt er immer ziemlich schnell, wo was schief läuft“, so Leseberg bei einer Tasse Kaffee im Dorfladen-Café. „Wenn Florian der Meinung war: Die Ware muss raus, weil sie kaum nachgefragt wird, und ein anderes Produkt muss mehr beworben werden, haben wir das umgesetzt“, so der Vereinsvorsitzende weiter.

Auch habe man vor einem Jahr, als es noch alles andere als gut lief, geglaubt, man könne Kosten senken, indem man Öffnungszeiten reduziert. Überzeugt hat den Vorstand dann aber der Hinweis: Wenn wir weniger öffnen, verkaufen wir auch weniger. Seither ist der Linsburger Dorfladen wochentags von 6.30 bis 19 Uhr, sonnabends von 7 bis 14 Uhr und sonntags von 8 bis 11 Uhr geöffnet. „Die verlässlichen Zeiten haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen nach der Arbeit noch kurz im Dorfladen einkaufen, dafür zwar vielleicht fünf Euro mehr als im Discounter ausgeben, die gesparte Zeit dann aber mit der Familie verbringen“, so Jürgen Leseberg.

Genauso viele kommen aber auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Sie kaufen Lebensmittel – auch aus der Region – , erledigen Postgeschäfte, lassen sich an der Kasse Bargeld auszahlen und versuchen ihr Glück im Lotto. „Mit dem Dorfladen haben wir auch die Bank und die Post nach Linsburg zurückgeholt“, berichten Leseberg und Klug weiter. Beide sind überzeugt: „Das Leben in Linsburg hat sich seit Bestehen des Dorfladens verändert. Wir sind wieder ein Dorf mit einem Mittelpunkt, in dem jeder ein bisschen auf den anderen achtet.“

Mit dem Dorfladen haben wir auch die Bank und die Post nach Linsburg zurückgeholt

Der Erfolg hat, wie so oft, mehrere Väter. Und Mütter. Zum einen haben die Mitarbeiterinnen des Linsburger Dorfladens all die Veränderungen und Anforderungen mitgetragen. „Dass der Verein wirtschaftlich besser da steht, haben wir aber auch Toni Uekötter zu verdanken“, so Leseberg weiter. Uekötter verwaltet das benachbarte Dorfgemeinschaftshaus und schafft so die Bedingungen dafür, dass dort an so gut wie jedem Wochenende irgendein runder Geburtstag oder ähnliches gefeiert werden kann.

Dass der Dorfladen selbst mittlerweile so gut dasteht, ist aber auch dem ehrenamtlichen Marktleiter zu verdanken. Winfried Klug schätzt, dass er durchaus 20 Stunden in der Woche damit verbringt, die Geschicke des Ladens zu lenken. Neben der Vielfalt des Angebots selbst gehört dazu selbstredend auch die Einhaltung aller Auflagen. Die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, das natürlich auch den Dorfladen regelmäßig überprüft, empfindet er als sehr hilfreich.

Richtig geschafft hat es der Dorfladen Klugs Einschätzung nach erst, wenn die schwarze Null auch mit weniger ehrenamtlichem Einsatz erreicht wird. „Das soll aber nicht heißen, dass ich mich schon im nächsten Jahr zur Ruhe setzen will“, so der ehemalige stellvertretende Leiter des Marion-Dönhoff-Gymnasiums in Nienburg.

Und auch Jürgen Leseberg hat noch ein Leben neben dem des Vereinsvorsitzenden.

Als langjähriger Bürgermeister von Linsburg ist er froh, dass aus dem einstmals sterbenden Dorf wieder ein Dorf mit Zukunft geworden ist. Lesebergs erklärtes Ziel: die Einwohnerzahl noch in seiner Amtszeit wieder über die 1000-er Marke zu führen.

Doch zunächst freut er sich mit allen, die regelmäßig in den Dorfladen kommen, dass in diesen Tagen dank noch vorhandener Fördermittel auch noch der Parkplatz vor dem Dorfladen gepflastert werden konnte. Rechtzeitig zum Jubiläum sozusagen.

Groß gefeiert werden soll nicht rund um den 2. Geburtstag am 8. März, eine kleine Überraschung will man sich aber schon noch überlegen.

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Erstellt:
1. März 2020, 10:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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