Stefan Schwiersch DH

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Guten Tag 03.11.2018 Von Stefan Schwiersch

Probleme mit der Selbstreflexion

Es war im Grunde keine sonderlich spektakuläre Nachricht, die uns in dieser Woche stark beschäftigte. Die Meldung lautete: Die C-Junioren des SC Haßbergen erhielten nach dem 2:5 beim TuS Sulingen am 21. September nun nachträglich die Punkte am grünen Tisch. Ein Fall wie tausend andere zuvor. Der TuS hatte – satzungskonform – zwei Mädchen eingesetzt, allerdings sind die beiden jungen Damen zu alt für die C-Jugend. Der TuS ist davon ausgegangen, dass bei Mädchen eine Ausnahme gelte; das sei ihnen auch bestätigt worden. Der Fall landete vor dem Bezirkssportgericht, und die zwölfseitige Begründung ließ erahnen, dass der Fall kontrovers diskutiert wurde. Das Urteil ließ sich schlussendlich auf einen Satz reduzieren: Der TuS hat gegen geltendes Recht verstoßen und wurde dafür mit Punktabzug bestraft – übrigens in drei Fällen.

Für die Sulinger aber längst nicht das Signal, Einsicht zu zeigen, Ruhe zu geben. Am Freitag meldete sich ein Mitglied des Spartenvorstandes bei mir telefonisch; der Name ist bekannt, ist aber nebensächlich. Seine Frage: Wer hat der HARKE das Urteil zugespielt? Schlichte Antwort: Das ist einerseits völlig irrelevant, zudem gilt der presserechtlich geregelte Informantenschutz. Darauf der Sulinger: Aber die Darstellung im Bericht mit der Namensnennung der Mädchen sei nicht in Ordnung gewesen, die Mädchen würden ja unter den Ereignissen sehr leiden. Ach ja, und der Informant würde noch ordentlich Ärger kriegen. Das musste man erstmal sacken lassen.

Mein Vorschlag an den Herrn: Sollte es den Mädchen aufgrund der Punktabzüge wirklich schlecht gehen (was absolut vorstellbar ist), dann empfehle ich den Sulinger Verantwortlichen, sich mit Nachdruck und am besten mit einem kleinen Präsent bei den Talenten in aller Form zu entschuldigen. Sie und niemand anderes haben den Fehler begangen. Im Nachgang aber den Schwarzen Peter Richtung SC Haßbergen zu schieben – da gibt es laut Urteilsbegründung wirklich abenteuerliche Vorwürfe – oder gar Richtung Presse für die Überbringung der schlechten Nachricht zu schieben, das zeugt nicht wirklich von funktionierender Selbstreflexion. Wie heißt es sinngemäß im Urteil: „Der SC Haßbergen muss sich nicht dafür rechtfertigen, dass er die Satzung besser kennt als die Sulinger.“

Noch eine ganz andere Qualität erhält die Dickfelligkeit der Kreis-Diepholzer angesichts der bestätigten Information, dass die Haßberger ihre Gastgeber noch vor dem Anpfiff auf ihr potenzielles Fehlverhalten hingewiesen hatten. Deren Antwort lautete sinngemäß: In Sulingen gelten andere Regeln.

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Erstellt:
3. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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