Kaya Deisberg, Joachim Kreutzer und Dagmar Uhr (von links) von der „Funkinitiative Steyerberg“ zeigen die Unterschriften, die sie gegen den Bau des Funkmastes in unmittelbarer Nähe zum Lebensgarten gesammelt haben. Foto: Büsching

Kaya Deisberg, Joachim Kreutzer und Dagmar Uhr (von links) von der „Funkinitiative Steyerberg“ zeigen die Unterschriften, die sie gegen den Bau des Funkmastes in unmittelbarer Nähe zum Lebensgarten gesammelt haben. Foto: Büsching

Steyerberg 22.06.2020 Von Annika Büsching

Protest gegen Funkmast-Bau

„Funkinitiative Steyerberg“ will Sendemast verhindern / „Passt nicht zum Konzept des Lebensgartens“

„Wir möchten und benötigen weder auf dem Gelände des Bauhofes, noch im weiteren Umfeld einen Mobilfunk-Sendemast, weder für uns, noch für die Seminargäste des Lebensgartens. Die aktuelle Versorgung mit LTE, 3G und 4G ist völlig ausreichend.“

Die Aussage ist deutlich: Auf das, was die Deutsche Telekom nicht weit von der Steyerberger Öko-Siedlung entfernt plant, haben die Lebensgärtner so gar keine Lust. Mehrere von ihnen haben sich nun zur „Funkinitiative Steyerberg“, kurz FiSt, zusammengeschlossen. Aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen wehren sie sich gegen den geplanten Sendemast am Borsteler Weg.

In Steyerberg plant die Deutsche Funkturm GmbH als Teil der Gruppe Deutsche Telekom den Bau zweier Sendemasten: auf dem Bauhof-Gelände und in Staken. Beide Projekte sind Teil einer bundesweiten Offensive, um die Mobilfunkverbindung im ganzen Land zu verbessern.

Der Schwerpunkt liegt nach Unternehmensangaben auf LTE und 5G. Beides sind Bezeichnungen eines Standards für mobiles Internet und mobiles Telefonieren. LTE steht für „Long Term Evolution“, 5G ist die Abkürzung für die fünfte und jüngste Generation des Mobilfunks.

Mehr als 85 Personen, größtenteils Lebensgärtner, haben sich mit ihrer Unterschrift gegen einen Sendemast in Nähe des Lebensgartens ausgesprochen. 17 dort beheimatete Gewerbe und Therapeuten machen sich gesondert dagegen stark. Sie fürchten nach eigenen Angaben „eine gesundheitliche oder wirtschaftliche Beeinträchtigung durch einen etwaigen benachbarten Sendemast“.

Die 5G-Technik hat die Debatte über gesundheitliche Schäden durch Mobilfunk neu entfacht. Die neueste Generation nutzt elektromagnetische Strahlung in hohen Frequenzbereichen.

„Die gesundheitlichen Auswirkungen, zum Beispiel auf Zellebene, sind noch nicht ausreichend erforscht“, sagt Joachim Kreutzer. „Wir wollen keine Versuchskaninchen sein!“ Die FiST sei nicht grundsätzlich gegen Mobilfunk, das ist den Akteuren wichtig. Sie fordern aber eine grundlegende Forschung. Die gesetzlich festgelegten Grenzwerte seien nicht mehr maßgeblich, ergänzt Dagmar Uhr: „Das Bundesimmissionsschutzgesetzes ist fast 20 Jahre alt, das passt nicht mehr zur technischen Entwicklung von heute.“

Ein Sendemast in Sichtweite sei mit dem Konzept des Lebensgartens nicht vereinbar, findet die FiSt. In der Siedlung seien einige elektrosensible Menschen zu Hause, ein junger Mann leide an einer Krankheit, die mit epileptischen Anfällen einhergehe, die „durch die Einstrahlung von Funkwellen lebensbedrohlich werden können“.

Nach dem Grundgesetz sei der Mann als Behinderter klar zu schützen.

Hinzu komme: Nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Heilpraxen und das Gästehaus liegen kaum 150 Meter vom geplant Maststandort entfernt und befinden sich somit im Bereich der höchsten Strahlungsstärke. „Wir führen einen großen Seminarbetrieb mit zahlreichen Angestellten und Tausenden von Gästen aus aller Welt pro Jahr.

Da wir vor allem im Gesundheitsbereich arbeiten, kommen an unseren Ort viele gesundheitsbewusste Menschen, die sich hier Erholung und Gesundung erhoffen. Der Bau eines Funkturmes direkt neben solch einer Ökosiedlung wäre also nicht nur grotesk, sondern auch wirtschaftlich äußerst schädigend für uns“, heißt es von der FiSt.

Die gesammelten Unterschriften haben Mitglieder der Initiative der Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber und dessen Allgemeinem Vertreter Frank Siedenberg übergeben. Die Gemeinde ist Eigentümerin des Bauhof-Geländes und hat einen Pachtvertrag mit der Deutschen Funkturm GmbH geschlossen.

Das Gespräch sei unterm Strich enttäuschend verlaufen, sagte Kreutzer der HARKE. Die FiSt-Akteure fühlten sich nicht ernstgenommen, so sei ihnen lediglich zugesichert worden, sie über das weitere Verfahren zu informieren und Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Initiative lässt sich nun anwaltlich beraten.

„Als Kommune haben wir natürlich ein Interesse daran, dass Funklöcher geschlossen und unseren Bürgern die bestmögliche Mobilfunkverbindung geboten wird“, sagte Siedenberg der Heimatzeitung. Ohne eine solche sei der Flecken letztlich nicht zukunftsfähig. Die Bedenken der FiSt habe die Verwaltung zur Kenntnis genommen. Im Rathaus müsse man sich aber auf die aktuelle Gesetzgebung berufen.

Die „Funkinitiative Steyerberg“, die auch offen für Auswärtige ist, wünscht sich einen regen Austausch mit Gleichgesinnten und plant überdies Info-Veranstaltungen. Wer sich der Gruppe anschließen oder sich über die Thematik informieren möchte, kann mit den Akteuren über die Mail-Adresse fi.st@posteo.de in Kontakt treten und sich in den Mail-Verteiler aufnehmen lassen.

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Erstellt:
22. Juni 2020, 18:50 Uhr
Lesedauer:
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