Professionelle Canabis-Plantage in Eystrup. Paul Hill/Fotolia

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Verden/Eystrup 31.10.2018 Von Wiebke Bruns

Prozess um Indoor-Plantage: Angeklagter sagt aus

Zwei Angeklagte müssen sich wegen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor Gericht verantworten

Es war eine hochprofessionelle Cannabis-Plantage, die in einem leerstehenden Wohnhaus in Eystrup bis April 2018 betrieben worden war. Zumindest in diesem Punkt scheinen in dem Verdener Landgerichtsprozess gegen zwei 34 Jahre alte Angeklagte keine Zweifel zu bestehen. Doch welchen Anteil hatten die in Albanien lebenden und seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten? Einer von ihnen hat sich am Dienstag erstmalig in dem Ende September gestarteten Prozess zu den Vorwürfen geäußert.

Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge über einen Zeitraum von zwei Monaten, lautet der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft Verden. Am 8. April 2018 hatte die Polizei das Objekt observiert und die Angeklagten beim Verlassen des Hauses beobachtet, zunächst unbemerkt verfolgt und dann festgenommen.

Über seinen Verteidiger Martin Lindemann erklärte nun einer der Angeklagten, dass er seit Mai 2017 dreimal in Deutschland gewesen sei, um hier günstig Autos zu kaufen. In einer Bremer Bar will er einen Araber kennengelernt habe, der ihn mit Gartenarbeiten beauftragt habe. Tatsächlich habe er diese in Eystrup erledigt, aber nicht an der Plantage, sondern im Außenbereich.

Damals und auch zum Zeitpunkt seiner zweiten Deutschlandreise im September 2017 habe sich in dem Haus keine Plantage befunden. „Das Haus stand leer“, heißt es in der Erklärung. Dies bestätigte am Dienstag ein Schornsteinfegermeister, den das Gericht kurzfristig als Zeugen geladen hatte. Am 29. September 2017 sei er zuletzt in dem Haus gewesen, so der Zeuge

Anders sei es nach seiner nächsten Einreise am 15. März 2018 gewesen. „Ich bemerkte sofort, dass sich etwas geändert hatte“, so der Angeklagte. Für 200 bis 300 Euro im Monat und „etwas zu rauchen“ habe er im Auftrag des Arabers vorrangig die Bewässerung kontrolliert. Alles andere lief automatisch.

„Es tut mir leid, dass ich ihn da mit reingezogen habe“, so der Angeklagte über den zweiten Angeklagten. Diesen habe er zufällig in Bremen getroffen und nur mit nach Eystrup genommen, weil dieser einen Führerschein gehabt habe. „Ich hatte nur einen gefälschten“, heißt es in der Einlassung. Mehr als mal Müll mit zur Seite zu räumen, habe der zweite Angeklagte nicht gemacht. Als die Männer am 8. April 2018 kontrollierte und festgenommen wurden, soll jedoch der Angeklagte ohne Führerschein gefahren sein.

Der zweite Angeklagte schweigt weiterhin. Auf eine Strafmilderung bei verminderter Schuldfähigkeit brauchen die 34-Jährigen im Fall einer Verurteilung nicht zu hoffen. Dafür sieht eine psychiatrische Sachverständige keine Anhaltspunkte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Erstellt:
31. Oktober 2018, 08:56 Uhr
Lesedauer:
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