Der Tatort: Am 26. Juli 2016 kam in der katholischen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray der Priester Jacques Hamel zu Tode. Foto: Police Nationale / Handout/POLICE NATIONALE/dpa

Der Tatort: Am 26. Juli 2016 kam in der katholischen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray der Priester Jacques Hamel zu Tode. Foto: Police Nationale / Handout/POLICE NATIONALE/dpa

Paris 14.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Prozess um Mordanschlag auf Priester in Frankreich begonnen

Der islamistische Mordanschlag auf einen Priester löste vor über fünf Jahren in Frankreich und weit darüber hinaus Entsetzen aus.

Vor einem Schwurgericht in Paris hat nun der Prozess gegen vier mutmaßlich darin verwickelte Männer begonnen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat damals für sich.

Das Schwurgericht legt den Angeklagten die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zur Last. Gegen einen von ihnen - den mutmaßlichen Anstifter - wird in Abwesenheit verhandelt. Er ist wahrscheinlich bei einem Bombenangriff im Irak umgekommen. Den anderen Männern drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Nonne konnte fliehen und Alarm schlagen

Während der Morgenmesse hatten zwei Angreifer am 26. Juli 2016 in einer katholischen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen zunächst sechs Menschen als Geiseln genommen. Dann ermordeten sie den Priester Jacques Hamel (85), ein Gemeindemitglied wurde schwer verletzt. Eine Nonne konnte fliehen und Alarm schlagen. Beide Angreifer wurden von der Polizei erschossen. Die Behörden hatten sie bereits wegen Terrorverdachts im Visier gehabt.

Im besonders gesicherten Schwurgerichtssaal im Pariser Justizpalast hatten die Angeklagten zunächst nicht das Wort. Sie wurden in einem Bereich hinter Panzerglas von Sicherheitskräften bewacht. Neben dem Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, verfolgte auch der inzwischen 92-jährige Überlebende der Attacke die Verhandlung.

Hätte die Polizei die Tat verhindern können?

Zu einer Kontroverse zum Prozessauftakt führte die Frage, ob Beamte der Antiterrorfahndung zu einer Aussage in dem Verfahren gezwungen werden können. Im Raum steht nämlich der Vorwurf, dass die Polizei den Anschlag hätte verhindern können, wenn sie einem Hinweis darauf in einem Chatkanal zügiger nachgegangen wäre. Etliche der als Zeugen geladenen Fahnder meldeten sich krank.

Anwälte der Nebenklage bezeichneten das als einen Affront gegen die Opfer. „Wie kann man den Terrorismus bekämpfen, wenn die Justiz die Polizei schützt?“, sagte ein Anwalt. Der Vorsitzende Richter wollte über die Aussage der Beamten letztlich erst später entscheiden.

Verlesen wurde auszugsweise auch ein Brief der Mutter des mutmaßlichen Anstifters, die sich zu einer Zeugenaussage nicht in der Lage sah. Sie habe Angst, sei körperlich und psychisch am Ende. „Mein Sohn ist tot in meinem Herzen, ich möchte mit diesem Individuum nichts mehr zu tun haben.“ Das Gericht verzichtete daraufhin auf eine Aussage der Frau.

Die Bluttat in der Kirche fiel damals in eine Serie islamistischer Terrortaten, die sich noch weiter fortsetzte. Im November 2015 ermordeten Islamisten bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris 130 Menschen und beim Nationalfeiertag am 14. Juli 2016, kurz vor der Attacke auf den Priester, starben in Nizza 86 Menschen, als ein Attentäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge raste. Die schweren Attacken wühlen die Menschen in Frankreich wieder auf, seit im September 2021 der Prozess um die verheerenden Anschläge in Paris begann.

© dpa-infocom, dpa:220214-99-124213/2

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Erstellt:
14. Februar 2022, 16:03 Uhr
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