Jeweils fast 40 Gäste fuhren unter der Leitung von Martin Guse (Mitte, blaue Jacke) über das Gelände und konnten einen Eindruck gewinnen von der ehemaligen Anlage aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Foto: KulturImpuls Steyerberg

Jeweils fast 40 Gäste fuhren unter der Leitung von Martin Guse (Mitte, blaue Jacke) über das Gelände und konnten einen Eindruck gewinnen von der ehemaligen Anlage aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Foto: KulturImpuls Steyerberg

Liebenau 07.12.2021 Von Heidi Reckleben-Meyer, Von Die Harke

Pulverfabrik: Eine Stadt im Verborgenen

Führungen über das Gelände der alten Pulverfabrik sind gut besucht

An zwei Samstagen im November bot der Verein „KulturImpuls“ aus Steyerberg in Zusammenarbeit mit der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau Führungen über das Gelände der ehemaligen Pulverfabrik zwischen Liebenau und Steyerberg an.

Jeweils fast 40 Gäste fuhren unter der Leitung von Martin Guse über das Gelände und konnten einen Eindruck gewinnen von der ehemaligen Anlage aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. „Man kann sich gar nicht vorstellen, was sich hinter den Toren in Liebenau und Steyerberg verbirgt – vor allem nicht, dass es so riesig ist“, sagte einer der Teilnehmenden.

Die fast eigene Stadt hat laut einer Pressemitteilung mehr als 400 Gebäude, 84 Kilometer Straßenwege und 42 Kilometer Schiene und bietet unendlich viele Eindrücke aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten, denn auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal als Produktions- und Lagerstätte für Waffen genutzt.

Martin Guse berichtete an unterschiedlichen Gebäuden von Einzelschicksalen und schilderte die Aussagen von Augenzeugenberichten, die er in der Arbeit mit der Dokumentationsstelle getroffen hat. Dies bewegte die Gäste besonders. Die Überlebenden des nahe gelegenen Arbeitserziehungslagers, die Guse und seine Jugend-AG in den vergangenen Jahren getroffen haben, zeigten sich in keiner Weise abwertend gegenüber den Steyerbergerinnen und Steyerbergern oder den Liebenauerinnen und Liebenauern, sondern waren dankbar für die Chance der gemeinsamen historischen Aufarbeitung.

Ein wichtiges Ziel der Arbeit von Guse ist die Zuordnung der Verstorbenen auf dem Friedhof in Hesterberg, die als Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen sind. „Ich möchte den Nachfahren der damaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter die Möglichkeit geben, zu trauern und zu wissen, wo ihre Familienmitglieder begraben sind“, sagte Guse.

Die Führung hätte noch viele Stunden weitergehen können, und lediglich die novemberliche Kälte und die nahende Dunkelheit zwangen die Gruppen zum Ende. Zum Schluss durften sie noch einen Blick erhaschen auf die Lagerstätten der amerikanischen atomaren Rohrartillerie-Granaten, die in der Zeit des Kalten Krieges dort untergebracht wurden. Auch im kommenden Jahr werden die langjährigen Freunde von „Kultur-Impuls“ Steyerberg und der Dokumentationsstelle Pulverfabrik wieder eine gemeinsame Veranstaltung anbieten, diesmal mit der Zielgruppe Schülerinnen und Schüler.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Dezember 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 04sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.