19.01.2014

Quecksilber, Heizöltank, Industrieschlacke

Baustelle MDG-Schulhof: Rund 300 Kubikmeter Erde ausgekoffert / Boden nur bedingt tragfähig

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Industrieschlacke, Quecksilber und ein Heizöltank sind die Ursachen dafür, dass der Schulhof des Marion-Dönhoff-Gymnasiums noch immer nicht fertig ist. Bei den Erdarbeiten für den zweiten Bauabschnitt – und damit dem Bereich vor der Musikschule und dem Museum – stießen die Handwerker auf nicht vorhersehbare Probleme. „Weil der Boden anders roch und auch anders aussah, haben wir ein renommiertes umweltgeologisches Labor damit beauftragt, Bodenproben zu entnehmen“, berichtet Dipl. Ing. Ulf-Peter Brunsmohr am Freitag beim Treffen im Büro von Michael Brede. Als Fachbereichsleiter ist Brede im Nienburger Rathaus auch für das Projekt MDG-Schulhof zuständig. Das Ergebnis war alarmierend. „Mit chlorierten Kohlenwasserstoffen hätten wir gerechnet“, so Brunsmohr. Mit Quecksilber allerdings nicht. Nach eingehender Beratung beschlossen die Verantwortlichen, rund 300 Kubikmeter Erdreich auskoffern und auf der Sondermülldeponie in Sehnde entsorgen zu lassen.

Doch damit nicht genug. Weil zudem die Vermutung im Raum stand, dass der Boden eine zu geringe Tragfähigkeit aufweisen könnte, ließ der Bauleiter sogenannte Lastplattendruckversuche vornehmen. Mit ebenfalls unerfreulichem Ergebnis. Der Boden ist zwar für eine Nutzung als Schulhof geeignet. Bei stärkerer Beanspruchung lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass das Pflaster absackt. Auch Lieferverkehr ist nur bedingt möglich.

Von der schlechten Tragfähigkeit waren aber auch die Pflasterarbeiten selbst betroffen. „Nach einem Gespräch mit einem Ingenieurbüro für Pflasterarbeiten werden wir jetzt nach dem Vorkopf-Einbauverfahren vorgehen“, so Ulf-Peter Brunsmohr. Das sei zwar aufwändiger, belaste jedoch den Untergrund deuztlich weniger als die ursprünglich geplante Vorgehensweise.

Nachdem mittlerweile all die nicht vorherzusehenden Probleme gelöst scheinen, soll es jetzt weitergehende mit dem Projekt MDG-Schulhof. Eine Prognose, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, möchten jedoch weder Brunsmohr noch Brede abgeben. Eigentlich seien 30 Arbeitstage eingeplant. Aber nur, wenn nicht noch weitere Überraschungen auftauchen. Und wenn das Wetter mitspielt.

Die beiden stattlichen Roteichen, die auf dem neuen Schulhof für zusätzliches Grün sorgen sollen, warten bereits darauf, gepflanzt zu werden. Sie lagern zurzeit wohl verwahrt auf dem Gelände des Bauhofs.

Woher die Industrieschlacke und das Quecksilber stammen, können der Fachbereichsleiter und der Dipl. Ing. nur vermuten. Sie schließen nicht aus, dass das, was heute als Sondermüll aufwändig entsorgt werden muss, möglicherweise aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammt. Ebenfalls nicht mehr zuzuordnende Relikte aus der Vergangenheit seien auch der Heizöltank sowie diverse Kabel, Rohre und Leitungen.

Die Vermutung, dass sich die Kosten für die Sanierung des MDG-Schulhofes wegen all der Unwägbarkeiten möglicherweise verdoppeln könnten, teilt Michael Brede nicht. „Wir befinden uns noch im Rahmen des Haushaltsansatzes“, versichert der Fachbereichleiter. Für den zweiten Bauabschnitt sind 111 000 Euro angesetzt. Für den gesamten Schulhof mit Multifunktionsfläche, grünem Klassenzimmer und ähnlichem – die HamS berichtete mehrfach – sind 211 000 Euro veranschlagt.

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Erstellt:
19. Januar 2014, 00:00 Uhr
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