07.04.2013

Radweg soll näher an die Weser

Vor allem die Streckenführung im Landkreis Nienburg stößt immer häufiger auf Kritik

Landkreis. Einst war er die Nummer eins in Deutschland, der beliebteste Radweg. Doch der Weserradweg ist in die Jahre gekommen. Andere Radfernrouten haben ihm bei Besucherzahlen und Bewertung den Rang abgelaufen. Vor allem die Streckenführung im Landkreis Nienburg stößt immer häufiger auf Kritik. „So kann das nicht weitergehen. Wir müssen den Weg nach 20 Jahren aufpeppen“, ist Dietrich Pagels, Leiter des Fachdienstes Regionalentwicklung beim Landkreis Nienburg, überzeugt. Auch die Weserbergland-Touristik sah das Problem und beauftragte den Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die kompletten 491 Kilometer von Hann. Münden nach Cuxhaven im Sommer 2010 abzuradeln.

Was die Experten auflisteten, deckt sich mit der Kritik vieler Touristen: uneinheitliche Beschilderung, Streckenführung abseits der Weser, teilweise schlechte und zu schmale Wege, und zahlreiche Gefahrenstellen.

„Es war ernüchternd“, kommentiert Dietrich Pagels. Es müsse grundsätzlich versucht werden, den gesamten Radweg zu verbessern. Daher sei es notwendig, dass alle Landkreise, Gemeinden und Tourismusverbände gemeinsam handelten.

Die Oberweser-Landkreise und Nienburg haben unter Federführung des Landkreises Hameln-Pyrmont beim Land Zuschüsse für die Verbesserung des Weserradwegs beantragt. Allein der Landkreis Nienburg plant Verbesserungsmaßnahmen, die inklusive Planung rund 630 000 Euro kosten. Die Hälfte davon – 315 000 Euro – hat das Land als Förderung bewilligt. Bereits in diesem Jahr sollen die Verbesserungen umgesetzt werden, damit der Weserradweg in der Saison 2014 bessere Kritiken bekommt.

Der Landkreis ist für die Planungskosten und die Kosten für die Beschilderung zuständig, die Gemeinden stellen die Finanzierung der Wegebaumaßnahmen sicher.

Zudem wird über eine Erweiterung des Projekts nachgedacht, die rund 400 000 Euro kosten wird. Ein Förderantrag über 200 000 Euro dafür ist in Bearbeitung.

Zentraler Ansatz ist, den Radweg näher an die Weser zu führen. Dies bedeutet an einigen Punkten eine neue Streckenführung und den Abschied von den so genannten Alternativrouten. „Dies haben wir mit den betroffenen Gemeinden abgestimmt“, betont Dietrich Pagels: „Das Thema eines Flussradwegs ist der Fluss.“

Das bedeutet aber auch, dass Orte und Sehenswürdigkeiten, die nicht unmittelbar an der Weser liegen, nicht mehr in die Streckenführung eingebunden sind. So führt die Hauptroute nicht mehr auf der Liebenauer Weserseite entlang. In Nienburg führt die Route nicht mehr über die Lange Straße, sondern auf dem Weserwall zur neuen Weserbrücken-Unterführung. Auch Marklohe und Bücken werden nicht mehr direkt angesteuert. Allerdings soll es parallel zur Hauptroute auf der anderen Weserseite eine alternative Strecke von gleicher Qualität geben. Brücken, Wehre und die Weserfähre Schweringen sollen die Möglichkeit geben, die Weserseite zu wechseln.

„Wir machen das für die Radtouristen, nicht für die Gastronomie“, betont Dietrich Pagels. „Wichtig ist es, eine Streckenführung zu schaffen, die für die Radwanderer optimal ist. Sie wollen nicht in Schlangenlinien durch die Orte geführt werden, sondern am Fluss radeln“, meint Landkreis-Pressesprecher Torsten Rötschke: „Ohne eine höhere Qualität der Strecke werden wir langfristig weniger Touristen haben. Damit ist niemandem gedient.“

Ein Weserradweg, der seinen Namen nicht verdient, weil er entlang einer viel befahrenen Landesstraße verläuft, auf dem gar Bundesstraßen unter höchster Gefahr überquert werden müssen, sei nicht mehr zeitgemäß.

Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik mahnt, die Radwanderer nicht zu unterschätzen: „Sie wissen genau, welche touristischen Ziele am Rande des Weserradwegs sie ansteuern wollen. Die meisten lassen sich zudem vorher in den Touristikzentralen beraten.“

Meike Rohlfing, Radverkehrsbeauftragte des Landkreises, betont, dass es nicht darum gehe, bestimmte Orte abzuhängen: „Es wird eine neue und umfangreiche Beschilderung geben, welche Sehenswürdigkeiten und Gastronomieangebote es in den Orten entlang des Radwegs gibt. Umfangreichere Informationen können zudem über QR-Codes mit dem Smartphone abgefragt werden. Der Tourist soll immer das Gefühl haben, dass er am Fluss entlangfährt, aber es ringsum tolle Ziele gibt.“ la

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Erstellt:
7. April 2013, 00:00 Uhr
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