Luca Jensen als generte Mutter, hinten Alicia als Kind. Henkel

Luca Jensen als generte Mutter, hinten Alicia als Kind. Henkel

Nienburg 06.02.2018 Von Die Harke

Rathaus wurde zur Nervenheilanstalt

AG Darstellendes Spiel der Albert-Schweitzer-Schule agierte auch im Parkhaus

Befremdet betrachteten Benutzer der Parkgarage des Rathauses die bemitleidenswert desolate Braut, die auf dem nackten Betonboden des Tiefgeschosses saß. Um sie herum lag eine zerlesene Ausgabe der HARKE, in ihrer Hand hielt sie eine Zigarre. Was war hier los? War die Polizei informiert? Hatte jemand einen Arzt oder besser noch die Psychiatrie gerufen? Und vor allem, warum standen so viele Gaffer unbeteiligt um die junge, verweinte Frau herum, ohne ihr zu helfen? Was die parkenden Passanten kaum ahnen konnten: Es handelte sich um eine Aufführung des Theaterprojekts mit dem Titel „Dein Irre – Mein Menschlich“, dessen Abschlussszene in der brutalistischen Architektur des Parkhauses gezeigt wurde.

Hinter der Aufführung steckten Schüler des 11. und 12. Jahrgangs der [DATENBANK=4419]Albert-Schweitzer-Schule[/DATENBANK]. Im Rahmen des Unterrichtsfachs Darstellendes Spiel hatte ihnen Kursleiter Andreas Busch die Aufgabe gestellt, Solo-Szenen zu inszenieren, die schließlich vor Publikum an einem öffentlichen Ort präsentiert werden sollten.

Im Verlauf des Unterrichts entstand so eine große Zahl von Monologen, deren einziger Zusammenhang darin bestand, dass sie Menschen in emotionalen Extremsituationen zeigten. Um eine inhaltliche Klammer für die Szenen zu finden, kamen die Teilnehmer auf die Idee, ihre Monologe in eine fiktive Nervenheilanstalt zu verlegen. Das Publikum sollte dann die Rolle von Besuchern einnehmen. Schnell war man sich über den Spielort einig: Das Rathaus sollte es sein – auch, weil es architektonisch vielfältige Möglichkeiten bietet, ein Stationsspiel an unterschiedlichsten Orten im Gebäude aufzuführen.

„[DATENBANK=2293]Jörg Meyer[/DATENBANK], der Ansprechpartner der Kultur- und Theaterabteilung der Stadt, zeigte sich sehr aufgeschlossen. Es gab im Prinzip keine Hindernisse und uns wurde alles ermöglicht“, beschreibt [DATENBANK=7080]Andreas Busch[/DATENBANK] die Kooperation mit der Stadt.

Nach einem halben Jahr Vorbereitung fand die erste und vorläufig einzige Aufführung statt. Entgegen der Erwartungen der „Patienten, Pfleger und Ärzte“ hatten sich trotz „konkurrierender“ Veranstaltungen im Kulturwerk und im [DATENBANK=3566]Theater auf dem Hornwerk[/DATENBANK] viele Besucher im Foyer des [DATENBANK=145]Rathaus[/DATENBANK]es eingefunden.

Die Braut im Parkhaus. Henkel

Die Braut im Parkhaus. Henkel

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Erstellt:
6. Februar 2018, 21:00 Uhr
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