Recht gilt auch für Kolonnen

Recht gilt auch für Kolonnen

Nikias Schmidetzki DH

Als in der vergangenen Woche die Bundeswehr für ein Manöver mit jeder Menge Fahrzeugen durch den Landkreis Nienburg fuhr, tat sie das häufig im Verbund. So eine Kolonne hat ihre eigenen Regeln, Rechte und Pflichten. Wenn nun – wie geschehen – eine Fahrradfahrerin davon ausgeht, von ihrer Vorfahrt Gebrauch machen zu können, dann hängt das davon ab, ob die Kolonne noch kommt oder sie schon zum Teil passiert hat.

Der ADAC schreibt zum Fahrzeugverbund: „Verkehrsrechtlich gilt er als ein Fahrzeug. Ein geschlossener Verband darf also komplett bei Rot über die Ampel fahren, wenn das erste Fahrzeug sie noch bei Grün geschafft hat. Auch im Kreisverkehr, an Zebrastreifen und Kreuzungen oder beim Reißverschlussverfahren gilt: Die Kolonne darf stets zusammenbleiben. Das bedeutet auch: Ein Unterbrechen der Kolonne durch ‚Reinquetschen‘ ist nicht erlaubt.“

Laut Straßenverkehrsordnung wird aber ein Vorrang „durch die Kolonnenfahrt, insbesondere durch das Unterbrechungsverbot, alleine nicht begründet.“ Der Konvoi hat somit nicht grundsätzlich Vorfahrt. Wenn aber das erste Fahrzeug noch nicht die Vorfahrt eines anderen Verkehrsteilnehmers beachten musste, dürfen die anderen noch folgen.

Im konkreten Fall war das erste Fahrzeug noch nicht vorbeigefahren, die Radlerin hätte Vorfahrt gehabt – war aber gut beraten, es nicht darauf ankommen zu lassen. Das Personal im Begleitfahrzeug versprach übrigens darauf hingewiesen, die Situation anzusprechen. Ob das passierte, ist unbekannt.