Stefan Reckleben

Stefan Reckleben

15.11.2012 Von Stefan Reckleben

Rechtsprechung

Ohne „Henker“

Zwei schwere Raubüberfälle in einem halben Jahr und nur eine weitere Bewährungsstrafe (Bericht auf dieser Seite): Das Jugendschöffengericht sah im Strafmaß auch über Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und eine fahrlässige Körperverletzung hinweg. Gericht und Staatsanwaltschaft verzichteten darauf, das erste Urteil mit zwei Jahren Haft auf drei Jahre Bewährung in das gestern gefällte Urteil wegen Raubüberfalls auf die Volksbank Husum hinzuzurechnen. Dann wäre keine Bewährung mehr möglich gewesen. So blieb das Gericht mit seinem Urteil nach Jugendstrafrecht bei der Mindeststrafe. Erwachsene bekommen bei schwerer räuberischer Erpressung mindestens fünf Jahren Gefängnis.

Da mögen die zetern, die bei solchen Straftaten sofort nach dem „Henker“ rufen und erwarten, dass sich potenzielle oder Kriminelle davon abschrecken ließen, ähnliches zu tun. Dass das nicht klappt, ist längst erwiesen.

Sachverhalt und Urteil von gestern haben etwas Klassisches: Das Gericht stellt die objektive Schuld des Nienburgers fest. Der legt dar, dass er die Orientierung verlor und was subjektiv alles zu den Überfällen geführt hat. Er bereut, macht reinen Tisch, weist nach, aus dem Sumpf entkommen und, wie die Richterin treffend bemerkte, in der Gesellschaft wieder angekommen zu sein. Darüber hinaus, und das war gestern spannend zu beobachten, macht er an Ort und Stelle einen aufrichtigen Täter-Opfer-Ausgleich, seit 1994 Bestandteil der Strafzumessung.

So verbaute das Gericht dem jungen Mann eben nicht die Zukunft durch den „Henker“. Bestraft ist er durch die Vorstrafen. Das Gericht machte sehr deutlich, dass beim Verstoß gegen Bewährungsauflagen oder einem Rückfall kein Weg am Knast vorbeiführt. So begünstigt unser Rechtssystem Resozialisierung und keine „Henker“.

Stefan Reckleben

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Erstellt:
15. November 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 49sec

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