Landkreis 07.12.2019 Von Die Harke

Reform des Inkassorechts gefordert

Wolfgang Lippel, langjähriger Schuldnerberater beim Paritätischen Nienburg, berichtet aus Praxis

Die Fachverbände der Schuldner- und Verbraucherberatung sind sich mit der Bundesregierung einig: Die Inkassounternehmen müssen stärker reguliert werden. Der vorgelegte Entwurf zur Reform des Inkassorechts greift aber viel zu kurz, kritisieren die Verbände.

„Stellen Sie sich vor, sie bezahlen an der Supermarktkasse mit ihrer Kontokarte. Dabei haben sie vergessen, dass Sie erst gerade Ihre Bankverbindung gewechselt haben, und nutzen versehentlich die alte Karte. Die Abbuchung geht schief, und kurz danach erhalten Sie eine Zahlungsaufforderung eines Inkassounternehmens“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Supermarkt habe den Kunden aber vorher nicht einmal gemahnt, sondern die Sache sofort ans Inkasso weitergegeben. Und jetzt werde nicht nur die Zahlung des eigentlichen Betrages gefrodert, sondern noch eine zusätzliche Inkassogebühr.

Mit solchen Fällen kenne sich Wolfgang Lippel, langjähriger Schuldnerberater beim Paritätischen Nienburg, aus. „Dieses als Überfallinkasso bezeichnete Vorgehen wird im Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums nicht einmal erwähnt. Die Schuldnerberatung fordert schon seit Langem, dass vor Weitergabe ans Inkasso mindestens einmal gemahnt worden und auf die weiteren Kosten hingewiesen sein muss“, heißt es weiter.

Auch weitere Probleme würden nicht ausreichend aufgegriffen. „So wird die häufig anzutreffende Weitergabe von einem Inkassounternehmen an das nächste, was immer zu weiteren Kosten führt, nicht untersagt. So wird aus einer Forderung von 20 Euro gerne mal eine von 200 €, meistens aus Inkassokosten bestehend.“ Auch die Kosten, die überhaupt für Inkasso erhoben werden dürfen, müssten stärker eingeschränkt werden. Wenn der Kunde zum Beispiel eine Ratenzahlung aushandelt, sollte diese eigentlich in der normalen Inkassogebühr enthalten sein und nicht extra kosten.

Zurzeit, so Lippel, sei die Inkassovergütung noch an das entsprechende Vergütungsgesetz für Rechtsanwälte gekoppelt. Hier wäre es höchste Zeit, dass eine eigenständige Vergütungsordnung für Inkassounternehmen eingeführt werde. Und diese, so die Forderung aus der Beratungspraxis, sollte deutlich niedriger angesetzt werden.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Dezember 2019, 14:34 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.