Regeln für Insider

Regeln für Insider

Stefan Schwiersch DH

Bei Ihnen wird sich der Inhalt des Briefkastens sicherlich ähnlich gestalten. Die liebe Frau erhält die netten Grußkarten und die hübschen Illustrierten, der gebeutelte Herr des Hauses die Rechnungen. Das hat die Natur anscheinend so eingerichtet, damit der Mann nicht zusätzlichen Zorn des Weibes auf sich zieht. „Happy wife, happy life“, sagt der Amerikaner. Neulich bekam sogar K3 Post. Für unsere Drittgeborene, just ein Jahr alt geworden, hatten wir ein Spardepot bei einer Investment-Bank angelegt, und die hatte irgendeine Gesetzesänderung mitzuteilen; das Überfliegen solcher Mitteilungen scheint ein weiterer Schutzmechanismus der Natur zu sein. Ich habe unserer jungen Dame jedenfalls den Inhalt mitgeteilt, es ging unter anderem um das „Inkrafttreten des Investmentsteuerreformgesetzes“ sowie Vorschriften, „die auf die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFiD 2“ zurückgehen.“ K3 dankte für die Auskunft, ihr war bisher nur MiFiD 1 bekannt.

Nun gibt es nicht nur in der Finanzwelt Regeln und Richtlinien, denen man im Alltag keine größere Bedeutung beimisst, die aber ihre Berechtigung haben. Das gilt auch für den Sport. So hat zum Beispiel der Golfklub Nyaza in Uganda ganz andere Sorgen als der in Rehburg-Loccum. Dort gilt folgende Regel: „Wenn ein Ball in gefährlicher Nähe eines Nilpferds oder Krokodils zum Liegen kommt, kann ein anderer Ball in einer sicheren Entfernung, nicht näher zum Loch, ohne Strafe gedroppt werden.“ Und die Regeln des internationalen Ringerverbandes befehlen, dass Frauen keine Bügel-BHs unter der Wettkampfkleidung tragen dürfen. Klar, niemand will einen verbogenen BH-Bügel im Auge einer Ringerin sehen.

Meine liebe Frau ist für derlei sportliches Basiswissen weniger empfänglich. Sie macht sich‘s leicht: Weder habe sie vor, in Uganda Golf zu spielen noch eine Ringerkarriere zu starten.