Brokeloh 06.08.2020 Von Sebastian Stüben

Regional, nachhaltig und bio

Serie „Nienburg nachhaltig“: „Bickbeernhof“ von Sylke Herse aus Brokeloh ist als Aussteller bei Messe „Land.Leben.Leese.“ am 24. und 25. Oktober dabei

Wenn am 24. und 25. Oktober erstmals die Messe „Land.Leben.Leese.“ im Gewerbe- und Industriegebiet Oehmer Feld stattfindet, dann ist auch Sylke Herse vom „Bickbeernhof“ in Brokeloh mit einem Stand dabei. Die ausrichtende Raiffeisen Agil aus Leese und die Landwirtschaftskammer wollen sich über die Messe mit Zukunftsthemen und Einkommensalternativen im ländlichen Raum befassen.

„Wir wollen neue Themen aufgreifen und Ideen vermitteln. Sowohl der Landwirt als auch der Verbraucher sollen neue Möglichkeiten und Chancen entdecken“, teilen die Organisatoren mit. Damit die Messe trotzt Corona stattfinden kann, müssen die Veranstalter spezifische Hygieneregeln einhalten. „Wir sind dabei, ein Hygienekonzept mit dem Gesundheitsamt des Landkreises abzustimmen“, teilt Raiffeisen mit.

Sylke Herse am Regal ihres Hofladens in Brokeloh, wo es verschiedene prämierte Produkte aus Bio-Blaubeeren gibt. Foto: Stüben

Sylke Herse am Regal ihres Hofladens in Brokeloh, wo es verschiedene prämierte Produkte aus Bio-Blaubeeren gibt. Foto: Stüben

„Dass ich da mitmache, war für mich gar keine Frage“, sagt Herse: „Schließlich geht es hier um Regionalität und Nachhaltigkeit. Das müssen wir in Gang halten.“ Oder wie es die Messe-Organisatoren ausdrücken: „Es soll dazu beigetragen werden, die Zukunft des ländlichen Raumes in Niedersachsen mit zu gestalten, vielleicht zum ,Flachland mit Weitsicht‘.“ Fundament der neuen Ausstellung ist die Ausstellung „Heizen mit Holz“ der Landwirtschaftskammer. Neben Holz geht es auch um andere Bereiche der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien wie Solarenergie, Biogas, Wärmepumpen und Windkraft. Die Raiffeisen Agil Leese bereichert das Angebot um einen Ausstellungsbereich mit Zukunftsthemen für den ländlichen Raum.

Über 50 Jahre „Bickbeernhof“

Der „Bickbeernhof“ von Sylke Herse in Brokeloh existiert seit über 50 Jahren. Helga und Horst Herse kamen 1968 nach Brokeloh und gründeten den Hof. Sie pachteten die Landwirtschaft des Rittergutes für 18 Jahre und bauten parallel bereits im ersten Jahr erfolgreich Kulturheidelbeeren an. Der Betrieb wuchs im Laufe der Zeit auf 22,5 Hektar Anbaufläche auf sieben Standorten rund um das Hofcafé. Als die erste Pachtzeit abgelaufen war, wurde am Ortsrand Brokeloh neu gebaut. Der „Bickbeernhof“ stieg in die Direktvermarktung ein, und das Hofcafé begann 1978 mit Waffeln und Puffern im rustikalen Stil. Seit 1989 ist der Bickbeernhof Bio-zertifiziert. Er ist Mitglied bei Bioland.

Seit wenigen Tagen bieten Herse und ihr Team wieder das Selbstpflücken der vitamin- und mineralstoffreichen Heidelbeeren an. Schon seit Anfang Mai laden Hofcafé und Hofladen zum Genießen und Shoppen ein. Ganz neu in dieser Saison: das Waldbaden auf dem frisch angelegten Wanderweg.

Die Gläser voller Blaubeerkompott werden von Hand mit Etiketten beklebt. Foto: Stüben

Die Gläser voller Blaubeerkompott werden von Hand mit Etiketten beklebt. Foto: Stüben

„Wir haben in Brokeloh den zwölf Kilometer langen Hermann-Löns-Wanderweg, den Besucher auch auf kürzeren Routen abwandern können“, sagt Herse: „Seit diesem Jahr besitzt der Bickbeernhof zusätzlich einen eigenen Wanderweg durch den Wald entlang der Plantagen.“ Und dazu hält Herse ein besonderes Angebot parat, das die Hofcafé-Betreiberin sich aufgrund der Corona-Krise für ihre Gäste ausgedacht hat: das Waldbaden.

„Alle Besucher werden von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter am Eingang in Empfang genommen. Diejenigen die das Waldbaden-Angebot nutzen möchten, bekommen eine spezielle Karte und können sich aus dem Angebot einen Picknick-Korb zusammenstellen lassen. Mit diesem können sich die Gäste auf den Wanderweg begeben und an einer der Eichen-Garnituren entlang des Weges die Köstlichkeiten genießen.“

Waffeln und Puffer mit Heidelbeer-Kompoett im Hofcafé

Herse packt standardmäßig Insektenschutz und Desinfektionsmittel in den Korb. „Im Moor, durch das der Weg führt, gibt es nun einmal Insekten. Mit dem Mittel können sich die Besucher schützen. Mit dem Desinfektionsmittel können sie Tisch und Bänke desinfizieren.“

Besucher, die nicht für sich alleine sein wollen, können auch an einem der Tische auf der großen Terrasse des Hofcafés Platz nehmen, wo es Waffeln und Puffer mit Heidelbeer-Kompott gibt. „Wir haben unsere Außenfläche wegen der Corona-Krise noch vergrößert“, sagt Herse: „Weil wir die Tische natürlich mit ausreichend Abstand aufstellen müssen.“

Sylke Heerse zeigt Birtta Ronnenberg und Lena Lühr von der Raiffeisen-Warengenossenschaft ihre Plantage. Foto: Stüben

Sylke Heerse zeigt Birtta Ronnenberg und Lena Lühr von der Raiffeisen-Warengenossenschaft ihre Plantage. Foto: Stüben

Seit dem 13. Juli können die Besucher selber Heidelbeeren in Bioqualität pflücken. Mit einem Eimer geht es in die Plantage. „Wir haben gestaffelte Preise. Je mehr Kilogramm die Gäste pflücken, desto günstiger wird es pro Kilo“, sagt Herse: „Die Besucher können für den Grundpreis auch einfach naschen, wenn sie wollen.“

Im Hofladen gibt es neben der bekannten „Blaumelade“, dem Fruchtaufstrich aus Blaubeeren, unter anderem Blaubeer-Mettwurst, Blaubeer-Fruchtwein und das Blaubeer-Kompott. Auch ein eigenes Bier hat der Bickbeernhof im Angebot.

Strom aus einer Photovoltaikanlage

Herse freut sich nach eigenen Worten, dass es jetzt trotz Corona-Pandemie wieder richtig losgeht auf dem Hof. „Wir haben hier ein Angebot, das die Menschen auch unter den gegebenen Umständen richtig genießen können. Sie sind an der frischen Luft und haben den nötigen Abstand.“ Herse denkt nach eigenen Worten darüber nach, zusätzlich thematische Veranstaltungen mit Musik anzubieten. „Hier bei uns ist das möglich. Gerade auch weil andere Veranstaltungen wie das Altstadtfest in diesem Jahr ausfallen.“

Wir als Betrieb treiben die Regionalität und Nachhaltigkeit bewusst voran, inklusive dem Bioanbau.

Sylke Herse vom „Bickbeernhof“

Um noch mehr Nachhaltigkeit in den Betrieb zu bringen, sollen Waffeln künftig mit dem Strom aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hofcafés gebacken werden. Eigene Bienenzuchten sollen für die Bestäubung der Pflanzen sorgen. „Außerdem wollen wir unsere Produkte bei Edeka regional anbieten in einem Umkreis von 100 Kilometern.“ Herse drängt gerade beim Verkauf im Einzelhandel darauf, dass die Händler die Früchte in größeren Einheiten verkaufen, um Verpackungsmaterial zu sparen. Sie selbst verpacken die Beeren statt in Plastik in Pappboxen.

„Wir als Betrieb treiben die Regionalität und Nachhaltigkeit bewusst voran, inklusive dem Bioanbau“, sagt Herse, Deshalb freue sie sich bei der Messe dabei sein zu können, die ge+nau diese Werte an die Verbraucher vermitteln will.

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Erstellt:
6. August 2020, 18:50 Uhr
Lesedauer:
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