Viel zu früh gegangen: Manfred "Manni" Göhlich. Foto: Privat

Viel zu früh gegangen: Manfred "Manni" Göhlich. Foto: Privat

Nienburg 05.12.2020 Von Stefan Schwiersch

Regulator am Thermostat

Kurz vor seinem 69. Geburtstag: Der hiesige Fußball hat mit Manfred Göhlich einen außergewöhnlichen Charakter verloren

Herzlichen Glückwunsch, lieber Manni, zu Deinem heutigen 69. Geburtstag. Wir drücken die Daumen, dass vielleicht Diego vorbeischaut und Du ihm einen kleinen Einblick gewähren kannst in den gepflegten Nienburger Fußball.

Es ist eine Tragik, dass Manfred Göhlich diesen und viele weitere Glückwünsche nicht mehr persönlich entgegennehmen kann. Der langjährige Multimann vom ASC Nienburg starb am Freitag vor einer Woche. Nicht unerwartet und dennoch überraschend. Vorangegangen war eine längere Krankheitsphase mit einem eiligen Schlussakkord. Alles viel, viel zu früh.

Manfred, nein, bleiben wir beim „Manni“, weil eigentlich niemand den Manfred benutzt hat. Manni wird als Phänomen, als grundvernünftiger Regulator im Gedächtnis all derer bleiben, die ihn kennenlernen durften. Da ist einerseits der ASC Nienburg, dieser stolze Traditionsverein mit der wechselhaften Geschichte, der seit jeher polarisiert, der beneidet wurde, als er erfolgreich war, der eher verspottet als bemitleidet wurde in schwierigen Phasen und dessen Funktionsträgern außerhalb der Mußriede bisweilen mit einer reflexartigen Skepsis begegnet wurde. Und dann war da Manni Göhlich, dieser besonnene und unaufgeregte Typ, für den das nicht galt. In diesem Schmelztiegel ASC war Manni jener verlässliche Ruhepol, der das Thermostat stets herunterdrehte, ehe die Suppe wieder mal überkochte.

Nach Jugendjahren beim Stadtrivalen FC wechselte der gebürtige Nienburger zum Nachbarklub. „Er war ein guter Spieler“, sagt sein Junior Nils. Dass er dennoch nicht im Blickfeld des damaligen Verbandsliga-Teams auftauchte, dürfte seiner Mentalität geschuldet, nein, zu verdanken gewesen sein. „Mein Vater war vielleicht nicht ganz so ehrgeizig und zielstrebig wie sein Bruder Eberhard“, sagt Nils. „Spiel und Spaß waren ihm wichtiger.“

So wichtig, dass er diesen Spaß unzähligen Kindern als Trainer weitervermittelte. Und hier wird das zweite Phänomen sichtbar: Ohne den Anspruch, ein Vorstandsamt zu übernehmen, avancierte Manni Göhlich zum spiritus rector, zur treibenden Kraft der Jugendabteilung. In den Vorstand ließ er sich erst spät wählen, unter anderem als Jugendleiter, Spielobmann und Geschäftsführer.

Göhlich versah seine Aufgaben und seine Ämter mit Herzblut, mit spürbarer Leidenschaft. „Er hat sich gern um alles gekümmert“, blickt Nils Göhlich zurück. „Manchmal klingelte bei uns zuhause 100-mal am Tag das Telefon.“ Das war im Grunde hausgemachtes Leid, denn jeder wusste: Wer Manni fragt, kriegt eine gescheite Antwort.

Obgleich Göhlichs Enthusiasmus in der Kurz-Ära Ertunc Malkoc, dem Kurzzeit-Spartenleiter ab 2012, deutlich litt, blieb er seinem Verein verbunden. Er verabschiedete sich 2015 aus dem sportlichen Bereich, widmete sich dafür dem Bratwurststand. „Manni sorgte mit seiner Art, seinem Witz und seinem offenen Ohr dafür, dass dieser Bereich stets ein beliebter Treffpunkt in der Mußriede war“, betont ASC-Präsident Marcin Binieda.

Zu schade, dass sich Manni und Diego nicht mehr unter den Lebenden begegnet sind. Erst ‘ne Runde kicken, dann ‘ne leckere Wurst und nebenher ein warmherziger Klönschnack, das hätte Maradona gewiss gefallen.

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Erstellt:
5. Dezember 2020, 06:45 Uhr
Lesedauer:
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