Kinderbuchautor Armin Pongs sieht es als seine Mission an, Kinder im High-Tech-Zeitalter wieder fürs Lesen zu begeistern. In Marklohe nahm er den Grundschülern mit Erfolg das entsprechende Versprechen ab: „Ich schwöre, …“ Fotos: Schwiersch

Kinderbuchautor Armin Pongs sieht es als seine Mission an, Kinder im High-Tech-Zeitalter wieder fürs Lesen zu begeistern. In Marklohe nahm er den Grundschülern mit Erfolg das entsprechende Versprechen ab: „Ich schwöre, …“ Fotos: Schwiersch

Lemke 27.01.2020 Von Stefan Schwiersch

Reichtum ohne Geld

Kinderbuchautor Armin Pongs macht Markloher Grundschülern das Lesen schmackhaft

War es eine mutige, womöglich eine übermütige Aussicht, die Armin Pongs da in den Raum stellte, als er sinngemäß ankündigte, alle Kinder reich machen zu können? Monetär gedacht sicherlich. Doch Pongs‘ Lesung an der Markloher Grundschule zielte auf einen ganz anderen Reichtum ab: auf das Lesen und den damit einhergehenden Gewinn für die Fantasie. Denn „Lesen macht reich – an Bildern im Kopf“.

Hinter Armin Pongs, Jahrgang 1968, wohnhaft am Chiemsee, steht eine Vita, die alles andere als linear auf eine Karriere als Autor von Kinderbüchern ausgerichtet war. Studium der Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut und später am Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dozent an der rumänischen Uni in Cluj, Dozent an der Universität in Friedrichshafen und schließlich Kinderbuchautor, Verleger und Musiklabel-Gründer.

Pongs band die Markloher Schüler in seine Lesung geschickt ein.

Pongs band die Markloher Schüler in seine Lesung geschickt ein.

Eine Studie für das Bundesministerium über den demografischen Wandel lenkte den ursprünglich wissenschaftlichen Fokus Pongs‘ in eine ganz andere Richtung. „In dieser Studie und auch im Bekanntenkreis in den letzten zehn Jahren habe ich festgestellt, dass die Kinder weniger lesen und oft die Lesekompetenz gar nicht da ist“, erklärt Pongs im HARKE-Gespräch. Auf der Gegenseite gewinnen Computerspiele und das Fernsehen immer größere Macht. „Deswegen habe ich mich entschlossen, meine feste Stelle an einer Universität aufzugeben und Kinderbuchautor zu werden.“

Ich weiß, was passiert, wenn die Kinder nicht lesen. Deshalb sind diese Lesungen für mich ein Auftrag geworden. Ich hoffe, mit meiner Arbeit ein bisschen was zu bewegen.

Armin Pongs

Das Wagnis hat letztlich gefruchtet. Zwei Jahre ließ er Beruf und Passion noch parallel laufen, dann widmete er sich komplett dem Schreiben. „Und ich bereue es keinen Tag – auch wenn ich wie heute eine lange Nacht hinter mir habe.“ Pongs war gegen Mitternacht daheim aufgebrochen, um sieben Stunden später pünktlich zur ersten Stunde die Erstklässler der Schule zu begrüßen.

 

Eltern wissen: Eine volle Stunde Konzentration und Aufmerksamkeit von Erstklässlern einzufordern, das zeugt entweder von Mut oder von Wahnwitz. Pongs gelang das nahezu spielerisch mit einem Mix aus Vorlesen und Mitmachen. Star seiner insgesamt 23 Kinderbücher ist „Krokofil“, das freundliche Krokodil, das über ausgeprägte Sozialkompetenz verfügt, Fantasie zudem, um die Bedeutung von Freundschaften weiß und alles daran setzt, seine Träume zu verwirklichen.

Um die Aufmerksamkeitsspanne seines Publikums nicht zu überdehnen, band Pongs alle Mädchen und Jungen mit ein, stellte Fragen, manövrierte die Schüler in den Mittelpunkt, bescherte ihnen Applaus bei klugen Antworten auf knifflige Fragen, belohnte sie mit Mondsteinen, die – unterm Kopfkissen versteckt – künftig böse Träume verbannen.

Mehr noch: Pongs‘ Primärmessage, dass Reichtum nicht zwingend mit Münzen zu tun hat, wurde verstanden. „Geld kann ich ausgeben, kann ich verlieren, kann gestohlen werden. Dann ist es weg.“ Die Bilder aber, die sich rund um Krokofil in den Köpfen der Kinder entwickelten, „die kann euch niemand mehr nehmen“.

Schlussendlich nahm Pongs seinen bereitwilligen Zuhörern ein Versprechen ab: „Schaut weniger fern, spielt weniger am Computer und lest mehr Bücher. Versprecht ihr mir das?“ Alle Finger gingen in die Höhe.

Immer wieder stellt Armin Pongs fest, dass seine Lesungen bei den Kindern für Impulse sorgen, zum Umdenken beitragen, zu Wendepunkten führen. Sein sensibles Handling mit Kindern basiert gewiss auf einem Erfahrungsschatz, „außerdem stamme ich aus einem Lehrerhaus und konnte da einige Tricks und Kniffe mitnehmen“.

Am Ende bedankte sich Pongs bei seinen Zuhörern für die Aufmerksamkeit und das engagierte Mitwirken und sah sich in seinem Tun einmal mehr bestätigt: „Ich weiß, was passiert, wenn die Kinder nicht lesen. Deshalb sind diese Lesungen für mich ein Auftrag geworden. Ich hoffe, mit meiner Arbeit ein bisschen was zu bewegen.“

Mehr im Internet: www.arminpongs.de.

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Erstellt:
27. Januar 2020, 17:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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