JBG-Schulleiter Lutz Bittner berichtet, dass die Teilnehmenden des Skikompaktkurses seines Gymnasiums unaufgeregt auf die Anordnung der häuslichen Quarantäne reagiert hätten. Foto: JBG Hoya

JBG-Schulleiter Lutz Bittner berichtet, dass die Teilnehmenden des Skikompaktkurses seines Gymnasiums unaufgeregt auf die Anordnung der häuslichen Quarantäne reagiert hätten. Foto: JBG Hoya

Hoya 06.03.2020 Von Matthias Brosch

Reise nach Italien: „Risikoabwägung fand statt“

Schulleiter Lutz Bittner berichtet / Rückkehr des Skikompaktkurses vom Hoyaer Johann-Beckmann-Gymnasium wird vorbereitet

Unaufgeregt haben die Teilnehmenden des Skikompaktkurses vom Johann-Beckmann-Gymnasium aus Hoya am Donnerstagnachmittag auf die Nachricht aus der Heimat reagiert, dass sie sich nach der Rückkehr aus Südtirol (Italien) am Wochenende in Deutschland in häusliche Quarantäne begeben müssen.

„Sie sind gerade auf der Piste, die Stimmung ist gut“, berichtet Schulleiter Lutz Bittner am Freitagvormittag auf HARKE-Nachfrage. Momentan deute nichts darauf hin, dass sich jemand mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben könnte.

Es sind 23 Mädchen und Jungen des zwölften Jahrgangs sowie drei Lehrkräfte unterwegs. Krankheitssymptome, die auf eine Ansteckung hindeuten, gibt es laut offiziellen Informationen nicht. Lediglich das Reisegebiet, in dem es eine Häufung von Corona-Fällen gibt, dient bei der Einschätzung als Risikofaktor. Das Robert-Koch-Institut hat die Region Südtirol inzwischen in die Liste der Corona-Risikogebiete aufgenommen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hat das Kreisgesundheitsamt am Donnerstag allen Teilnehmenden einen 14-tägigen Aufenthalt im eigenen Zuhause angeordnet. Dabei darf es zwei Wochen lang keinen direkten Kontakt zu Menschen geben, auch nicht zu Familienangehörigen oder anderen Mitbewohnern.

Die Eltern und Geschwister sind aufgefordert, ebenfalls die allgemeinen Hygienevorschriften des Robert-Koch-Institutes strengstens zu befolgen (Husten- und Nies-Etikette, Händehygiene, Abstand), um sich selbst zu schützen beziehungsweise eine Verbreitung von Infektionskrankheiten zu vermeiden. Sie dürfen allerdings ihrem Alltag nachgehen, also zur Arbeit gehen oder Kindergarten und Schule besuchen.

Der nächste Besuch des Gymnasiums für die Teilnehmenden des Skikompaktkurses des JBG ist für den 23. März vorgesehen. Bis dahin müssen die Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte ihren Gesundheitszustand täglich melden und beispielsweise Fiebermessungen durchführen.

Nach ihrer Ankunft an diesem Wochenende wird es eine Untersuchung durch das Gesundheitsamt geben, bevor es nach Hause geht. Auf die anschließende Quarantäne kann nach Entscheidung des Landkreises nicht verzichtet werden, da eine fehlerhafte Messung bei einer noch nicht ausgebrochenen Krankheit nicht ausgeschlossen ist.

Die JBG-Gruppe wird durch das Gesundheitsamt mit einem Schreiben über das nötige Verhalten in der häuslichen Quarantäne informiert. Die Schülerinnen und Schüler sollen diese Informationen an ihre Elternhäuser weitertragen, berichtet Bittner.

Falschinformationen sollen aus der Welt

Der Leiter des Hoyaer Gymnasiums ist derzeit darum bemüht, die vielen Falschinformationen aus der Welt zu bekommen. Ihm ist es vor allem wichtig, jetzt darzustellen, dass der Fahrt eine gründliche Risikoabwägung vorausgegangen ist. Vor dem Start am vergangenen Freitag, 28. Februar, hatte das JBG die Lage beobachtet und sich mit der Landesschulbehörde in Verbindung gesetzt.

Es lag allerdings keine Reisewarnung vor, sodass es bei einem Nichtantritt auch keine volle Erstattung der Kosten gegeben hätte. Das abgefragte Meinungsbild unter den Eltern ergab schließlich: 23 von 24 Erziehungsberechtigten sahen keinen Grund, auf den Skikompaktkurs in Südtirol zu verzichten.

Während der Reise, die zum Schulunterricht zählt und keine Freizeitveranstaltung ist, hatten sich die Meldungen gehäuft, dass es bestätigte Corona-Fälle in der Nähe der JBG-Gruppe in Italien gab. Aus diesem Grund wurde das Gesundheitsamt informiert, das nun die häusliche Quarantäne anordnete. Neben dem JBG hätten das „Risiko“ auch weitere Schulen treffen können, da abgeordnete Lehrerinnen und Lehrer aus Hoya in Nienburg unterrichten.

Die für die kommenden 14 Tage angesetzten Klausuren des zwölften Jahrgangs werden verschoben und sollen sowohl in der Woche vor und nach Ostern nachgeholt werden. „Terminlich ist das kein Problem, und es entstehen keine Nachteile“, sagt Bittner.

Lediglich einige Lehrkräfte hätten – anders als geplant – einen erhöhten Korrekturaufwand, da nach Ostern die Abiturprüfungen anstehen. Während der Quarantäne werde den betroffenen JBG-Gymnasiasten das Unterrichts- und Lehrmaterial digital zur Verfügung gestellt, sodass ein selbstständiges Lernen in der Zeit möglich sei.

„Es bleibt zu hoffen, dass sich am Ende niemand angesteckt hat“, sagt der Schulleiter – und wenn, dann können den Prognosen nach immerhin von einem harmlosen Verlauf ausgegangen werden.

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Erstellt:
6. März 2020, 13:32 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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