Reisewarnung für Paris und Côte dAzur

Reisewarnung für Paris und Côte dAzur

Die Bundesregierung hat wegen der Ansteckungsgefahren eine Reisewarnung für den Großraum Paris ausgesprochen. Foto: Michel Spingler/AP/dpa

Die Regionen Île-de-France und Provence-Alpes-Côte dAzur werden seitdem auf der fortlaufend aktualisierten Liste des bundeseigenen Robert Koch-Institutes (RKI) als Risikogebiete geführt. Solch eine Einstufung erfolgt nach gemeinsamer Entscheidung von Gesundheits-, Außen- und Innenministerium.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) zeigt sich gelassen über die Entscheidung. „Frankreich ist nicht das Hauptziel deutscher Pauschalurlauber. Die meisten Frankreich-Touristen organisieren sich ihren Urlaub individuell“, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Dementsprechend überschaubar schätze er den Schaden bei den Reiseveranstaltern ein. „Reisewarnungen für Urlaubsregionen in Spanien oder Griechenland würden die Branche härter treffen.“

Es sei so kurzfristig schwierig, die Folgen abzuschätzen, räumte der DRV ein. Die Hauptreisezeit für Städtetrips stünde erst noch bevor. Dementsprechend komme es für viele Paris-Reisende darauf an, wie lange die Reisewarnung aufrecht erhalten werde. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt“, sagte der Sprecher.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Eine Reisewarnung geht weiter. Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Pauschalreisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Allerdings soll die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder abgeschafft und durch eine neue Regelung ersetzt werden. Entsprechende Vorschläge legten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag nach einer Schaltkonferenz vor.

Im Großraum Paris und in der Region Provence-Alpes-Côte dAzur, in der auch in die Hafenstadt Marseille liegt, hatte sich die Lage in der vergangen Wochen bereits verschärft. Die französische Regierung hatte Paris und das Département Bouches-du-Rhône am Mittelmeer als Zonen eingestuft, in denen das Virus aktiv zirkuliert. Das bedeutet, dass die regionalen Behörden dort das öffentliche Leben einschränken können - theoretisch etwa durch das Schließen von Restaurants oder Märkten oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

In Paris zum Beispiel wurde die Maskenpflicht infolge der Einstufung massiv ausgeweitet - sie gilt nun auch unter freiem Himmel fast in der ganzen Stadt. In Paris ist die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner seit Anfang August wieder weit über 50 gestiegen. Blickt man aber zum Beispiel auf die Auslastung der Intensivbetten, ist die Stadt bisher im grünen Bereich.

Frankreich wurde von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen - mehr als 30.500 Menschen sind bisher gestorben. Den Expertinnen und Experten macht derzeit vor allem Sorge, dass sich besonders viele junge Menschen mit dem Virus infizieren - aber keine oder kaum Symptome haben. Diese könnten dann wiederum ältere Menschen anstecken.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, schließt eine Reisewarnung für ganz Frankreich nicht aus. „Wir haben ein atmendes System“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv. Es gebe klare Maßzahlen, nach denen eine Region zum Risikogebiet erklärt werde, so Bareiß. „Wenn 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zu erkennen sind, dann muss man reagieren.“ Am Montag hatte die Bundesregierung wegen der Corona-Ansteckungsgefahr eine Reisewarnung für den Großraum Paris sowie weite Teile der französischen Mittelmeerküste rund um Marseille ausgesprochen.

Die Einstufung der Regionen Île-de-France und Provence-Alpes-Côte d'Azur als Risikogebiete halte er für angemessen, betonte Bareiß. „Das System funktioniert. Wir haben ganz klar gesagt, dass wir nicht mehr Länder schließen wollen, sondern nur noch Regionen beobachten wollen“, sagte er in der TV-Sendung.

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