Reißverschluss? Rechts vor links?

Reißverschluss? Rechts vor links?

Nikias Schmidetzki DH

Da stehe ich also unter vielen anderen und komme nicht vorwärts. Links und rechts von mir sieht es nicht besser aus. Es wachsen Ungeduld und Unmut – im Stau erhitzen sich die Gemüter besonders schnell. Und dann fällt das magische Wort: „Reißverschlussverfahren“. Na klar, erst links, dann rechts, dann wieder links und so weiter. „Wie im Straßenverkehr“, sagt eine Frau, die sich in derselben misslichen Lage befindet. Nur: Wir sind leider nicht im Straßenverkehr, sondern in einer Schlange vor der Supermarktkasse.

Aus jeweils zwei Reihen zwischen Regalen müssen sich die Kundinnen und Kunden nun der Aufgabe stellen, sich einzureihen. Eine logistische wie auch soziale Herausforderung. Denn nirgendwo steht, so offenbar die Meinung einiger Einkaufender, dass das im Grundsatz ja gute Prinzip jenes Reißverschlussverfahrens auch für Wagenschieber auf dem Weg ins Wochenende gilt.

Keineswegs würde er noch jemanden vorlassen, meint ein Herr, der noch einige Meter von der Kasse entfernt, aber das Ziel schon fest vor Augen, steht, den Griff des Wagens sicher in den Händen. Mit jedem Satz, den sich Kunden aus seiner linken und aus der rechten Reihe geben, wird es ungemütlicher – wer nachgibt, verliert.

Während ich nach Fluchtwegen über das Kassenband suche, um der drohenden Eskalation und eventuell marodierenden Kundengrüppchen zu entkommen, verkneife ich mir still lächelnd den Rat, es doch einfach mit „Rechts vor links“ zu versuchen, was mit Sicherheit die Bildung eines Mobs aus der betroffenen linken Regalreihe – die mit dem siegessicheren Herrn –mit sich gezogen hätte. Und dann, ganz plötzlich, darf ich bezahlen. Aus, vorbei, ich bin frei – wie im echten Leben draußen auf der Straße.