Holger Nolte (links) und Morten Surhoff vor dem Start in Bad Gandersheim. Foto: Nolte

Holger Nolte (links) und Morten Surhoff vor dem Start in Bad Gandersheim. Foto: Nolte

Nienburg 02.06.2020 Von Die Harke

Roswitha zeigt Grenzen auf

Holger Nolte und Morten Surhoff versuchen sich nonstop am 189 Kilometer langen Wanderweg

Der Roswitha-Weg beginnt in Nienburg, ist 189 Kilometer lang und führt mit circa 3.000 Höhenmetern über den Deister, Iht und Hils. In Bad Gandersheim endet die Strecke – in der Heimatstadt der 973 gestorbenen Namensgeberin, Roswitha von Gandersheim. Die Idee, diesen Weg nonstop zu bewältigen, hatten die Kreis-Nienburger Holger Nolte und Morten Surhoff bereits vor einem Jahr, aber am zurückliegenden Pfingstwochenende setzten sie diesen Plan um – zumindest fast.

Auch bei den beiden Ausdauersportlern wirbelte Corona den Laufkalender gehörig durcheinander, aber schließlich sollte die Herausforderung rund um das Pfingstwochenende angegangen werden – wohlwissend, in diesem Jahr nicht spezifisch genug dafür trainiert zu haben.

Start am Pfingstsamstag um 8 Uhr

So starteten Nolte und Surhoff am Pfingstsamstag um 8 Uhr, streamten ihren aktuellen Standort samt Strecke und Zeit im Internet. Allerdings begann ihr Weg nicht an der Weser, sondern in Bad Gandersheim. Ein Drittel des Weges in die Heimat kannten sie aus gemeinsamen Trainingsläufen. Die ersten zwei Drittel waren neu und überraschten mit traumhafter Landschaft und Wegen.

Der erste „Marathon“ lief gut und das Duo lag gut in der Zeit. Die zweite Etappe, Holzen bis Coppenbrügge, 28 Kilometer über den Iht-Kammweg, ließ die Nienburger erstmals mächtig durchpusten. „Wunderschöne Landschaft, wunderschöner Weg, aber sehr schweres Gelände“, erinnert sich Surhoff. Singletrail über zerklüftete Steine, massenhaft umgestürzte Bäume auf dem Weg. Viel Kletterei. Über zwei Stunden später kamen sie am anvisierten Zwischenstopp an. „Danach waren die Oberschenkel zu. An Laufen war für mich erst einmal kaum mehr zu denken“, sagt Nolte.

Im Dunkeln der Nacht überquerten sie die „100 Kilometer-Grenze“. Die Kälte raubte ihnen dann jedoch die letzte Kraft. Um 4 Uhr in der Früh rasteten sie für eine halbe Stunde in einem Buswartehäuschen, um mit Rettungsdecken die ausgekühlten Körper etwas aufzuwärmen.

Nolte führt aus: „Wir hofften auf den Sonnenaufgang und die wärmende Sonne, die die Energie in unsere Glieder zurückbringen sollte. Leider verläuft der Roswitha-Weg auf der westlichen Seite des Deisters – also keine Sonne bis wir den Deister bei Rodenberg verließen.“

Gesundheitliches Desaster drohte

Dort trafen sie mit über sechs Stunden Verspätung ein. Die steilen Uphills in Hils und Iht ließen vor allem Nolte sehr in den Schuhen hin und her rutschen. „Ich hatte zwar Gamaschen drüber, aber Staub drang durchs Mechgewebe. Die Fußsohlen fühlten sich an, als liefe ich mit Sandpapier im Schuh. Kurz vor Rodenberg habe ich dann zum ersten Mal meine Füße behandelt. Da wars dann leider schon zu spät. Blasen, zu viel und zu groß. Auf den weiteren 10 km nach Lindhorst sind mir dann zwei Blasen unter dem linken Fuß geplatzt.“

Diese zehn Kilometer beanspruchten fast drei Stunden, es fehlten allerdings noch 65 Kilometer, rund 20 Stunden hatten Nolte und Surhoff dafür eingeplant. Beide analysierten: „Vermutlich wäre es ein gesundheitliches Desaster geworden. Also entschlossen wir uns, nach fast 29 Stunden und 130 Kilometern, in Lindhorst in die Bahn zurück nach Nienburg zu steigen. Roswitha hat uns mal so richtig gezeigt, was eine Harke ist. Es war dennoch eine tolle Herausforderung und eine wertvolle Erfahrung – Roswitha, wir kommen wieder!“

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Erstellt:
2. Juni 2020, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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