Der Rodewalder Wolf ist erneut zum Abschuss freigegeben. Das Foto zeigt einen Artgenossen aus dem Wildpark Eekholt, fotografiert durch ein Zielfernrohr.  Foto: dpa

Der Rodewalder Wolf ist erneut zum Abschuss freigegeben. Das Foto zeigt einen Artgenossen aus dem Wildpark Eekholt, fotografiert durch ein Zielfernrohr. Foto: dpa

Landkreis 24.08.2020 Von Sebastian Schwake

Rüde wieder zum Abschuss freigegeben

Land macht vorerst bis Ende des Jahres Jagd auf den Rodewalder Wolf

Das Land Niedersachsen hat die Jagd auf den Rodewalder Wolf („GW717m“) wieder aufgenommen. Wie das Umweltministerium am Montag mitgeteilt hat, ist die Genehmigung zum Abschuss des Rüden bereits am 17. Juli vom zuständigen Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erteilt worden.

Notwendig sei die erneute Abschussgenehmigung nach Angaben von Umweltministeriumspressesprecher Matthias Eichler geworden, weil entgegen der günstigen Prognose im März dieses Jahres weitere Risse im Territorium des Rodewalder Rudels eingetreten seien. So wurde am 24. Mai in Altenwahlingen im Heidekreis ein zwölf Monate altes Rind aus einer Herde mit sechs erwachsenen Tieren durch einen oder mehrere Wölfe getötet.

Der letzte Riss ereignete sich wie mehrfach berichtet am 16. Juni im Landkreis Nienburg, bei dem Wölfe des Rodewalder Rudels zwei Pferde töteten und ein weiteres schwer verletzten. In den von den Biss- und Fraßstellen genommenen Speichelproben wurden jeweils DNA-Spuren mehrerer Tiere des Rudels nachgewiesen, von denen zumindest ein Tier männlich war. Das Rissbild lasse aufgrund der daraus abzulesenden Jagdtechnik darauf schließen, dass der Leitrüde des Rudels beteiligt war.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies sagt dazu: „Leider hat sich damit die ursprüngliche Befürchtung bestätigt: Der Rodewalder Rüde reißt nicht nur weiter Rinder und Pferde, sondern hat inzwischen diese problematischen Jagdtechniken an sein Rudel weitergegeben. Wenn zumutbarer Herdenschutz von Wölfen überwunden wird, muss rechtzeitig reagiert werden – im Interesse einer artgerechten Weidetierhaltung, aber auch um die Akzeptanz für Wölfe bei uns zu erhalten.“

Die aktuelle Genehmigung ist zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2020. Zur Entnahme befugt seien geeignete Personen im gesetzlichen Sinne. Um die mit der Maßnahme betrauten Personen zu schützen, sei es geboten, weder deren Namen noch Details über den genauen Ablauf zu veröffentlichen, heißt es aus dem Umweltministerium weiter.

Für die Entnahme gelten die Bedingungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Solange das Individuum in der Landschaft nicht anhand besonderer, leicht erkennbarer äußerer Merkmale (etwa besondere Fellzeichnung) zu bestimmen ist, kann eine Identifizierung über die Nähe zu bisherigen Rissereignissen erfolgen. Nach jeder Entnahme eines Wolfes muss abgewartet werden, ob im Territorium des Rodewalder Rudels die Nutztierrisse aufhören oder soweit möglich mittels genetischer Untersuchung ermittelt werden, ob tatsächlich „GW717m“ entnommen wurde. Ist dies nicht der Fall und treten weitere Übergriffe auf, kann sukzessive jeweils ein weiteres Mitglied des Rudels bis zum Ausbleiben der Schäden beziehungsweise zum Abschuss von „GW717m“ entnommen werden. Die Entnahme einer sichtbar laktierenden Fähe ist auszuschließen. Die Fähe des Rodewalder Rudels hat vor wenigen Wochen Welpen auf die Welt gebracht und darf demnach nicht geschossen werden.

Seit dem Frühjahr 2018 war es im Territorium des Rodewalder Rudels, insbesondere im Landkreis Nienburg, vermehrt zu Übergriffen von Wölfen auf ausreichend geschützte Nutztiere gekommen. Dabei haben Wölfe nicht nur kleinere Nutztiere wie Schafe erbeutet, sondern darüber hinaus Rinder und Pferde gerissen. Aufgrund ausbleibender weiterer Herdenschutzüberwindungen und einer damit günstigeren Schadensprognose sowie mangels Erfolg wurde die Genehmigung nach dem 31. März 2020 nicht verlängert.

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Erstellt:
24. August 2020, 10:02 Uhr
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