Als Winzlar im Jahr 1996 auf 800 Jahre blickte, wurde Rüdiger Dreßler zum ersten Mal als Ortsbürgermeister gewählt. Er blieb es für 25 Jahre. Bei der kommenden Kommunalwahl tritt er nicht wieder an. Foto: Reckleben-Meyer

Als Winzlar im Jahr 1996 auf 800 Jahre blickte, wurde Rüdiger Dreßler zum ersten Mal als Ortsbürgermeister gewählt. Er blieb es für 25 Jahre. Bei der kommenden Kommunalwahl tritt er nicht wieder an. Foto: Reckleben-Meyer

Winzlar 18.08.2021 Von Heidi Reckleben-Meyer

Rüdiger Dreßler kandidiert nach 25 Jahren nicht wieder

Winzlars Ortsbürgermeister tritt im Herbst nicht wieder an

Als Rüdiger Dreßler 1996 zum ersten Mal für den Ortsrat Winzlar kandidierte, ahnte er noch nicht, dass eine weitere Aufgabe ebenfalls auf ihn zukommen würde: Er wurde, auch weil er die meisten Stimmen bekommen hatte, zum Ortsbürgermeister gewählt. 2006 wurde er erneut gewählt – und das sogar in Abwesenheit! Auch 2011 wurde er gewählt, obwohl er sich selbst der Stimme enthielt.

Seit nunmehr 25 Jahren zeichnet der heute 57-Jährige als Ortsbürgermeister von Winzlar für den Ortsteil der Stadt Rehburg-Loccum verantwortlich. Gerne erklärte er sich bereit, gemeinsam mit der HARKE auf dieses Vierteljahrhundert zurückzublicken. Und er sagte auch gleich vorweg, worüber er nicht sprechen wollte: über Parteizugehörigkeit. Rüdiger Dreßler ist zwar in der CDU, aber im Ortsrat habe Parteilichkeit aus seiner Sicht nichts verloren. Es geht um die Sache, es geht um Winzlar. Das war auch schon so, als er 1991 den Posten des Brandmeisters für Winzlar innehatte.

Den wichtigsten Leitsatz seines Handelns fand Dreßler bei seiner eigenen Hochzeitsfeier vor vielen Jahren im Rehburger Rathskellersaal. „Fürs Ganze, nicht für Dich tritt ein, so wird des Ortes Wohl gedeihen.“¨– So steht es dort in Holz geschnitzt.

„In den vergangenen Monaten habe ich allerdings mehr und mehr das Gefühl gehabt, dass sich das Komma verschoben hat, und da jetzt steht: Fürs Ganze nicht, für Dich tritt ein ...“, sagt Dreßler und kritisiert damit die teilweise harsche Kritik an Entscheidungen des Stadtrates. Immer öfter werde der eigene Vorteil gesucht und nicht das große Ganze in den Blick genommen. Er denke dabei auch an die Diskussion über die Straßenausbaubeitragssatzung.

Auf einiges blickt Rüdiger Dreßler zurück, was er sich einst vorgenommen hatte und auch umgesetzt werden konnte: So sei in Winzlar viel in den Hochwasserschutz investiert worden. Wurden anfangs Maßnahmen ergriffen, um ein alle 50 Jahre zu erwartendes Hochwasser abfedern zu können, wurde schon bald darauf der Hochwasserschutz für den Ort auf ein alle 100 Jahre auftretendes Ereignis ausgelegt. Und auch, dass die Winzlarer nach wie vor ihr „weiches“ Wasser vom Loccumer Wasserwerk beziehen, sei durchaus bemerkenswert, so der Ortsbürgermeister.

Das neue Feuerwehrgerätehaus hätte er gerne noch eingeweiht

Ein großes Anliegen sei ihm auch immer ein Neubau des Feuerwehrgerätehauses gewesen. Der werde jetzt auf dem Grundstück mit Blick aufs alte Gerätehaus realisiert. „Ich freue mich darüber, dass wir aus Winzlar das mit angeschoben haben.“ Mit der Fertigstellung wird es noch etwas dauern, was für den scheidenden Ortsbürgermeister schade ist.

Denn: „Das neue Feuerwehrgerätehaus hätte ich gerne noch als Ortsbürgermeister offiziell der Feuerwehr übergeben.“ Auch der Straßenausbau sei im Ortsteil Winzlar nicht zuletzt durch die Dorfentwicklungsförderung auf einem guten Level.

Dreßler hofft darauf, dass der nächste Ortsrat die Eigenentwicklung des Ortes auch durch die Ausweisung eines neuen kleinen Baugebietes noch voranbringen kann und dafür auch im Stadtrat die notwendige Unterstützung erhält. Er ist gespannt, wie es mit dem „digitalen Dorf Winzlar“ weitergehe, und auch, ob sich eines Tages noch ein Wohnmobilstellplatz für Winzlar realisieren lasse. Dreßlers Traum von einem B-Platz für Winzlar dürfte hingegen eher ein Wunsch bleiben.

„Du bist doch unser Ortsbürgermeister ...“ – so hätten oft Gespräche bei einem Spaziergang durch Winzlar mit Menschen begonnen, denen er begegnete. Er habe in all den Jahren immer versucht, ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger zu haben.

„Und es geht nicht darum, mir nach dem Mund zu reden. Es geht immer darum, gute und begründete Hinweise zu bekommen.“ Nur so sei ein Perspektivwechsel möglich, der auch zu besseren Ergebnisse führen könne. „Solche Gespräche sind immer wichtig und sie wirken befruchtend.“ In diesem Lichte betrachtet er auch das rege Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den Ortsratssitzungen in Winzlar.

Einen Ausgleich zu seinen beruflichen Aufgaben und seinem ehrenamtlichen Engagement findet Dreßler gemeinsam mit seiner Frau Marion in der Natur, denn beide haben sich der Pferdezucht als Hobby verschrieben.

Dreßler wird bei der Kommunalwahl im September nicht wieder antreten. Sein Wunsch sei immer gewesen, den Posten des Ortsbürgermeisters irgendwann in jüngere Hände zu legen, aber er weiß aus eigener Erfahrung, dass besonders die jüngere Generation beruflich stark gefordert ist.

Der 57-Jährige blickt froh auf dieses Vierteljahrhundert als Ortsbürgermeister zurück – außerdem sei seine Amtszeit noch nicht vorbei. Erst im November werde sich der neue Ortsrat konstituieren. „Und bis dahin erfülle ich meine Aufgabe und mache meine Arbeit als Ortsbürgermeister.“

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Erstellt:
18. August 2021, 20:12 Uhr
Lesedauer:
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