Sarah Peters präsentiert die Ausstellung im Rathaus. Foto: Stadt Nienburg

Sarah Peters präsentiert die Ausstellung im Rathaus. Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 28.11.2020 Von Die Harke

„Sag es, wie es ist“

Ausstellung in digitaler Form und im Rathaus zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen in der vergangenen Woche wurde vielerorts auf ein immer noch bestehendes, schwerwiegendes Problem hingewiesen: Frauen und Mädchen sind weltweit, aber auch in Nienburg, immer wieder Opfer von Gewalt – sowohl körperlich als auch psychisch. Die Zahlen für Deutschland sind erschreckend. So gab es im Jahr 2019 in Deutschland 111 Morde und 192 Mordversuche an Frauen durch (Ex-)Partner.

Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Nienburg hat gemeinsam mit der BISS-Beratungsstelle, der Frauen- und Mädchenberatungsstelle und dem Frauenhaus Nienburg mit einer Traueranzeige auf diese verstorbenen Frauen aufmerksam gemacht und ihnen gedacht.

Die Taten werden noch immer häufig als Beziehungstaten oder tragische Einzelfälle bezeichnet. „Es lässt sich allerdings viel mehr von einer Struktur sprechen. In Südamerika hat sich daher der Begriff Femizid etabliert“, so Sarah Peters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg.

Femizid bezeichnet das von privaten und öffentlichen Akteurinnen und Akteuren begangene Töten oder die tolerierte Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Unter dem Begriff werden alle Formen der Gewalt gegen Frauen gesammelt, welche letztlich zum Tode führen.

Dazu zählen auch Amokläufe oder Terroranschläge. Häufig werden Amokläufe einer einzelnen fehlgeleiteten Person zugeordnet. Einsame Einzeltäter. Terroranschläge werden in der Regel lediglich eindimensional betrachtet: Rassismus, Antisemitismus oder Islamismus. „Es wird wenig Augenmerk auf die Verschränkung von all diesen Dimensionen gelegt“, erklärt Peters weiter. Viel zu häufig weisen die Taten Gemeinsamkeiten auf, die erst nach und nach wissenschaftlich und medial betrachtet werden. Häufig radikalisieren sich die vermeintlichen Einzeltäter im Internet gegenseitig. Frauenhass, Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus bilden die Motive der Täter und die Betroffenen sind überwiegend Frauen.

Die Ausstellung „Sag es, wie es ist – über die Verschränkung von Frauenhass, Rechtsterrorismus und Rassismus“ der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Nienburg, welche im Rahmen des 25. Novembers – dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – entstanden ist, soll auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen. Hier wird veranschaulicht, wie Gewalt gegen Frauen strukturell auf mehreren Ebenen miteinander verwoben ist.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Angebote: Zum einen ist sie digital zugänglich und zum anderen im Rathaus der Stadt Nienburg. Das digitale Angebot ist auf Instagram zu sehen. Seit dem vergangenen Montag bereits werden dort täglich Informationen von Celsy Dehnert zusammengestellt und jeden Tag ein neuer Beitrag erstellt bis die Ausstellung vollständig ist. „Das hat den Vorteil, dass die einzelnen Beiträge durch tiefergehende Informationen ergänzt werden können“, erläutert Peters.

„Um das digitale Angebot jedoch zu ergänzen und es Menschen zugänglich zu machen, die die sozialen Medien nicht nutzen, können Interessierte jederzeit ins Rathaus kommen, um sich die Ausstellung dort anzuschauen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Aufgrund der aktuellen Beschränkungen im Publikumsverkehr ist allerdings eine Anmeldung bei Sarah Peters unter Telefon (0 50 21) 8 73 61 oder per E-Mail an s.peters@nienburg.de. Zudem wird die Ausstellung in Form eines Informationshefts erscheinen und auf der Homepage der Stadt Nienburg zum Download zur Verfügung stehen. Weitere Infos unter www.instagram.com/sag.es.wie.es.ist_ und www.nienburg.de

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Erstellt:
28. November 2020, 16:45 Uhr
Lesedauer:
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