Im Mai 1997 rückte Prof. Dr. Ernst-Rüdiger Look dem Stein mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe. Foto: Archiv

Im Mai 1997 rückte Prof. Dr. Ernst-Rüdiger Look dem Stein mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe. Foto: Archiv

Stöckse 18.02.2021 Von mka, hn

Sage und Wissenschaft zum Giebichenstein

Wie der Findling seinen Weg in die Krähe bei Stöckse fand

Über den Giebichenstein, einen riesigen Findlingsblock in Stöckse, wird schon seit Jahrzehnten in der HARKE berichtet. Der auch als Geweckenstein bekannte Findling ist nicht nur beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt, sondern auch von Sagen umwoben. Ob Sie sich der wissenschaftlichen oder mystischen Erklärung anschließen, bleibt Ihnen überlassen.

Die Wissenschaft

Der tonnenschwere Koloss in der Krähe birgt auch heute noch viele Geheimnisse – angefangen bei dem genauen Gewicht. Laut Wikipedia bringt der Giebichenstein stolze 330 Tonnen auf die Waage, DIE HARKE bezifferte die Last wiederum in einem Artikel von 1997 auf 120 Tonnen.

Ein HARKE-Artikel zum Giebichenstein aus dem Jahr 1937. Foto: Archiv

Ein HARKE-Artikel zum Giebichenstein aus dem Jahr 1937. Foto: Archiv

Der Geologe Dr. Manfred Schliestedt wollte es im Sommer 2011 genau wissen und stellte eine photogrammetrische Vermessung des Kolosses an. Das Ergebnis: „Nach der aktuellen Vermessung hat der Giebichenstein ein oberirdisches Volumen von 70 Kubikmetern.

Rechnet man für den unterirdischen Anteil noch die 30 Zentimeter, die sich aus den Grabungen ergeben haben, hinzu, so ergibt sich ein Gesamtvolumen von 78 Kubikmetern“, so Dr. Schliestedt. Multipliziert mit der Dichte des Gesteins (Granit: 2,65 Tonnen/Kubikmeter), resultiert somit ein Gewicht von 207 Tonnen.

Der Geologe Dr. Manfred Schliestedt wollte es 2011 genau wissen und stellte eine Vermessung des Kolosses an. Foto: Archiv

Der Geologe Dr. Manfred Schliestedt wollte es 2011 genau wissen und stellte eine Vermessung des Kolosses an. Foto: Archiv

Um der Wahrheit über die Herkunft des Steines möglichst nahezukommen, rückte im Mai 1997 Prof. Dr. Ernst-Rüdiger Look aus Hannover dem Stein mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe. Dabei offenbarte der Giebichenstein einen Teil seines wahren Gesichts: Aufgrund der damals erkennbaren Strukturen, Einschnitte und Abbrüche und Schichten stellte Professor Look fest, dass es sich bei dem für Geologen wegen seiner Größe und guten Erhaltung bedeutenden Findling um einen typischen Quarz-Feldspalt-Gneis handelt. Und dieser kam schon zu Urzeiten in Mittelschweden vor.

Der Giebichenstein. Foto: Archiv

Der Giebichenstein. Foto: Archiv

Professor Look bestätigte auf HARKE-Nachfrage 1997: „Mit großer Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass der Giebichenstein – er ist der Rest eines ursprünglich zehnmal größeren Brockens – aus dem mittleren Schweden stammt.“ Der Professor datierte das Alter des Steins auf 1,3 Milliarden Jahre. Möglicherweise kam der Felsbrocken schon bei der Vergletscherung der ersten von drei Eiszeiten vor mehr als einer Million Jahren in diese Gegend. Genau festlegen wollte sich Look, der sich damals beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung der Geschiebeforschung von Eiszeitablagerungen verschrieben hatte, jedoch nicht. Demnach könne der Fels auch erst bei der zweiten Eiszeit vor etwa 400 000 Jahren in die Krähe „geschoben“ worden sein.


Die Sage

Die Sage um den Giebichenstein liest sich allerdings deutlich spannender als jede wissenschaftliche Vermutung, sie lautet: Zu heidnischer Zeit, als es Riesen auf der Erde gab, wohnte auch einer in Linsburg am Grinderwald. Eines Tages kam er auf einer Reise durch Wölpe (heute Erichshagen), wo schon Christen wohnten. Diese wollten aber von dem Heiden nichts wissen und nahmen ihn nicht freundlich auf. Darüber ärgerte der Riese sich. Er ging auf dem sandigen Wege weiter über die Krähe, einem einsamen Heiderücken, auf Linsburg zu.

Der Geologe Dr. Manfred Schliestedt wollte es 2011 genau wissen und stellte eine Vermessung des Kolosses an. Foto: Archiv

Der Geologe Dr. Manfred Schliestedt wollte es 2011 genau wissen und stellte eine Vermessung des Kolosses an. Foto: Archiv

Im Stöckser Moor wurde er durstig und müde, und seine Schuhe waren voller Sand. Aus diesem Grunde setzte er sich an einem Bache nieder, trank und wusch sich und schüttete seine Schuhe aus. Von dem Sand entstand ein ganzer Hügel, der jetzt noch einsam mitten im Moore liegt und ,Hanslohe-Berg“ genannt wird. Nach seiner Heimkehr überlegte der Riese, auf welche Weise er den Wölpern ihre Ungastlichkeit heimzahlen könne.

Jugendliche Saubermänner räumen 1979 am Giebichenstein auf. Foto: Archiv

Jugendliche Saubermänner räumen 1979 am Giebichenstein auf. Foto: Archiv

Er ging auf den höchsten Hügel im Grinderwald bei Linsburg, legte einen gewaltigen Granitblock in seine Schleuder, schwenkte ihn und rief: „Flüg hoch, flüg wiet, flüg aber den Stöckser Diek, flüg an den Wölper Klockthorm.“ Während er diese Worte sprach, schleuderte er den Block durch die Luft, um den Wölper Kirchturm zu zerstören, der ihm schon lange ein Gräuel gewesen war. Doch der Wurf war zu schwach und der Stein gelangte nicht nach Wölpe, sondern fiel schon auf der ,„Krähe“, einem bewaldeten Hügel, nieder. Er ist noch heute zu sehen, wird der ,Geweckenstein“ genannt.

Schon seit Generationen ein beliebtes Ausflugsziel: Der Giebichenstein in Stöckse. Foto: Archiv

Schon seit Generationen ein beliebtes Ausflugsziel: Der Giebichenstein in Stöckse. Foto: Archiv

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18. Februar 2021, 19:55 Uhr
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