Russen bereit zu Feuerpause in Mariupol

Russen bereit zu Feuerpause in Mariupol

Ein Maxar-Satellitenfoto von Manhusch - rund 20 Kilometer westlich von Mariupol - soll ein Massengrab parallel zu einem Straßenverlauf zeigen. Foto: ---/“Satellite image ©2022 Maxar Technologies/dpa

Das russische Militär will nach eigenen Angaben in Mariupol eine Feuerpause ausrufen und einen humanitären Korridor zum umkämpften Stahlwerk Azovstal schaffen - sollten sich die Ukrainer ergeben. Gleichzeitig zeigen Aufnahmen eines mutmaßlichen Massengrabs für Entsetzen.Russland sei bereit, „jederzeit eine Waffenruhe zu verkünden“, um Zivilisten aus der Fabrik zu lassen, aber auch Kämpfer, „wenn sie den Wunsch äußern, ihre Waffen niederzulegen“, sagte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium. Dazu müssten die Ukrainer im Stahlwerk weiße Flaggen hissen.Misinzew widersprach damit der ukrainischen Vizeregierungschefin Iryna Werschtschuk, die den russischen Truppen vorgeworfen hatte, die Flucht von Zivilisten zu behindern. Seit 21. März habe es täglich Feuerpausen für Flüchtlinge gegeben, behauptete der russische Offizier. „Aus Mariupol konnten so 143.631 Zivilisten und 341 Ausländer evakuiert und 1844 ukrainische Wehrdienstleistende sicher herausgeholt werden, die sich ergeben haben.“Massengrab mit Tausenden ZivilistenIn der Nähe der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine sollen Medien zufolge Satellitenbilder auf ein mögliches Massengrab hinweisen.Der US-Satellitenfotodienst Maxar verbreitete Aufnahmen, die mehrere ausgehobene Grabstellen im Vorort Manhusch zeigen sollen. Örtliche Behörden sprechen davon, dass in Manhusch Tausende Zivilisten begraben seien. Die ukrainischen Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte von Zehntausenden Toten in der wochenlang umkämpften Hafenstadt gesprochen. Zu dem jetzt entdeckten, mutmaßlichen Massengrab hat sich Selenskyj bisher nicht öffentlich geäußert. Die Informationen gehen auf den Stadtrat von Mariupol und von Bürgermeister Wadym Bojtschenko zurück, die von Gräbern für bis zu 9000 Leichen sprechen, selbst aber nicht mehr vor Ort sind.„New York Times“: 300 GrabstellenDas Maxar-Satellitenfoto von Manhusch - rund 20 Kilometer westlich von Mariupol - soll ein Massengrab parallel zum Straßenverlauf in der Nähe eines Friedhofs zeigen. Nach einem Bericht der US-Zeitung „The New York Times“, die die Aufnahmen nach eigenen Angaben analysiert hat, gibt es dort etwa 300 ausgehobene Grabstellen. Sie sollen innerhalb von zwei Wochen zwischen März und April angelegt worden sein, wie ein Vergleich der Aufnahmedaten gezeigt habe.London warnt vor hohen Verlusten bei Stahlwerk-SturmUnterdessen warnen britische Geheimdienstexperten, dass russische Truppen bei einem Sturm auf das umzingelte Stahlwerk Azovstal in Mariupol hohe Verluste zu erwarten hätten. Die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, eine Blockade um das Stahlwerk zu errichten, weise auf den Wunsch hin, den ukrainischen Widerstand in Mariupol in Schach zu halten und russische Streitkräfte für den Einsatz in anderen Teilen der östlichen Ukraine verfügbar zu machen, heißt es im täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums.Mariupol war kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges vor zwei Monaten eingekreist worden. Einzig in dem Azovstal-Werk harren noch mehrere Hundert ukrainische Soldaten aus. Bei ihnen sollen nach ukrainischen Angaben zudem noch etwa 1000 Zivilisten sein.Putin hatte die Stadt am Donnerstagmorgen für erobert erklärt. Selenskyj widersprach in einer Videobotschaft: Die Stadt widersetze sich weiter Russland. „Trotz allem, was die Besetzer über sie sagen.“Kiew: Russen verhindern Flucht von Zivilisten aus WerkDie Ukraine wirft russischen Truppen vor, Zivilisten am Verlassen des Stahlwerks zu hindern. „Die Russen fürchten Azovstal zu stürmen, doch dabei lassen sie bewusst und zynisch keine Zivilisten heraus“, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk im Nachrichtenkanal Telegram mit. So solle der Druck auf die verbliebenen ukrainischen Soldaten in dem Werk erhöht werden, sich zu ergeben. Nach Angaben von Wereschtschuk wollen sich die Verteidiger des Werks und Mariupols nicht ergeben.