Eine Weihnachtsgurke, wie sie wohl seltener ausfällt - wenigstens sieht sie frisch aus. Foto: WoGi/AdobeStock

Eine Weihnachtsgurke, wie sie wohl seltener ausfällt - wenigstens sieht sie frisch aus. Foto: WoGi/AdobeStock

Landkreis 20.12.2020 Von Nikias Schmidetzki

Schatz, da hängt Gemüse im Baum!

Ja, es gibt noch Lametta. In allen Farben des Regenbogens und noch mehr. Und natürlich Kugeln für den Weihnachtsbaum – glänzend oder matt. Und diverse Holzanhänger. Dann sind da noch selbstgebastelte Sterne und Häkelkunstwerke, Äpfel, Nussknacker und sogar essbarer Baumschmuck. Selbst Spirituosen, die – als Weihnachtspyramide etwa – an die Zweige gehängt werden können, hat der führende Schnickschnack-Versand aufgelistet. Aber wo bitte bleibt die gute, alte Weihnachtsgurke?

Also, nicht dass wir oder jemand uns nahestehendes so den Baum in der Stube verzieren wollte. Aber es gibt sie ja, diese Traditionalisten, die auf keinen Fall auf das grüne Gemüse im gleichfarbigen Geäst verzichten wollen. Angeblich. Denn der Brauch, eine Gurke im Baum mehr oder weniger zu verstecken, soll urdeutsch sein – schenkt man den US-Amerikaner Glauben. Dort ist es tatsächlich in vielen Familien Brauch, den Baum mit einer Gurke zu schmücken. Die ist in der Regel nicht frisch oder eingelegt, sondern aus Glas. Was es damit auf sich hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Nur, dass die Suche nach dem Gürkchen ein weihnachtlicher Spaß sein soll. Wer den Glasanhänger zuerst entdeckt, erhält eine Belohnung; ein zusätzliches Geschenk oder einfach die Erlaubnis, zuerst auszupacken.

Aber woher kommt der Brauch nun? Einer Legende nach haben Familien in den Anfängen des 20. Jahrhunderts aus Geldmangel nur ein Geschenk gekauft. Das bekam das Kind, das die Gurke entdeckt hat. Eine andere Sage meint, ein im amerikanischen Bürgerkrieg gefangener Soldat soll schwer erkrankt kurz vor dem Tod nach einer sauren Gurke verlangt haben. Nachdem er sie gegessen hatte, soll sich sein Gesundheitszustand rapide verbessert haben. Wieder in Freiheit soll er sich in jedem Jahr eine Gurke an seinen Weihnachtsbaum gehängt haben.

Wo auch immer die Weihnachtsgurke nun ihren Ursprung hat, lassen wir die Amerikaner doch glauben, sie sei unsere Erfindung, auch wenn sie hier recht unbekannt ist. Doch wenn man sucht, bekommt man auch hier gläserne kleine Gurken, um sie an den Baum zu hängen. Oder besser: um sie dort zu verstecken. Vielleicht lässt sich für dieses Spiel aber auch etwas ganz anderes nutzen. Schmuck, den man vielleicht lieber verstecken als zeigen möchte, findet sich möglicherweise ja auch so noch irgendwo. Und wenn nach dem guten Familienerbstück gefragt wird, lässt sich einfach auf das muntere Suchspiel verweisen.

Schöne Weihnachten!

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Erstellt:
20. Dezember 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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