Wie schon in Ferdinand von Schirachs erstem Stück „Terror“ ist der Zuschauer auch in „Gott“ gezwungen, seine moralischen und ethischen Wertvorstellungen zu überprüfen. Neben Klaus Mikoleit spielen unter anderem Ernst Wilhelm Lenik und Wolfgang Seidenberg. Foto: Sun Patrik

Wie schon in Ferdinand von Schirachs erstem Stück „Terror“ ist der Zuschauer auch in „Gott“ gezwungen, seine moralischen und ethischen Wertvorstellungen zu überprüfen. Neben Klaus Mikoleit spielen unter anderem Ernst Wilhelm Lenik und Wolfgang Seidenberg. Foto: Sun Patrik

Nienburg 17.08.2020 Von Die Harke

Schauspiel über Sterbehilfe

„Gott“ von Ferdinand von Schirach“ wird am 27. Oktober im Nienburger Theater gespielt

Das prominent besetzte Schauspiel „Gott“, das am Dienstag, 27. Oktober, um 20 Uhr im Nienburger Theater auf dem Hornwerk gespielt wird, regt die Zuschauer dazu an, ihre Meinung zum Thema Sterbehilfe zu überdenken.

Nach „Terror“ kommt mit „Gott“ nun Ferdinand von Schirachs zweites Theaterstück auf die Bühne. Darin widmet er sich erneut einem Thema von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz. „Gott“ stellt Fragen, die die menschliche Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung betreffen.

Fragen, die im Spannungsfeld von Moral, Christentum und Politik seit Jahren unterschiedlich und leidenschaftlich diskutiert werden. Wie schon in „Terror“ muss der Zuschauer seine moralischen und ethischen Wertvorstellungen im Hinblick auf die im Grundgesetz garantierte Würde des Menschen und die moralische Verantwortung jedes einzelnen für jeden einzelnen überprüfen.

Unser Tod soll nicht erschrecken, er soll andere nicht behelligen, er soll selbstbestimmt und friedlich sein. Können wir diese Entscheidung für uns treffen und auf Beistand hoffen? Also: Wahltod statt Qualtod? Nach geltendem deutschem Recht ist dies nicht möglich.

Paragraf 217 des Strafgesetzbuches in der Fassung vom Dezember 2015 verbietet die „geschäftsmäßige Förderung“ von Suizid. Dagegen haben Ärzte, Privatpersonen, Sterbebegleiter, Sterbeorganisationen, Pfleger und Rechtsanwälte Verfassungsbeschwerde eingelegt. Das Verbot – so die Beschwerdeführer – verletze ihre Grundrechte.

Denn wenn der Staat Sterbehilfe verbiete, so verwehre er das Recht auf selbst bestimmtes Sterben. Am 26. Februar 2020 hat das Verfassungsgericht dieses Verbot nun für verfassungswidrig erklärt. Doch was bedeutet das für unsere Zukunft? Wie wird der Gesetzgeber handeln, um die Suizidhilfe mit Erlaubnisvorbehalten, Aufklärungs- und Wartepflichten etc. zu regulieren? Und: Ist das Ganze überhaupt wünschenswert, ethisch vertretbar und zukunftsweisend — oder treten wir damit eine Lawine los, deren Ausmaße wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehen können?

Karten sind erhältlich per Telefon (0 50 21) 8 73 56, Fax (0 50 21) 87 5 83 56, per E-Mail an theaterkasse@nienburg.de, im Internet unter www.theater-nienburg.de sowie nach Terminabsprache persönlich in der Theaterkasse im Stadtkontor. Das Nienburger Theater macht darauf aufmerksam, dass in Corona-Zeiten einzelne Termine, Anfangszeiten, Reservierungen und Platzkarten vorbehaltlich der dynamischen Entwicklung und der rechtlichen Bestimmungen geändert werden könnten. Änderungen werden rechtzeitig und individuell mitgeteilt.

Zum Artikel

Erstellt:
17. August 2020, 18:12 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.