Timo Schwiersch DH

Timo Schwiersch DH

#tgif 07.04.2017 Von Timo Schwiersch

„Scheiße“ sagt man nicht

Wir alle fluchen. Ständig. Täglich. Wenn uns jemand die Vorfahrt nimmt. Wenn wir beim Frühstück die Milch verschütten. Oder wenn wir mal wieder mit dem kleinen Zeh am Türrahmen hängen bleiben. Fluchen ist etwas ganz Natürliches. Erst kürzlich sah ich ein Video einer in Deutschland lebenden Britin, die uns Deutsche sogar dazu ermuntert, mehr zu Fluchen.

Doch in meinem Bekanntenkreis gibt es gleich mehrere Eltern, die teils peinlich genau darauf achten, dass ihre Kinder keine „bösen Worte“ in den Mund nehmen. Darunter auch mein Bruder Stefan, 51777, dieses Wort aber dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) seinen ganz eigenen Reiz hat.

Auch folgende Situation habe ich schon mehrfach erlebt: eines unserer Kinder hat Spielbesuch von einer Freundin, bei der daheim peinlichst genau darauf geachtet wird, das Wort „Scheiße“ durch ein weniger schlimmes Äquivalent auszutauschen. Das Ergebnis: kaum ist die Mutter außer Hörweite, holt das Kind alles nach, was ihm sonst verwehrt wird: „Scheiße, scheiße, scheiße!“

Dass es auch anders geht, sehe ich bei uns zu Hause. Ich bin selbst Vater von zwei Mädels. Und meine Frau Ines und ich haben unseren Kindern das Fluchen nie verboten. Das heißt allerdings nicht, dass bei uns den ganzen Tag geflucht wird – ganz im Gegenteil. Vielleicht gerade weil wir es nie verboten haben, hat Fluchen nie den Reiz entwickelt, den wir bei Kindern beobachten, die es eigentlich nicht dürfen. Das Wort „Scheiße“ fällt bei uns jedenfalls ausgesprochen selten. Und auch sonst geht es – was die Wortwahl angeht – eigentlich sehr gesittet zu.

Bleibt die Frage zurück: was gehört heutzutage eigentlich zu einer guten Erziehung? Muss man in einer Welt, in der Worte wie „Scheiß“ oder „Fuck“ schon so tief in unseren täglichen Sprachgebrauch integriert sind, dass selbst die Musik-Charts keinen Bogen mehr darum machen, tatsächlich noch darauf achten, dass die Kinder genau diese Worte eben nicht benutzen? Und falls ja: Wie lange will man das überhaupt durchhalten?

Wie wird das bei euch zu Hause gehandhabt? Gibt es bei euch ein „Fluch-Verbot“? Wie schwer fällt es euch, selbst nicht zu fluchen? Oder setzt ihr wie meine Frau und ich auch auf das Prinzip: Erklären statt verbieten? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt es in die Kommentare. Aber bitte ganz gesittet. Wir müssen schließlich auf den guten Ton achten. :)

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Erstellt:
7. April 2017, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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