Die HARKE-Redaktion wünscht einen guten Tag!

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Nienburg 16.02.2020 Von Edda Hagebölling

Schläge statt Blumen

Petra Bauer, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Nienburg, hat den Valentinstag zum Anlass genommen, ihre Gedanken zur aktuellen Situation der Frau zusammenzustellen. DIE HARKE am Sonntag gibt diese gerne an ihre Leserinnen und Leser weiter. Petra Bauer schreibt:

Fast jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet; jede vierte Frau wird mindestens einmal im Leben Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt, und es gibt etwa 600 versuchte Tötungen von Frauen und Mädchen pro Jahr.

„Schläge statt Blumen, Mord statt Pralinen“ – dieser Titel regt zum Nachdenken an. Weltweit beteiligen sich am Valentinstag eine Milliarde Frauen an der Aktion „One Billion Rising“. In mehr als 130 deutschen Städten, unter anderem Hannover, fordern Frauen ein Ende von Männergewalt. 2018 wurden insgesamt 140.755 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Davon waren 114.393 Opfer weiblich, 122 Frauen wurden getötet.

Die Täter sind zumeist Männer, häufig Ehemänner, Partner, Ex-Partner oder Freunde. Frauen werden misshandelt oder ermordet, weil sie Frauen sind, und weil Männer glauben, dass sie das Recht dazu haben.

Sie werden misshandelt oder ermordet, weil Männer ihren Frust, Hass und Wut an Frauen und Mädchen auslassen oder ihre Macht demonstrieren wollen. Das gilt für Männer aus allen Schichten und jeglicher Herkunft.

In den Medien werden solche Taten Beziehungstaten genannt. Wer die Ermordung von Frauen als Beziehungstat, Familientragödie, Eifersuchtsdrama oder Ehrenmord bezeichnet, verharmlost die Morde und trägt dazu bei, den Grund für die Ermordung der Beziehung, der Familie oder der Herkunft zuzuschreiben und damit quasi zu entschuldigen.

Morde an Frauen werden mehrheitlich als Totschlag eingestuft, also einer Tat aus niederen Beweggründen. Der Mord an Frauen muss als das bezeichnet werden, was er ist: ein Femizid. Unter Femizid versteht man die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts.

Das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen wird trotz der erschreckend hohen Zahl von Politik und Gesellschaft zu wenig ernst genommen oder verharmlost.

Deshalb fordern auch die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten ein angemessenes strafrechtliches Vorgehen gegen Femizide und eine verbesserte bundesweite Erhebung von Daten zu Gewalt an Frauen, um das Ausmaß von häuslicher Gewalt deutlich zu machen.

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Erstellt:
16. Februar 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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