Heemsens Schulleiterin Mareike Apholz (2. von rechts) mit den FSJlern Louis Loots, Jacqueline Scholenberger und Tabea Buschmann (von links). Foto: Schmidetzki

Heemsens Schulleiterin Mareike Apholz (2. von rechts) mit den FSJlern Louis Loots, Jacqueline Scholenberger und Tabea Buschmann (von links). Foto: Schmidetzki

Hassbergen, Heemsen 23.01.2021 Von Nikias Schmidetzki

Schulalltag auf der anderen Seite

FSJler unterstützen Lehrkräfte und sammeln Erfahrungen fürs spätere Berufsleben – auch für andere Jobs

Es ist schon ein besonders Schuljahr für Tabea Buschmann, Jacqueline Scholenberger und Louis Loots. Nicht nur aufgrund der vielen Einschränkungen, die überall herrschten – auch mit Blick auf Schule und Betreuungsmöglichkeiten. Vielmehr sind die drei jungen Erwachsenen keine Schüler, sondern erleben den Grundschulalltag aus der Sicht von Mitarbeitenden. Sie unterstützen Lehrkräfte während eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ).

Für Schulen, hier konkret die Grundschulen in Haßbergen und Heemsen, sind FSJler in der Regel ein Gewinn, weil sie Aufgaben wahrnehmen können, für die Lehrerinnen und Lehrern oft die Zeit fehlt. Die jungen Menschen selbst profitieren meist durch neue Erfahrungen und ganz praktischen Umgang mit Kindern, aber auch im organisatorischen Bereich.

Seit 2016 helfen FSJler an der Grundschule Haßbergen. Leiterin Birgit Rokitta hält große Stücke auf diese Art der Mitarbeit – für beide Seiten. „Drei unserer ehemaligen FSJler studieren jetzt auf Lehramt“, weiß sie. In diese Richtung müsse es aber beruflich später nicht gehen. Obwohl sie auch dem aktuellen Kandidaten Louis Loots bescheinigt, er sei geeignet als Lehrer, hat er andere Pläne – aber auch nicht komplett. Er wolle soziale Arbeit studieren oder Erzieher werden. „Spannend war, mal den Unterricht von der anderen Seite zu sehen und auch zu erleben, was sich seit der eigenen Grundschulzeit verändert hat“, sagt Loots.

Genau die Tatsache, dass diese Zeit aber noch nicht so lange her ist wie bei den Lehrkräften helfe oft dabei, schnell Kontakt zu den Kindern zu finden, meint Heemsens Schulleiterin Mareike Apholz: „Die sind noch mehr auf Augenhöhe, noch nicht so weit weg.“ Bei ihr leisten gerade Buschmann und Scholenberger ihr FSJ. Und die Chefin ist voll des Lobes für das Engagement der beiden jungen Frauen.

Sie könnten ihre jeweiligen Interessen einbringen, besonders im Bereich der Betreuung nach Schulschluss sei da viel möglich. Aber auch im Unterricht nutzen sie verschiedene Möglichkeiten, um den Lehrkräften zuzuarbeiten und sie zu entlasten.

Es sind aber auch ganz praktische und zum Teil logistische Aufgaben, die FSJler erfüllen können. So treffen sie mitunter schon Vorbereitungen für den Tag und koordinieren Abläufe. „Das sind unterstützende, für uns aber auch qualitätssteigernde Maßnahmen“, fasst Apholz zusammen. Dabei weiß sie auch, dass der Start für die jungen Menschen, die bis dahin meist nur zur Schule gegangen sind, nicht immer ganz einfach ist: „Das ist schon eine Herausforderung, direkt in den Beruf zu starten.“ Entsprechend wünscht sie sich, dass es gut weitergeht für ihre Schützlinge.

In jedem Fall werden sie aus einem großen Fundus an Erfahrungen schöpfen können, wenn sie im Sommer ihren Dienst beenden. Und manchmal hat sich so manche Ansicht sogar ganz geändert. „Ich bin als Kind nicht gerne in die Schule gegangen“, sagt Tabea Buschmann. Nun sei sie ganz begeistert von der Arbeit dort. Sie bekomme viel Hilfe. Ob sie in dem Bereich bleibt, ist dennoch unklar. Sie könne sich gut einen kreativen Beruf vorstellen, Schneiderin etwa – aber durchaus auch den der Erzieherin.

Ihre Kollegin Jacqueline Scholenberger bezeichnet die Arbeit mit den Kindern als „ganz tolle Erfahrung. Auch sie schließt neben ihrem Wunschjob im Büro die Arbeit in diesem Bereich nun nicht mehr aus. „Ich glaube, es lohnt sich auf jeden Fall“, meint sie mit Blick auf die Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres. An den Herausforderungen könne man wachsen, sagt Buschmann. Und selbst wenn hinterher die Erkenntnis stehen sollte, dass Schule oder Soziales nicht das gewünschte Berufsfeld sein: „Es ist auch ein Fortschritt, wenn man weiß, dass man in dieser Schiene nicht weiterarbeiten möchte.“

Die Bewerbungen nehmen die Schulen an, sie führen auch die Auswahlgespräche. Eingestellt werden die FSJler über externe Träger, in den Fällen der beiden Grundschulen über das Rote Kreuz. Die Einrichtung begleitet die FSJler auch und bietet Seminare an – im vergangenen Jahr allerdings nicht in Präsenzform, sondern online.

„Man sollte ausdauernd sein und die Ruhe bewahren können mit den Kindern“, sagt Louis Loots zu den Voraussetzungen. Abitur ist nicht notwendig. Gerade im vergangenen Jahr hatte es schließlich gar keinen Abi-Jahrgang gegeben. Mareike Apholz ist aber auch mit den beiden OBS-Abgängerinnen zufrieden. „Die sind sehr zuverlässig“, sagt sie. Und das sei eine der wichtigsten Voraussetzungen. Außerdem sollten Bewerberinnen und Bewerber teamfähig sein, selbstständig und möglichst auch über Durchsetzungsvermögen verfügen.


Wer Interesse an einem FSJ in Haßbergen hat, sollte sich melden unter Telefon (05024) 444 oder per E-Mail an gshassbergen@gmx.de. Bei der Grundschule Heemsen ist es Telefon (05024)880080 oder schulleiterin.apholz@gs-heemsen.de per E-Mail.

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Erstellt:
23. Januar 2021, 17:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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