Schulbank gegen Tag im Betrieb tauschen

Schulbank gegen Tag im Betrieb tauschen

In diesem Jahr wird es an der Oberschule Hoya einen Sozialen Tag geben. Achtermann

Die Organisation „Schüler Helfen Leben“ wurde 1992 von Schülerinnen und Schülern zur Zeit des Jugoslawienkrieges gegründet. „Wir leisten Jugend- und Bildungsarbeit in Südosteuropa, Syrien und Jordanien, um die Integration und das Engagement von Jugendlichen zu fördern“. Katarina Troyrlic (20 Jahre/Regionalkoordination) und Ernik Basakic (19 Jahre/Jugendpartizipation und Empowernment) machen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Organisation „Schüler Helfen Leben“ (SHL) in Neumünster. In der vergangenen Woche waren sie zu Gast in der [DATENBANK=169]Oberschule Hoya[/DATENBANK] und informierten über den „Sozialen Tag“, der am 26. Juni 2018 bundesweit durchgeführt wird.

Schülerinnen und Schüler tauschen an diesem Tag die Schulbank gegen eine bezahlte Arbeit. „Die Teilnahme ist freiwillig. Schüler suchen sich selbstständig eine Arbeit, die mit einem Arbeitsvertrag vereinbart wird, in dem der Betrieb oder der Arbeitgebende – es kann auch Rasenmähen beim Nachbarn sein – den Lohn direkt an SHL überweist“, erläutert Beratungslehrerin Petra Landes. Die Pädagogin freut sich, dass das „Soziale Mobil“ in diesem Jahr wieder nach Hoya kommt. Die Schule habe schon häufiger durch ihre Initiative an dem Sozialen Tag teilgenommen, erinnert Lehrerin Landes.

„Schüler Helfen Leben“ sei keine klassische Hilfsorganisation, vielmehr unterstütze sie Jugendliche in deren Engagement. „Sie gibt Jugendliche eine Stimme, wo sie keine haben“, betonen die SHL- Vertreter in der Aula der Oberschule vor den Jahrgänge fünf bis neun. Als Beispiel: Es gibt zwei Schulen in einem Gebäude, in dem die Ethnien (Bevölkerungsgruppen) getrennt werden. Kinder dürfen nicht gemeinsam spielen und unterrichtet werden. Katarina und Ermin sind Betroffene. Sie litten unter dieser Trennung in ihrer Heimat Bosnien, SHL gibt ihnen eine neue Chance. Sie leben seit sechs Monaten in Deutschland und haben Deutsch überwiegend über das Fernsehen gelernt.

„Diese Info-Veranstaltung machen sie erst zum zweiten Mal“, berichtet Petra Landes. Der Soziale Tag fährt im Jahr etwa 1,3 Millionen Euro an Spendengeldern ein. Im bundesweiten Schnitt verdient bei dieser Aktion ein Schüler rund 20 bis 30 Euro pro Tag. Es gebe für die Schüler aber auch die Chance, an diesem Tag ein Praktikum zu machen.

Wie läuft dieser Tag ab? Die Arbeitsvereinbarung muss von der Schülerschaft und dem Arbeitgeber ausgefüllt werden. Damit ist der Schüler voll pflichtversichert. Von der Schule wird er an diesem Tag freigestellt.

Die Organisation SHL möchte mit Schülerinnen und Schülern aus Deutschland und Bosnien/Herzegowina einen Schüleraustausch organisieren und damit ein Zeichen setzen. „Wir wollen Spaß haben und das Zusammenleben fördern“, berichtet Ermin Basaskic unter dem Applaus der Fünft- bis Neuntklässler.

Die Politik sei in den Ländern Bosnien, Serbien und Kroatien sehr geteilt, die Jugendarbeitslosigkeit betrage teilweise bis zu 60 Prozent. Viele Jugendliche arbeiten im Ausland. Projekte in Jordanien werden unterstützt, so sei das Flüchtlingscamp dort schon als viertgrößte Stadt in Jordanien angewachsen, die Menschen wohnen in Zelten. Sie brauchen eine psychosoziale Unterstützung, erzählen Ermin Basaskic und Katarina Troyrlic.

Petra Landes zeigt sich beeindruckt vom Vortrag und bedankt sich. Die Schule sei bereit und wolle den sozialen Tag durchführen. In einem gemeinsamen Workshop sprechen sich die Schulleitung, die Lehrerschaft, die Schülerschaft und die Elternschaft für eine positive Begleitung und Teilnahme der Schüler aus.