Der Vorstand des Realverbandes Strohfelder mit Heinrich Böckmann jr., Jutta Speckgeter, Jürgen Wahlert und Carsten Immoor (von links).  Achtermann

Der Vorstand des Realverbandes Strohfelder mit Heinrich Böckmann jr., Jutta Speckgeter, Jürgen Wahlert und Carsten Immoor (von links). Achtermann

Schweringen 03.11.2018 Von Horst Achtermann

Schweine kosteten 2, Fußgänger 5 Pfennig

Ein kleiner Rückblick auf die Geschichte der Schweringer Fähre

„Seit 400 Jahren meistern Bauern die nasse Grenze zwischen ihren Feldern“. Dieser Kernsatz steht am Anfang eines Rückblickes aus dem Jahr 1999 auf die Geschichte der Fähre Schweringen. Im Folgenden lesen Sie die Wandlungen und Entwicklungen von der ersten dokumentierten Flussüberfahrt aus dem späten 16. Jahrhundert bis heute.

Im Februar 1582 starb Otto VIII von Hoya als letzter männlicher Erbe der in Hoya ansässigen Grafenlinie. Die übergeordneten Herzöge teilten sich die Macht über die Grafschaft und ließen von ihren Beamten in den Städten und Dörfern eine genaue „Abgabeninventur“ erstellen. Die Bürger Schweringens und ihre Besitzungen sind im „Hoyaer Amtslagerbuch“ zu finden.

In der Beschreibung der Gebäude steht beim Haus No. 38 (Amtsbrinksitzer) folgende Eintragung: „Ditrich Schumacher, wonet auf der gemeinheit. Ist ein Lemhaus. Dienet auch Zur flöten über der Weser“. Dieses Dokument stellt demnach die älteste urkundliche Erwähnung eines Fährhauses in Schweringen und einer Flöte (gebräuchliche damalige Schreibweise für einen Fährkahn) über die Weser dar. „Für das Übersetzen wurden 1717 für Fußgänger 5 Pfg, Großvieh 5 Pfg, Schweine Schafe 2 Pfg und Reiter mit Pferd 15 Pfg genommen“. Heinrich Böckmann jr. hat diese Preise herausgefunden.

Im Jahr 1850 wurde der Realverband Strohfelder gegründet, zunächst zuständig für Deiche und Uferstreifen. DIE HARKE am Sonntag sprach mit Heinrich Böckmann jr. in der vergangenen Woche bei der Übertragung des Fährbetriebes vom Realverband Strohfelder an den gemeinnützigen Traditionsverein Schweringer Fähre (DIE HARKE berichtete).

Im Jahr 1973 beendete der letzte hauptamtliche Fährmann Heinrich Schniedewind seinen Dienst. Im gleichen Jahr übernahm der Realverband Strohfelder zusätzlich den Fährbetrieb.

Jürgen Wahlert (1. Vorsitzender) Heinrich Böckmann jr. (2. Vorsitzender) Jutta Speckgeter (Kasse) und Carsten Immoor (Schriftführer) bilden den derzeitigen Vorstand im Realverband Strohfelder.

Der Realverband Strohfelder ist weiterhin Eigentümer der Fähre. „Mitglieder sind Flächeneigentümer der Fluren neun und zwölf auf der anderen Weserseite“, erzählt Heinrich Böckmann. 30 Mitglieder zählt der Realverband, aber nicht alle sind noch Landwirte.

268 Hektar werden auf der anderen Seite der Weser bearbeitet. Dazu kommen 8,5 Hektar Deichweiden und die Fähranlage von der Ziegelei bis zum Kieswerk.

Das Jahr 1999 war eine Wende für die letzte schwimmende Brücke der Mittelweser, die Schweringer Fährbauern erhalten im Dezember eine neue Fähre. „Mit viel Eigenarbeit an den Rampen und der Hochseilführung hatten wir dann eine Fähre, die mit viel technischen Fortschritt ausgestattet war“, erinnert sich Heinrich Böckmann jr.

Bis zur Jahrtausendwende wurde die Fähre fast nur von Landwirten zur Bewirtschaftung ihrer Flächen benutzt. Danach entwickelte sich zunehmend der Fahrrad-Tourismus in der Region. „Von fast null Fahrrädern damals sind es heute etwa 8 500 die jährlich mit der Fähre übersetzen“, registriert der zweite Vorsitzende im Realverband.

Insgesamt ist die Freude und Zuversicht im Vorstand des Realverbandes Strohfelder groß.

„Für die Zukunft ist der Fährbetrieb mit dem „Traditionsverein Schweringer Fähre“ unter der fachkundigen Führung von Michael Schwessinger sehr gut aufgestellt“, sagt Heinrich Böckmann, im Namen des Vorstandes.

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Erstellt:
3. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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