Seit über 30 Jahren sitzt der im Mordfall angeklagte Stöckser im Gefängnis - und das wegen eines anderen Mordes. Nun muss er sich auch im Fall des getöteten Wilhelm Rettberg verantworten. Bruns

Seit über 30 Jahren sitzt der im Mordfall angeklagte Stöckser im Gefängnis - und das wegen eines anderen Mordes. Nun muss er sich auch im Fall des getöteten Wilhelm Rettberg verantworten. Bruns

Verden 21.06.2019 Von Wiebke Bruns

Schwester sagt aus: Rettberg war armer Mann

Angler sollte am Abend der Tat zu einer Geburtstagsfeier

80069 Anders verhält es sich bei der Schwester des im Juli 1984 getöteten Wilhlem Rettberg. Der heute 82-jährigen Frau wurde mit dieser Tat der ältere Bruder genommen.

Der 55 Jahre alte Angeklagte, der in dem Prozess schweigt und wegen eines anderen Mordes bereits seit 30 Jahren im Gefängnis sitzt, sei ihr völlig unbekannt, erklärte die Zeugin. Um an Geld zu gelangen, weil er noch in die Disco wollte, soll der aus Stöckse stammende Angeklagte den Mord begangen haben. Eigentumsdelikte waren ihm nicht fremd.

Getöteter Angler war zum Tatzeitpunkt arbeitslos

Doch Wilhelm Rettberg war kein reicher Mann. „Er hat nicht übermäßig viel gehabt. Er war Hilfsarbeiter“, berichtete seine Schwester. Zum Zeitpunkt der Tat war er arbeitslos. „Da hat er „Stempelgeld“ bekommen“, berichtete die Zeugin aus Leeseringen (Anm. d. Red.: Stempelgeld veraltet für Arbeitslosengeld).

Am Morgen des 4. Juli 1984 wurde Wilhlem Rettberg tot am Ufer der Weser gefunden. Wann sie ihn zuletzt gesehen habe, wollte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk von der Zeugin wissen. „Ich würde sagen, zwei Tage vorher. Er wohnte bei unserer Mutter, aber er war viel bei uns.“ So hatte sie es auch vor 35 Jahren ausgesagt. Am 2. Juli gegen 12.30 Uhr sei er zuletzt bei ihr gewesen. „Er kam oft zu uns, um sich Bleie für das Angeln zu holen“, protokollierten die Beamten damals. Angeln sei sein großes Hobby gewesen, berichtete die Schwester in dem Prozess.

Bei der Tat sollen zwischen 300 und 400 Euro geraubt worden sein. Konkret ließ sich dies mit Hilfe der Schwester nicht feststellen. Die geraubte Taschenuhr sei nicht wertvoll gewesen, so die Schwester. „Die hatte er auf einer Butterfahrt gekauft.“

Rettberg musste an diesem Abend zu einer Geburtstagsfeier

Feinde habe ihr Bruder keine gehabt. „Er war ein ganz ruhiger Typ“, notierten die Beamten damals. „Ja, das stimmt“, merkte die Schwester nun an. Zum Zeitpunkt der Tat hätte man ihn zu einer Geburtstagsfeier erwartet. Bekannte hätten damals schon angerufen gehabt, weil sein Fahrrad am Weserwall gesehen worden war.

Der damalige Obduktionsbericht wurde im Anschluss an die Zeugenaussage verlesen. „Schwerste mehrfache Gewalteinwirkungen“ hatte der Rechtsmediziner damals festgestellt. Nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das Opfer mit Schnappatmung ins Wasser abgelegt worden sei. Vermutlich nach Mitternacht sei der Tod eingetreten.

Andere Zeugen können sich nicht mehr so gut erinnern wie die Schwester. Die Tochter des Wirts, bei dem der Angeklagte die Stunden vor der Tat verbracht haben soll, gab an, sich an nichts erinnern zu können. Und auch ein pensionierter Hauptkommissar konnte dem Gericht in diesem Fall nicht weiterhelfen. Dafür aber vielen anderen Opfern: Er leitete rund 30 Jahre die Außenstelle des Weißen Rings in Nienburg.

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21. Juni 2019, 13:43 Uhr
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