Wilhelm Bauhus besucht seine Frau Erika – das Ehepaar beging kürzlich seinen Hochzeitstag. Foto: Mein Zuhause Nienburg

Wilhelm Bauhus besucht seine Frau Erika – das Ehepaar beging kürzlich seinen Hochzeitstag. Foto: Mein Zuhause Nienburg

Nienburg 25.06.2020 Von Manon Garms

Schwieriger Spagat für Seniorenheime

In der Corona-Pandemie gilt es, ältere Menschen zu schützen – ohne sie komplett zu isolieren

Während des Lockdowns haben viele Menschen unter sozialer Isolation gelitten – ganz besonders aber die Bewohner von Seniorenheimen. Das Besuchsverbot für Pflegeheime ist inzwischen gelockert worden.

DIE HARKE hat in Nienburger Seniorenheimen gefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen – vor dem Hintergrund, dass einerseits eine weitere Isolation der älteren Menschen nicht zumutbar ist und andererseits alles dafür getan werden muss, damit es zu keinem Corona-Ausbruch in den Einrichtungen kommt.

„Mein Zuhause Nienburg“

Karin Bach, Leiterin der Senioreneinrichtung „Mein Zuhause Nienburg“, schreibt: „Seit dem 25. Mai setzen wir unser Besuchs-und Hygienekonzept in der Einrichtung um. Den Bewohnern war es von dem Zeitpunkt an möglich, Besuche von einer Person, jedoch zeitlich begrenzt, bei uns im Garten zu empfangen.

Dieses Besuchskonzept wurde nur zwei Wochen so praktiziert, da dann neue Lockerungen kamen. Vom 8. bis 12. Juni haben wir die Zeit benötigt, um unser Hygiene-und Besuchskonzept den neusten Lockerungen anzupassen. Warum dauert das so lange?

Mit der Anpassung des Konzeptes ist der Arbeitsaufwand nicht erledigt. Es müssen Checklisten angepasst werden, Schreiben an die Angehörigen und Betreuer verfasst werden; Mitarbeiterschulungen und Unterweisungen müssen stattfinden, und die Bewohner müssen in Einzelunterweisungen zu dem Thema Hygiene und Abstand aufgesucht werden und dann ein entsprechendes Formular unterzeichnen. Diese Formulare müssen auch zuvor erstellt werden. Dazu kommt noch, dass die Personaleinsatzplanung angepasst werden muss, denn es muss jeweils ein Mitarbeiter abgestellt werden, der sich nur um die Türöffnung, die Dokumentation und die Unterweisung der Besucher und Bewohner an der Tür kümmert.

Nach den neuesten Richtlinien ist es den Bewohnern gestattet, regelmäßig und ohne zeitliche Begrenzung Besuch von unterschiedlichen Personen zu erhalten – jedoch nicht zeitgleich. Jede Einrichtung muss für sich individuell entscheiden, welche Maßnahmen möglich sind. In unserer Einrichtung haben wir entschieden, dass wir den Bewohnern und ihren Besuchern die Möglichkeit zu Besuchen in den Zimmern geben.

Dafür gelten folgende Regeln: Weiterhin müssen sich Besucher bei uns telefonisch oder per Mail in der Zeit von 8.30 bis 12 Uhr anmelden. Sie werden in einem Terminkalender erfasst und an die nötigen Schnittstellen weitergeleitet. Jeder Besucher muss eine Händedesinfektion durchführen, den Mund-Nasen-Schutz tragen, den Besucherfragebogen ausfüllen, die Unterweisungen quittieren und die Abstandsregeln einhalten.

Seit dem 15. Juni ist unseren Bewohnern unter bestimmten Hygienevorschriften der Aufenthalt außerhalb der Einrichtung gestattet. Die Fußpflege ist seit Anfang Juni in der Einrichtung, hier müssen die Hygienevorschriften auch streng eingehalten werden. Der Friseur wird erst Ende Juni wieder seinen Dienst beginnen. Unsere Prioritäten lagen bei medizinischen und pflegerischen Notwendigkeiten. Zuerst durften die Therapeuten wieder in die Einrichtung, dann die Fußpflege und ganz zum Schluss der Friseur.

Aus Sicht der Bewohner und der Angehörigen kann ich mir vorstellen, dass die Zeit der sozialen Isolation sehr schwierig und ermüdend war. Wir von unserer Einrichtung – ich denke aber auch, dass es anderen Einrichtungen genauso gegangen ist – sind durch Corona auf eine harte Probe gestellt worden. Wir haben unser Bestes gegeben, allem gerecht zu werden, jeden Erlass in der Einrichtung anzuwenden und trotzdem keine vollständige Isolation zu erzeugen.

Von unserer Seite können wir uns bei den Angehörigen und Außenstehenden nur bedanken, die uns so viel Wertschätzung und Unterstützung entgegengebracht haben.

Jedoch muss auch erwähnt werden, dass wir leider in den vergangenen Wochen auch vereinzelte negative Erfahrungen machen mussten. Je länger die Kontaktsperre und das Besuchsverbot für Pflegeeinrichtungen galten, desto mehr kippte die Stimmung von einigen Angehörigen.

Es gibt und gab auch Angehörige (wir sind froh, dass es nur eine Minderheit ist), die uns Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen und auch Aggressionen entgegengebracht haben. Und das hat uns wirklich sehr, sehr traurig gemacht. Denn kein Mitarbeiter hat es verdient, so behandelt zu werden. So eine Situation wie jetzt gab es noch nicht, es gab kein Schema F, was jeder Mitarbeiter durchführen konnte. Es war und ist ein unsicherer Weg, ein Herantasten an jede einzelne Lockerung. Deshalb finden wir es sehr unverständlich, dass es dann trotzdem Außenstehende gibt, die jede Mühe und Anstrengung zunichtemachen“, schreibt Bach.

„Seniorendomizil im Meerbachbogen“

Jörg Köster-Twachtmann, Leiter des „Seniorendomizils im Meerbachbogen“, schreibt: „Grundsätzlich richten wir uns nach den Regelungen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums in einem genehmigten Hygienekonzept durch das Gesundheitsamt des Landkreises Nienburg. Der Besuch von Angehörigen ist täglich nach vorheriger Terminabsprache und Terminbestätigung möglich.

Bis einschließlich 21. Juni bestimmte unser Konzept eine Regelung, laut der eine benannte Person für zehn Minuten einmal die Woche ihren oder ihre Angehörigen besuchen kann. Ab dem 22. Juni ist hier geregelt, dass eine wechselnde Person täglich für 30 Minuten von 9 bis 11 Uhr oder von 15 bis 17 Uhr einen angemeldeten Besuch durchführen kann. Der Besuch beschränkt sich auf eine Person. Bei hilfebedürftigen Besuchern kann auch eine Begleitperson zusätzlich anwesend sein. Der Besuch muss telefonisch angemeldet und durch die Einrichtung bestätigt werden. Die maximale Besuchszeit liegt bei 30 Minuten. Ansonsten gelten die zurzeit gültigen Hygiene- und Abstandsregeln.

Die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtung sind alle dement. Es gibt davon ein, zwei Ausnahmen – diese Personen dürfen die Einrichtung jederzeit verlassen. Fußpflege, Podologie, Friseur und Logopädie sind im Haus tätig und führen ihre Dienstleistung nach den für diese Gruppe geltenden Hygieneregeln und Bestimmungen des Hygieneschutzgesetzes innerhalb der Einrichtung durch.

Ich möchte hier an dieser Stelle auch mal zu bedenken geben, dass die Einrichtungen in der Kette von gesetzlichen Regelungen und örtlichen Bestimmungen das allerletzte Glied sind. Sie sind es, die einen Spagat hinbekommen müssen, dass auf der einen Seite die gefährdetsten Menschen geschützt werden und auf der anderen Seite der Anspruch der Angehörigen auf Kontakt zu ihren Angehörigen innerhalb der Einrichtung gewährleistet wird. Wir sind es, die den Frust von allen Beteiligten abbekommen und trotzdem jederzeit freundlich und engagiert unsere Arbeit durchführen. Wir sind gespannt, ob sich das Land Niedersachsen dazu hinreißen lässt, das dritte Drittel der versprochenen 1500 Euro Spahn-Prämie zu zahlen. Ansonsten wurde den Mitarbeitern in der Pflege wieder einmal viel versprochen, aber nicht gehalten. So werden wir in der Zukunft den Pflegenotstand nicht bekämpfen und keine engagierten Menschen finden, die diese Arbeit für die kommenden Generationen übernehmen“, schreibt Köster-Twachtmann.

„Haus Alpheide“

Silke Peckart, Leiterin der Einrichtung „Haus Alpheide“, schreibt: „Mit Wirkung vom 13. März haben wir zum Schutz der Bewohner ein Besuchsverbot ausgesprochen. Im Rahmen der Corona-Pandemie waren konsequentes Handeln und die Durchführung strikter Regularien notwendig und richtig. Trotz allem Verständnis bedeutete dieser Schritt für unsere Bewohner und Angehörigen allerdings auch eine große Einschränkung der Lebensqualität und des persönlichen Wohlbefindens.

Das Niedersächsische Ministerium hat mit Erlass vom 5. Juni weitere Öffnungen im sozialen Bereich eingeräumt. Sofern Bewohnerinnen und Bewohner den Wunsch haben, Besuch in ihren Zimmern zu empfangen, ist dies unter Einhaltung der Hygienevorschriften zu ermöglichen. Wir haben unser Hygienekonzept entsprechend angepasst, sodass Besuche seit Montag, 8. Juni, in unserem Haus wieder möglich sind. Dennoch müssen wir weiter achtsam sein und besonnen handeln, so bevorzugen wir Besuche im Freien und halten Plexiglasaufsteller bereit, um eine Infektionsgefahr zu minimieren. Alle Mitarbeiter, Bewohner und Besucher sind und werden regelmäßig mit den Schutz- und Hygienemaßnahmen vertraut gemacht. Bei einer Verletzung der Sicherheitsmaßnahmen kann der Besuch unsererseits abgebrochen werden.

Wir ermöglichen tägliche Besuche von 9.30 bis 11 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr. Zu den Versorgungszeiten sind Besuche ausgenommen. Eine telefonische Anmeldung ist notwendig, damit eine Desinfektion der Kontaktflächen nach jedem Besuch erfolgen kann. Besuche in unserem Haus sind nicht auf einen bestimmten Personenkreis beschränkt. Alle Familienangehörigen, Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen. Allerdings ist die Anzahl der Besucher laut Verordnung auf einen Besucher je Bewohner beschränkt. Eine zweite Person ist nur dann zulässig, wenn Besucher selbst hilfebedürftig sind.

Grundsätzlich sind Spaziergänge und Einkäufe für die Bewohner zu ermöglichen. Wir informieren jeden, dass durch einen Aufenthalt außerhalb der Einrichtung die Covid-19-Infektionsgefahr für einen selbst wie auch für die Mitbewohner und sonstigen Personen steigen kann. Unter Einhaltung der Hygienerichtlinien bieten wir seit vergangener Woche wieder medizinische Fußpflege in unserem Haus an. Unter Auflagen eines Coronaschutz-Friseurkonzeptes hat auch der Friseur in der vergangenen Woche wieder seine Dienstleistungen in unserem Salon aufgenommen“, schreibt Peckart.

DRK-Altenzentrum

Viktoria Oldenburger, Pflegedienstleiterin des DRK-Altenzentrums, schreibt: „Im Rahmen der ersten Lockerungsstufe haben wir am 11. Mai ein Besucherkonzept erstellt und nach dessen Genehmigung umgesetzt. Dafür haben wir in der Einrichtung zwei Räume mit fünf Besucherplätzen eingerichtet: pro Tisch ein Besucher und gegenüber mit Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern und einer Trennung durch eine Plexiglasscheibe unser Bewohner.

Die Besucherräume sind durch einen separaten Eingang von den Angehörigen zu erreichen. Die Besuchszeiten werden von der Verwaltung des Hauses koordiniert, das heißt Anmeldungen durch Angehörige laufen telefonisch. Besuchszeiten bieten wir an sechs Tagen in der Woche von 10 bis 16.30 Uhr an. Sonntage haben wir rausgenommen, da sich für diesen Tag in der letzten Zeit keine Besucher angemeldet haben. Pro Besuch vergeben wir 30 Minuten.

Nach Wunsch wird diese Zeit, wenn möglich, auch verlängert. Pro Bewohner darf nur ein Besucher (nach Ausfüllen eines Besucherfragebogens und Einweisung in Hygienevorschriften) die Besucherräume betreten.

Jeder Bewohner darf unterschiedliche Personen zum Besuch empfangen, jedoch nur eine zurzeit. Besuche von immobilen und schwachen Bewohnern sind nach Absprachen, Belehrung vor Ort und Begleitung im Zimmer des Bewohners möglich. Auch hier darf nur eine Besuchsperson ins Bewohnerzimmer.

Im Rahmen der zweiten Lockerungsstufe und der schriftlichen Mitteilung des Landkreises im Hinblick auf Spaziergänge der Bewohner außerhalb der Einrichtung haben wir zeitnah ein Konzept „Soziale Integration unserer Bewohner in Form eines Spazierganges“ erstellt und umgesetzt:

  • Unsere Bewohner können und dürfen von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr die Einrichtung zum Spazierengehen verlassen. Hier sind Einzelausgänge oder Spaziergänge in Begleitung des Angehörigen erlaubt.
  • Durch unsere Alltagsbegleiter bieten wir jedem Bewohner auch Spaziergänge in Kleingruppen im Stadtpark an.
  • Einzelbegleitung bieten wir nur Bewohnern an, die keinen Besuch erhalten.

Unsere Einrichtung ist nach draußen weiterhin geschlossen. Besuche eines Friseurs und Fußpflegers in der Einrichtung sind noch nicht erlaubt. Diese Versorgung haben unsere Mitarbeiterinnen ab April übernommen. Zum Glück haben wir im Pflegebereich zwei Mitarbeiterinnen, die früher Friseurinnen waren, und eine Mitarbeiterin mit der Zusatzqualifikation einer Fußpflegerin.

Einkäufe für die Bewohner können die Angehörigen von Montag bis Freitag zu den Bürozeiten in der Verwaltung abgeben. Zusätzlich bieten wir alle 14 Tage Einkaufsdienste durch eine Mitarbeiterin der Einrichtung an. Therapeuten dürfen nach einer ärztlichen Verordnung mit dem Zusatz „Medizinisch zwingend erforderlich“ die Behandlungen in einem extra Raum durchführen. Auch hier sind Hygienemaßnahmen einzuhalten“, schreibt Oldenburger.

„Seniorensitz Parkhaus“

Alena Graf, Pflegedienstleiterin im „Seniorensitz Parkhaus“, schreibt: „Bei uns im Haus können unsere Bewohner Besuche bekommen. Und die Angehörigen kommen regelmäßig – trotz Covid 19. Bei uns kommen die Besucher jeden Tag, die Besuchszeit dauert 60 Minuten. Zurzeit können unsere Bewohner nur einen Besucher empfangen, und das kann heute ein Angehöriger sein, und morgen ein anderer, aber nur einer pro Tag.

Folgende Besucher-Regeln gelten: Es muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen und Abstand gehalten werden, jeder Besucher wird angewiesen, die Hände zu desinfizieren. Es wird alles dokumentiert, bei jedem Besucher werden Fieber gemessen und Krankheitssymptome abgefragt. Unsere Bewohner sind nicht eingesperrt, sie dürfen spazieren gehen und auch einkaufen. Es gibt regelmäßige Besuche von Fußpflege, Friseur und auch anderer Dienstleistungen sowie Physiotherapeuten“, schreibt Graf.

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Erstellt:
25. Juni 2020, 19:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 56sec

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