01.12.2013

Sein letzter Tag

Schmerzlicher Abschied für Steyerbergs Bürgermeister Andreas Götz

Von Arne Hildebrandt

Steyerberg. Er kann wieder lachen. Zumindest äußerlich lässt sich Andreas Götz nichts anmerken. Bei der Bürgermeisterwahl am 22. September hatte er gegen seinen Rivalen Heinz-Jürgen Weber (52, CDU) verloren. Nach acht Jahren wurde Götz aus dem Amt gejagt. „Ein schmerzliches Erlebnis”, wie er sagt. Das muss man erst einmal verdauen. Dabei steht Steyerberg nach den acht Jahren gut da. Donnerstag wurde Götz 53. „Viel zu früh, um in Ruhestand zu gehen”, sagt er. Am Freitag hatte er seinen letzten Tag im Rathaus von Steyerberg. Das Büro des Bürgermeistermeisters ist schon ausgeräumt und neu gestrichen, die Wände sind kahl. Die Bilder sind abgehängt. Götz selbst brauchte es nicht zu tun. Acht Wochen Urlaub hatten sich bei ihm noch aufgetürmt. Und die hatte er nach der verlorenen Wahl erst einmal genommen. Gestern nun das Wiedersehen im Rathaus. Und zugleich der Abschied von den knapp 20 Mitarbeitern. Und dem Gemeinderat. Ein herzlicher Abschied.

Götz war auch Personalchef. Auf seine Mitarbeiter lässt er nichts kommen. „Eine aufgeweckte Truppe. Eine sehr motivierte Mannschaft, und das trotz chronischer Personalnot. Man brauchte nicht groß Motivationskünstler zu sein. Solidarität wurde gelebt. Je mehr man den Leuten Freiräume gibt, desto besser klappt es”, weiß er.

Bei seiner Verwaltung könne er sich nur bedanken. Es sei immer ein gutes Verhältnis gewesen. Auch zum Rat habe er ein gutes Verhältnis gehabt – bis auf einen. Damit meint er nicht seine größten Kritiker – Dietmar Keitsch von der Wählergemeinschaft, mit dem er umzugehen verstand. Oder Kurt Schrader, ebenfalls von der Wählergemeinschaft. „Der blieb immer sachlich.” Wen genau er meint, sagt er nicht öffentlich, um nicht von seinem Gegner erneut an den Pranger gestellt zu werden. Der eine Ratsherr habe sich jedenfalls schon vor einem Jahr auf ihn eingeschossen. Ironie des Schicksals: Die Fraktion, aus der sein Widersacher kommt, hat sogar eins drauf gekriegt, weil die CDU mit der Wahl Webers jetzt im Gemeinderat einen Sitz mehr hat.

Die wahren Gründe, weshalb der parteilose Amtsinhaber die Wahl gegen den Polizeichef aus Bruchhagen und CDU-Ratsherrn Heinz-Jürgen Weber verloren hat? Man wird es wohl nie erfahren. „Ich habe nicht mehr so aggressiv geworben”, räumt Götz ein. „Was will man den Leuten noch groß erzählen? Aber jetzt höre ich, ,der Weber ist bei mir gewesen’.” Auch Götz machte Hausbesuche. Doch nicht überall. Und dann kreidete man ihm sogar an, dass die Harke von ihm ein Foto veröffentlichte: Götz drückt auf die Klingel des Amtshauses. Dabei war es nur symbolisch gemeint. Eben für die Hausbesuche. Es kam aber nicht echt rüber. Klar, es war ja auch gestellt. Dafür konnte aber Götz nichts. „Müßig, darüber zu spekulieren”, winkt er ab.

Die Bilanz nach acht Jahren könne sich jedenfalls sehen lassen. Aber das sei nicht allein sein Verdienst. Es sei ein Gemeinschaftswerk von Verwaltung und Rat. „Wir haben in den acht Jahren 5,5 Millionen Euro investiert”, sagt er stolz. Und das Bankguthaben habe sich von 4,2 Millionen Euro auf neun Millionen verdoppelt.

Am Wahlabend habe sich einer diebisch darüber gefreut, dass er die Wahl verloren habe, erzählt Götz. „Das ist schon schmerzlich. Aber so ist das in der Demokratie. Hätte, hätte. Was hätte man alles machen sollen? Wie gesagt, alles Spekulation.” Die unfairen Sachen im Wahlkampf seien jedenfalls nicht von Heinz-Jürgen Weber gekommen, macht er deutlich. Sein Blick geht Richtung Voigtei und Deblinghausen. Ob Auflösung der Ortsräte, wie vor drei Jahren von der CDU gefordert, oder der schlechte Zustand der Wege zur Biogasanlage in Voigtei, alles sei ihm in die Schuhe geschoben worden. Schwamm drüber. Aus. Vorbei.

Was er beruflich vorhat? Kommunalberater werden, wie andere ehemalige Verwaltungschefs? „Ich habe schon ein paar Bewerbungen geschrieben”, sagt Götz. Wohin, lässt er offen. Und von einer Gemeinde sei er schon gefragt worden, ob er nicht dort als Bürgermeister kandidieren wolle. Mehr sagt er nicht dazu.

Knapp 60 Prozent seines Gehalts bekommt Götz jetzt. Ein Leben lang, wie er sagt. Doch damit will er sich nicht zufrieden geben. „Nur zu Hause sitzen und Zeitung lesen?”, fragt er. Die Antwort bleibt im leeren Raum. Jetzt muss er lachen.

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Erstellt:
1. Dezember 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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