Arne Hildebrandt DH

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Selbstgespräche

Handymanie

Kürzlich im Nienburger Bahnhofstunnel: Eine Frau redete lautstark. Doch mit wem? Sie war schließlich allein. Sie erzählte und erzählte. Ist die bekloppt?, fragte ich mich. Neulich kam mir im Dunkeln ein Radfahrer entgegen – und redete und redete ebenfalls. Wieder einer, der Selbstgespräche führt? Was man nicht gleich erkennt: Die Leute telefonieren. Viele haben für unterwegs ein Mikrofon, in das sie hineinsprechen, ohne das Telefon halten zu müssen. Zwar praktisch, aber eben ungewohnt.

Überhaupt: Heutzutage wird telefoniert, was das Zeug hält. Der Drang, Informationen loszuwerden oder zu empfangen wird offenbar immer größer. Neulich ging ein älterer Herr mit mir in einen Discounter. Auch er rappelte. Wieder lautstark. Dieses Mal waren es ganz sicher keine Selbstgespräche. Er hatte noch kein Mikro, hielt das Handy am Ohr. Meinen strafenden Blick bemerkte er nicht, so vertieft war er in sein Gespräch. Ich verstand nur Bahnhof, denn der Mann sprach nicht deutsch. Vielleicht deshalb seine Hemmungslosigkeit. Versteht ja sonst keiner. Er war im ganzen Laden zu hören. Das ist das Handy-Phänomen: Sobald die Leute mit dem Handy telefonieren, sprechen sie laut. Mag sein, dass man im Laden mal schnell anrufen muss, um auf Nummer sicher zu gehen, auch das Richtige zu kaufen. Doch muss man die ganze Zeit laut quatschen? Sogar an der Kasse telefonieren einige munter weiter. Unhöflicher geht es nicht. Kann etwas so wichtig sein, dass man wenig später zurückrufen kann?

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Erstellt:
8. März 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 45sec

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