Bewaffnete Männer ohne erkennbares Nationalitätenabzeichen in der Stadt Armjansk auf der Krim. Foto: Konstantin Mihalchevskiy/Sputnik/dpa

Bewaffnete Männer ohne erkennbares Nationalitätenabzeichen in der Stadt Armjansk auf der Krim. Foto: Konstantin Mihalchevskiy/Sputnik/dpa

Kiew 25.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Selenskyj ordnet allgemeine Mobilmachung in Ukraine an

Die Ukraine ist im Kriegszustand. Das Land meldet Angriffe von allen Seiten, Dutzende Menschen sind bereits getötet worden. Ukraines Präsident Selenskyj ordnet die Einberufung von Wehrpflichtigen an.

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ostukraine hat Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Das Staatsoberhaupt habe ein entsprechendes Dekret unterschrieben, meldete die Agentur Unian unter Berufung auf das Präsidialamt in Kiew. Die Anordnung gilt demnach 90 Tage und sieht die Einberufung von Wehrpflichtigen und Reservisten vor. Zuvor hatte Selenskyj bereits eine Teilmobilmachung von Reservisten angeordnet. „Wir müssen operativ die Armee und andere militärische Formationen auffüllen“, begründete er seine Entscheidung. Nach ukrainischen Behördenangaben dürfen zudem männliche Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Man werde sie nicht über die Landesgrenze lassen, teilte der Leiter der ukrainischen Zollbehörde in Lemberg, Danil Menschikow, mit. Er bat die Menschen, keine Panik zu verbreiten und nicht zu versuchen, eigenständig die Landesgrenze zu überqueren. Nach Angaben aus Kiew wurden bei Kämpfen mindestens 57 Menschen getötet. 169 weitere seien verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko am Donnerstagabend der Agentur Unian. Er rief die Bevölkerung zur Blutspende auf. Das medizinische Personal arbeite rund um die Uhr. Zudem sollten Patienten, die keine Akutfälle seien, ambulant behandelt werden. Damit solle eine Überlastung der Krankenhäuser verhindert werden. Tschernobyl von Russland erobertZuvor hatte Russland nach ukrainischen Angaben das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl erobert. „Leider muss ich mitteilen, dass die Zone um Tschernobyl, die sogenannte Sperrzone, und alle Anlagen des Atomkraftwerks Tschernobyl unter der Kontrolle bewaffneter russischer Gruppen sind“, sagte der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal am Donnerstag mach Angaben der Agentur Unian. Die ukrainische Hauptstadt Kiew liegt nur knapp 70 Kilometer entfernt. „Nach schwerem Kampf wurde die Kontrolle über Tschernobyl verloren“, sagte ein ukrainischer Präsidentenberater. Es sei unklar, in welchem Zustand die Anlage sei. „Dies stellt heute eine der ernsthaftesten Bedrohungen für Europa dar.“ Er warnt vor Provokationen der russischen Seite. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtet, es gebe Gefechte in der Region. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Angriff auf strategisch wichtige HafenstadtIn der strategisch wichtigen ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer wurden nach Angaben der Stadtverwaltung 17 große Hochhäuser durch Beschuss beschädigt. Sie lägen alle im Osten der Stadt in Richtung der Front zu den prorussischen Separatisten. Die Stromversorgung sei teilweise ausgefallen, teilte die Stadt mit. Die Wasserversorgung funktioniere hingegen. Der öffentliche Nahverkehr fahre kostenlos für die Bewohner. 23 verletzte Einwohner der Stadt sowie 23 verletzte Soldaten seien in Kliniken aufgenommen worden. „Die operative Lage um Mariupol ist unverändert“, hieß es ohne nähere Angaben. Mariupol war von russischen Truppen am Donnerstag angegriffen worden. Mittags hatte der ukrainische Generalstab aber mitgeteilt, die Stadt am Asowschen Meer sei „unter volle Kontrolle zurückgebracht worden“. Am späten Abend berichteten Bewohner in sozialen Medien vor allem im Osten der Stadt davon, immer wieder Beschuss und Einschläge zu hören. Insel im Schwarzen Meer erobertZudem eroberten russische Truppen nach Angaben der Ukraine bereits die Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Der Kontakt zum Grenzschutz und Soldaten dort sei abgerissen, teilte der Grenzschutzdienst am Donnerstagabend mit. Den ganzen Tag über habe „der Feind“ die Insel umstellt und mit Schiffskanonen beschossen. Sie ist eine der wenigen Inseln, die die Ukraine besitzt. Sie ist vor allem für Anrechte auf Bodenschätze im Meer strategisch wichtig und war lange zwischen Rumänien und der Ukraine umstritten. Die Lage im Osten der Ukraine nahe der von den Separatisten kontrollierten Gebiete ist nach Angaben des ukrainischen Militärs währenddessen weiter unruhig. Die Situation im Einsatzgebiet Donezk sei angespannt, werde aber von der Armee kontrolliert, heißt es in einem Bericht der ukrainischen Armee am Donnerstagabend. Der Beschuss durch Russland dauere an. In Richtung Luhansk seien tagsüber die heftigsten Kämpfe um die Orte Schtschastja, Stanyzja Luhanska, Lobatschewe und Bilowodsk geführt worden. In den Kämpfen um Schtschastja seien zwei feindliche Panzer zerstört und ein Panzer und eine Flugabwehrkanone erbeutet worden, hieß es weiter. In Schtschastja habe die Armee mehrere Gefangene genommen, hieß es weiter. Trotz umfangreicher Angriffe sei es „dem Feind“ nicht gelungen, aus dem Osten tief in die Ukraine vorzudringen. Alle wichtigen Siedlungen und wichtige Infrastruktur halte man weiter. Nach aktuellem Stand seien keine weiteren Versuche des Durchbruchs durch „den Feind“ registriert worden. An manchen Orten sei die Feueraktivität zurückgegangen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Putin: Angriff ist „notwendige Maßnahme“Putin bezeichnete den Einmarsch ins Nachbarland Ukraine als „notwendige Maßnahme“. „Damit das verständlich ist: Das, was passiert, ist eine notwendige Maßnahme“, sagte Putin am Donnerstagabend bei einem Treffen mit russischen Wirtschaftsvertretern, das in Ausschnitten im Staatsfernsehen gezeigt wurde. „Uns wurden einfach keinerlei Chancen gelassen, anders aufzutreten.“ Putin betonte zugleich: „Wir können die geopolitischen Risiken nicht vollständig vorhersagen.“ Zuvor löste die ukrainische Hauptstadt Kiew wegen des russischen Angriffs bereits Luftalarm aus. Die Verwaltung rief alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich möglichst in Luftschutzbunkern in Sicherheit zu bringen. Am Morgen waren bereits testweise die Luftschutzsirenen zu hören gewesen. Moskau: Luftabwehr der Ukraine unschädlich gemachtMoskau wiederum hatte betont, keine Flugzeuge, Raketen oder Artillerie gegen ukrainische Städte einzusetzen, sondern lediglich gegen militärische Infrastruktur, Luftverteidigung und Flugplätze der ukrainischen Luftwaffe vorzugehen. Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Der Kreml ließ die Frage, bis wohin russische Soldaten vorrücken wollten, zunächst unbeantwortet. Nach eigenen Angaben machten die russischen Streitkräfte bei der Invasion in die Ukraine die Luftabwehr des Landes komplett unschädlich. Die Stützpunkte der ukrainischen Luftwaffe seien mit „präzisionsgelenkter Munition“ außer Betrieb gesetzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die ukrainischen Soldaten hätten keinerlei Widerstand gegen das russische Militär geleistet, hieß es. Zugleich wies das Ministerium ukrainische Berichte über einen Abschuss von russischen Flugzeugen zurück. Das entspreche nicht den Tatsachen, hieß es. Das Ministerium teilte auch mit, dass es keine Luftschläge gegen ukrainische Städte gebe. „Der Zivilbevölkerung droht nichts.“

Ein Militärfahrzeug der ukrainischen Armee bewegt sich auf einer Straße am Stadtrand von Sewerodonezk in der Region Donezk im Osten der Ukraine. Foto: Ricrad Garcia Vilanova/AP/dpa

Ein Militärfahrzeug der ukrainischen Armee bewegt sich auf einer Straße am Stadtrand von Sewerodonezk in der Region Donezk im Osten der Ukraine. Foto: Ricrad Garcia Vilanova/AP/dpa

Ukrainische Soldaten sitzen auf gepanzerten Mannschaftstransportern, die auf einer Straße in der Region Donezk in der Ostukraine fahren. Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

Ukrainische Soldaten sitzen auf gepanzerten Mannschaftstransportern, die auf einer Straße in der Region Donezk in der Ostukraine fahren. Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

Ein Ehepaar betritt während des russischen Beschusses in Mariupol einen Schutzraum mit einem Baby in einem Kinderwagen. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Ein Ehepaar betritt während des russischen Beschusses in Mariupol einen Schutzraum mit einem Baby in einem Kinderwagen. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Eine Frau steht mit ihren Kindern während des russischen Beschusses in einem Schutzraum in Mariupol. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Eine Frau steht mit ihren Kindern während des russischen Beschusses in einem Schutzraum in Mariupol. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Ein beschädigtes Fahrzeug und Trümmer nach russischem Beschuss außerhalb von Mariupol. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Ein beschädigtes Fahrzeug und Trümmer nach russischem Beschuss außerhalb von Mariupol. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Menschen sitzen in einer U-Bahn-Station in Kiew und nutzen diese als Bombenschutzraum. Foto: Zoya Shu/AP/dpa

Menschen sitzen in einer U-Bahn-Station in Kiew und nutzen diese als Bombenschutzraum. Foto: Zoya Shu/AP/dpa

Ein gepanzertes Fahrzeug mit russischer Fahne auf der Krim. Foto: Konstantin Mihalchevskiy/Sputnik/dpa

Ein gepanzertes Fahrzeug mit russischer Fahne auf der Krim. Foto: Konstantin Mihalchevskiy/Sputnik/dpa

Ein Anwohner zeigt die Trümmer eines Hauses außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Ein Anwohner zeigt die Trümmer eines Hauses außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Auf diesem vom Pressedienst der ukrainischen Polizeibehörde veröffentlichten Handout-Foto fliegen offenbar russische Militärhubschrauber über den Stadtrand von Kiew. Foto: Uncredited/Ukrainian Police Department Press Service via AP/dpa

Auf diesem vom Pressedienst der ukrainischen Polizeibehörde veröffentlichten Handout-Foto fliegen offenbar russische Militärhubschrauber über den Stadtrand von Kiew. Foto: Uncredited/Ukrainian Police Department Press Service via AP/dpa

Flammen und Rauch steigen aus den Trümmern eines Privathauses außerhalb von Kiew auf. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Flammen und Rauch steigen aus den Trümmern eines Privathauses außerhalb von Kiew auf. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Russische Truppen haben ihren erwarteten Angriff auf die Ukraine gestartet - über Kiew sind bereits Rauchschwaden zu sehen. Foto: -/kyodo/dpa

Russische Truppen haben ihren erwarteten Angriff auf die Ukraine gestartet - über Kiew sind bereits Rauchschwaden zu sehen. Foto: -/kyodo/dpa

Eine Ukrainer verfolgt am Fernsehgerät die Geschehnisse in Kiew. Foto: Igor Golovniov/SOPA/ZUMA/dpa

Eine Ukrainer verfolgt am Fernsehgerät die Geschehnisse in Kiew. Foto: Igor Golovniov/SOPA/ZUMA/dpa

Arbeiter räumen die Trümmer einer Rakete auf einen Lastwagen. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Arbeiter räumen die Trümmer einer Rakete auf einen Lastwagen. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert die Ukrainer auf, zu Hause zu bleiben und nicht in Panik zu geraten. Foto: Efrem Lukatsky/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert die Ukrainer auf, zu Hause zu bleiben und nicht in Panik zu geraten. Foto: Efrem Lukatsky/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Ukrainische Soldaten transportieren Ausrüstung auf einem Luftverteidigungsstützpunkt in Mariupol. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Ukrainische Soldaten transportieren Ausrüstung auf einem Luftverteidigungsstützpunkt in Mariupol. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Nach russischem Beschuss: Eine Frau in Kiew räumt Glasscherben vor ihrem Geschäft zur Seite. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Nach russischem Beschuss: Eine Frau in Kiew räumt Glasscherben vor ihrem Geschäft zur Seite. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Ein Mann begutachtet die Folgen eines russischen Raketenangriffs in Kiew. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Ein Mann begutachtet die Folgen eines russischen Raketenangriffs in Kiew. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

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Erstellt:
25. Februar 2022, 00:01 Uhr
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