Das Besuchsverbot macht sich bemerkbar. Der Parkplatz des „Seniorendomizils am Meerbachbogen“ ist fast leer. Fotos: Garms

Das Besuchsverbot macht sich bemerkbar. Der Parkplatz des „Seniorendomizils am Meerbachbogen“ ist fast leer. Fotos: Garms

Nienburg 18.03.2020 Von Manon Garms

Seniorenheime vor Herausforderungen

Verbot von privaten Besuchen / Sorgen wegen Desinfektionsmitteln / Teilweise personelle Probleme

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die niedersächsische Landesregierung zu Beginn der Woche weitere Maßnahmen beschlossen: Dazu gehört auch das Verbot aller privaten Besuche von Bewohnerinnen und Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen. „Wir müssen insbesondere die besonders gefährdeten Gruppen vor einer Ansteckung schützen“, hatte Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann gesagt.

DIE HARKE hat sich in Nienburger Seniorenheimen umgehört und gefragt, wie die aktuelle Situation aussieht. Das DRK hatte bereits am Montagmorgen – noch vor der Entscheidung der Landesregierung – ein Besuchsverbot verhängt, das natürlich nicht nur für das Altenzentrum an der Rühmkorffstraße gilt, sondern auch für die drei weiteren DRK-Seniorenheime in Stolzenau und Hoya.

Unsere Bewohner können das Haus selbstverständlich verlassen. Sie werden aber angehalten, das Gelände nicht zu verlassen.

Martin Krone, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes

Zum aktuellen Besuchsverbot erläutert Martin Krone, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes: „Laut Weisung des Sozialministeriums gilt ein umfassendes Besuchsverbot, welches kaum Ausnahmen zulässt. Nahestehende Personen von Bewohnern, die palliativ betreut werden, sind grundsätzlich vom Verbot ausgenommen. Weitere Ausnahmen sind derzeit nur für Seelsorger oder Urkundspersonen vorgesehen – natürlich nur unter entsprechenden Schutzmaßnahmen. Das hieße, dass beispielsweise externen Therapeuten kein Zutritt gewährt wird. Wir werden in unseren Häusern dementsprechend verfahren und die Weisung so umsetzen“, betont Krone.

Dennoch wolle man die Bewohner nicht isolieren: „Unsere Bewohner können das Haus selbstverständlich auch verlassen. Sie werden aber dazu angehalten, sich auf dem Gelände des Altenzentrums aufzuhalten und das Gelände nicht zu verlassen. Entsprechende intensive Gespräche und Hinweise sind erfolgt.“ Auch das Internet könnten die Bewohner selbstverständlich zur Kommunikation nutzen.

Innerhalb des DRK-Altenzentrums finden noch gemeinsame Aktivitäten statt, aber derzeit kommt niemand Externes dazu. Mit der Versorgung von Desinfektionsmitteln für die Pflege gibt es laut Krone aktuell keine Probleme. Gleiches gilt für die personelle Versorgung. „Wir haben in unserem Nienburger Haus eine eigene Kinderbetreuung.

Eine ausgebildete Betreuungskraft, die sich sonst um Senioren kümmert, kümmert sich jetzt um die Kinder, deswegen gibt es keine personellen Ausfälle“, sagt Krone. Ein Pandemie-Plan ist ebenfalls vorhanden, dessen wichtigster Bestandteil das Vorhalten von geeigneter Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ist.

Auch im „Seniorendomizil im Meerbachbogen“ ist man nach Auskunft von Einrichtungsleiter Jörg Köster-Twachtmann vorbereitet. „Es gibt ein Pandemie-Team, das täglich die Lage beurteilt“, sagt Köster-Twachtmann. Der Pandemie-Plan des „Seniorendomizils“ sieht unter anderem ebenfalls die Ausstattung mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln vor. „Wir müssen damit haushalten, kommen aber noch etwas hin. Das Problem ist allerdings, dass die Lieferketten unterbrochen sind“, sagt der Einrichtungsleiter, der aber ganz pragmatisch an die Situation herangeht: „Alle müssen lernen, und wir müssen gut zusammenarbeiten.“

Christoph Meuleners-Landtau, Leiter des DRK-Altenzentrums an der Rühmkorffstraße, zeigt auf die Information zum Besuchsverbot, die am Eingang der Einrichtung hängt.

Christoph Meuleners-Landtau, Leiter des DRK-Altenzentrums an der Rühmkorffstraße, zeigt auf die Information zum Besuchsverbot, die am Eingang der Einrichtung hängt.

Das gelte auch im Hinblick auf die personelle Versorgung. Einige anfängliche Probleme konnten laut Köster-Twachtmann aus dem Weg geräumt werden. Wie sich die personelle Lage weiter entwickle, könne nicht eingeschätzt und müsse abgewartet werden. Ein Besuchsverbot war – wie auch beim DRK – bereits vor der Entscheidung der Landesregierung verhängt worden.

In der „Seniorenresidenz Mein Zuhause Nienburg“ hatte es schon in der vergangenen Woche eine Besuchereinschränkung gegeben. „Unsere Bewohner haben dafür und auch für das Verbot Verständnis, möchten sich aber auch nicht so gern einschränken“, sagt Einrichtungsleiterin Karin Bach. Um die Senioren keiner Gefahr auszusetzen, werden sie gebeten, nicht in die Stadt zu gehen, sondern – wenn sie nach draußen möchten – sich im Garten aufzuhalten. Außerdem finden innerhalb der Einrichtung keine größeren Zusammenkünfte mehr statt. „Natürlich dürfen die Bewohner in kleinen Gruppen zusammensein, aber wir reduzieren das soziale Umfeld auf ein Minimum“, sagt Bach.

Probleme gebe es im Hinblick auf die personelle Versorgung, da viele Kollegen von Schul- und Kitaschließungen betroffen seien. „Aktuell ist es so geregelt, dass Mütter Gruppen bilden und abwechselnd auf die Kinder aufpassen. Oder wenn der Ehemann zu Hause bleibt, dann geht es auch“, so die Einrichtungsleiterin. In dem Pandemie-Plan der „Seniorenresidenz“ geht es unter anderem darum, was im Falle einer Virus-Infektion passieren kann und was passiert, wenn volle Quarantäne angeordnet wird. Schutzkleidung und Desinfektionsmittel seien vorhanden. „Die Frage ist nur, ob es reicht, denn man bekommt nichts mehr“, sagt Bach.

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Erstellt:
18. März 2020, 06:33 Uhr
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