Planen für die Nienburger Tafel eine anonyme Lieferung für Bedürftige (von links): Jürgen Folk, Beate Kiehl, Christian Rumpeltin und Ulrich Anding. Foto: Schwake

Planen für die Nienburger Tafel eine anonyme Lieferung für Bedürftige (von links): Jürgen Folk, Beate Kiehl, Christian Rumpeltin und Ulrich Anding. Foto: Schwake

Nienburg 29.05.2021 Von Die Harke

Sich nicht schämen, zur Tafel zu gehen

Nienburger Tafel ermuntert Kurzarbeiter und Familien, sich helfen zu lassen / Anonyme Lieferung geplant

„Wer Wohngeld, Sozialhilfe, Hartz IV oder eine Grundsicherung bekommt, darf bei den Tafeln einkaufen. Die bundesweite Hilfsorganisation versorgt Bedürftige vorrangig mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Sehr häufig wird keine einzelne Person, sondern die gesamte Familie und damit eine sehr große Anzahl von Kindern und Jugendlichen über den Einkauf in den örtlichen Tafeln versorgt“, heißt es in einer Mitteilung der Nienburger Tafel.

Bundesweit verzeichnet die Tafelorganisation jetzt eine Hilfsbedürftigkeit bei Arbeitslosen und Kurzarbeitern, die durch die Corona-Pandemie in Not geraten sind. Gerade an diesen Personenkreis wendet sich Beate Kiehl, Geschäftsführerin der Tafel Nienburg gGmbH, mit einer besonderen Einladung: „Ganz selbstverständlich werden in Nienburg, Stolzenau und Hoya auch die bedürftigen Menschen versorgt, die gerade erst und vielleicht auch nur vorübergehend in Not geraten sind.“

Unkomplizierte, pragmatische Hilfe

Kiehl verspricht diesen neuen Kunden, dass, zumindest für einen Übergangszeitraum, der Nachweis der Bedürftigkeit nachrangig sei. „Wir wissen natürlich auch, dass aktuell viele Behörden und Institutionen nur sehr eingeschränkt arbeiten. Gerade deshalb werden wir jetzt keinen bedürftigen Menschen unversorgt lassen, wenn er denn den Weg zu uns findet.“ Dieses Versprechen gelte auch für Familien, insbesondere mit kleinen Kindern, die immer mal wieder, nicht selten zum Monatsende, eine angemessene Ernährung nicht gewährleisten können.

Beate Kiehl, die seit mehr als 20 Jahren die Tafel in Nienburg leitet, sorgt sich aber noch um das Wohlergehen anderer Bevölkerungsgruppen: Da seien zunächst die Menschen, die aktuell die Tafel aus Angst vor einer Infektion meiden: „Diese Befürchtung kann ich ausräumen. Gerade in Zusammenarbeit mit unserem Förderverein haben wir mit erheblichen Investitionen alle Abläufe neu organisiert und umfangreiche Hygieneschutzmaßnahmen umgesetzt.“

Ich weiß von sehr bedürftigen Menschen, die nicht zu uns kommen, weil sie anonym bleiben wollen.

Beate Kiehl, Leiterin Nienburger Tafel

Kiel ist davon überzeugt, dass durch die räumliche Trennung von Registratur und Warenausgabe, über Abstands-und Hygienegebote sowie über die Einführung von drei (Besuchs-)Zeitzonen maximale Sicherheit beim Einkauf gewährleistet werde. Sie kenne auch konkret keine Infektion, die auf einen Einkauf bei ihrer Tafel zurückgehe. Ein besonders bedrückendes Problem möchte die Geschäftsführerin jetzt in unmittelbarer Zusammenarbeit mit dem Förderverein angehen. „Ich weiß von sehr bedürftigen Menschen, die nicht zu uns kommen, weil sie anonym bleiben wollen.“

Dann gebe es nach ihrer Kenntnis auch noch die Personen, die aufgrund von Erkrankung oder Alter den Weg zur Tafel, das dortige Warten und den Transport der Ware nach Hause tatsächlich nicht leisten könnten. Für die genannten bedürftigen Bürger in der Region werde eine Arbeitsgruppe mit Beate Kiehl, dem Vorsitzenden des Fördervereins Christian Rumpeltin sowie den Vorstandsmitgliedern Ulrich Anding und Jürgen Folk, ein Hilfesystem entwickeln, das den angesprochenen Problemen Rechnung tragen soll. „Wir können allerdings nur den Menschen helfen, die wir kennen, deshalb brauchen wir zwingend einen ersten Kontakt“, sagt Rumpeltin.

Wir können allerdings nur den Menschen helfen, die wir kennen, deshalb brauchen wir zwingend einen ersten Kontakt.

Christian Rumpeltin

Anding fordert dazu auf: „Melden Sie sich mit einem Anruf, mit einem Brief, gerne unmittelbar in den Briefkasten in der Leinstraße 16 oder per Mail bei Frau Kiehl oder beim Förderverein. Vergessen Sie dabei nicht die Daten, wie wir Sie erreichen können, unsere Kontaktdaten stehen unten im Kasten.“

Flyer soll zur Annahme von Hilfe motivieren

Ein grobes Konzept haben die Organisatoren vor Augen: „Wir beliefern schon einige Kunden einmal die Woche mit unserem Kühlwagen. Diese Struktur könnten wir über mehr Personaleinsatz, gegebenenfalls auch durch den Förderverein, ausbauen“, überlegt Kiehl, die für die Tafel aktuell noch nach einem Bufdi sucht. Zur Lösung des Problems einer möglichst anonymen Anlieferung denken Rumpeltin und Folk an den Einsatz von neutralen Fahrzeugen, anfänglich vielleicht auch von Privatfahrzeugen.

Unser Angebot soll so niedrigschwellig wie nur irgend möglich gestaltet werden, daran müssen wir uns messen lassen.

Beate Kiehl

Daneben planen die Initiatoren die Erstellung eines Flyers, der breit verteilt, zur Annahme von Hilfe motivieren soll. Alle Beteiligten der anlaufenden Aktionen seien sich in einer Bewertung völlig einig: „Unser Angebot soll so niedrigschwellig wie nur irgend möglich gestaltet werden, daran müssen wir uns messen lassen“, formuliert Beate Kiehl ein wichtiges Prinzip der Tafel.

Sie wisse für ihre Tafel ganz besonders die umfangreiche finanzielle, organisatorische und personelle Unterstützung durch den Förderverein der Nienburger Tafel zu schätzen: „Ohne die namhaften Beträge, gerade für pandemiebestimmte Maßnahmen, gäbe es uns zwar auch noch. Ganz sicher aber nicht mit der Beständigkeit und der Qualität für die Kunden und auch nicht mit der Sicherheit der Gesundheit der hauptsächlich ehrenamtlich tätigen mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Hauptstelle Nienburg sowie in den Ausgabestellen in Hoya und Stolzenau.“

Die Tafel ist erreichbar in der Leinstraße 16 in Nienburg, über www.nienburger-tafel.de; E-Mail info@nienburger-tafel.de und Telefon (0 50 21) 91 50 60. Dort erhalten auch Interessierte Informationen zur freien Bufdi-Stelle. Der Förderverein ist erreichbar über www.foerderverein-nienburger-tafel.de; E-Mail: info@foerderverein-nienburger-tafel.de; Telefon (0 50 21) 6 69 22.

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Erstellt:
29. Mai 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 32sec

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