Sie sind noch da, die Footballer

Sie sind noch da, die Footballer

Oben: Tackle-Drill – Safety Daniel Fink versucht Fullback Phillip Altvater zu stoppen.Links: Coach Axel Fink mit Neuzugang Kilian Voigt beim Drill am Blockschlitten.Unten: Agility Drill an den Step-Over-Bags – Phillip Altvater, Samuel Holm, Kilian Voigt, Daniel Fink und Joshua Brennfleck (von vorn) arbeiten an der Beweglichkeit. Schwiersch

Von Stefan Schwiersch Nienburg. Nur noch wenig erinnert an den Football-Hype aus dem Jahre 2007 auf dem Platz in in Erichshagen. Die gelben Torpfosten wurden längst abgebaut, rechts steht die grüne Material-Garage mit dem Taurus-Schriftzug auf der Seite, links in einiger Entfernung trotzt die große Anzeigetafel der Witterung. Das Spielfeld selbst lässt trotz allerhand Unkraut vor dem geistigen Auge flimmern, was damals abging auf der SVE-Anlage, als fast 1000 neugierige Menschen zum „Harke-Game-Day“ pilgerten, um die Feuertaufe des Footballs im Kreis Nienburg live zu erleben. Nun hält bekanntlich kaum etwas für immer, und auch die Begeisterung für Football ebbte schon bald wieder ab im Norden der Kreisstadt. Und doch sind sie noch da, die Jungs vom NC Taurus. Zumindest deren potenzielle Nachfolger. Einmal die Woche versammeln sich rund zehn junge Männer von 15 bis 19 Jahren, im Sommer auf dem großen Spielfeld, in der kalten Jahreszeit in der Halle. Erwartet werden sie von zwei Trainern: Axel Fink und Timo Bergmann. Die beiden betreuen die Nienburger Abordnung einer Spielgemeinschaft, die sich aus einem großen Verbreitungsgebiet mit den Eckpunkten Nienburg, Verden, Benefeld bei Walsrode und Rotenburg zusammensetzt; in Rotenburg werden auch die Spiele ausgetragen. Recht erfolgreich übrigens: Die U19 der Rotenburg Cyclones belegte Platz zwei unter vier Teams der Oberliga Nordwest, die Play offs gegen den Zweiten der Nachbarstaffel, die Bremen Birds of Prey, gingen klar mit 3:0 aufs Konto der Cyclones.

„Wir arbeiten hier konditionell und an den Basics“, sagt Axel Fink. Die beiden Coaches teilen sich die Arbeit auf, schauen aber gemeinsam genau hin, wenn ein Bewegungsblauf nicht sitzt. Viele sitzen erstmal nicht. Denn regelmäßig schauen Jungs zum ersten Mal vorbei, meist im Schlepptau ihrer bereits spielenden Kumpels, wollen einfach mal reinschnuppern. Nur wenige halten durch. Fink: „Von fünf Jungs, die vorbeikommen, bleibt nur einer dabei.“

Jeder junge Mann ist willkommen, niemand wird nach Hause geschickt. Schließlich gibt es beim Football für nahezu jede Körperform und jede motorische Konstitution eine Position, „wir benötigen eigentlich noch ein paar kräftige Jungs – da ist immer Bedarf“, sagt Fink.

Mitzubringen ist selbstverständlich die Lust auf sportliche Betätigung, aber auch die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, sich zu quälen, schließlich ist Football in erster Linie ein körperlicher und in zweiter Linie ein strategischer Sport. „Man muss hier über die Grenze gehen, da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.“

Fink und Bergmann arbeiten auch an der Persönlichkeit der Spieler. Der junge Sam beispielsweise, ein kräftiger Bursche, stand einst auf der Matte , kam schüchtern daher, redete nicht viel. Fink bildete ihn zum Lineman aus, das sind die Jungs, die beim Angriff vorn die Linie bilden, um den Quaterback zu schützen. Fink: „Sam ist offener geworden, hat sich hier positiv entwickelt.“

Ein gutes Jahr Ausbildung ist nötig, um das Rüstzeug für den Spielbetrieb zu erhalten. Fink kümmert sich um den Quaterback und die Widereceiver, Bergmann um die Linemen. Außerhalb der Saison wird einmal wöchentlich trainiert, innerhalb der Saison, die etwa von Mai bis September dauert, zweimal. Der logistische Aufwand mit dem Transport nach Rotenburg wird mit privaten Kräften gestemmt, zweimal unterstützte die SVE den Bustransfer finanziell; Sponsoren sind stets willkommen.

Wer auf die 20 zugeht, wechselt hinüber in den Herrenbereich, neben den Rotenburg Cyclones stehen geographisch gesehen die Zeven Flames oder die Benefeld Black Sharks zur Wahl. Eine Herrenmannschaft in Nienburg, die ist mittelfristig weitgehend ausgeschlossen, dafür ist das Einzugsgebiet nachweislich zu klein und die Konkurrenz durch traditionelle Sportarten zu groß. Und doch glaubt Fink, dass der Football wieder zulegen kann in der öffentlichen Wahrnehmung: Der TV-Sender Pro7 Maxx überträgt seit September die amerikanische Profiliga NFL, rund 50 Spiele werden live gesendet.

Wer selbst einmal das Football-Ei in die Hand nehmen möchte, ist beim Training gern gesehen: aktuell donnerstags um 18 Uhr bei der SVE, nach den Herbstferien mittwochs ab 18 Uhr in der kleinen Halle der Nordertorschule an der Großen Drakenburger Straße.

Vorab-Informationen erhält man auch über das Kontaktformluar auf der Taurus-Internetseite (http://nc-taurus-jugend.de.tl).