Die bisherige Vereinsvorsitzende Wera Peterek (vorne) übergibt ihr Amt an Jan Wendorf. Dessen Stellvertreterin ist Sirin al Hakim. Foto: Schmidetzki

Die bisherige Vereinsvorsitzende Wera Peterek (vorne) übergibt ihr Amt an Jan Wendorf. Dessen Stellvertreterin ist Sirin al Hakim. Foto: Schmidetzki

Nienburg 26.12.2020 Von Nikias Schmidetzki

So können auch Männer helfen

Jan Wendorf ist Vorsitzender des „Vereins zur Förderung des Nienburger Frauenhauses“

Es waren einige Männer, die 1988 schon nicht tatenlos bleiben, sondern Frauen helfen wollten.

Während dem Trägerverein des Nienburger Frauenhauses „Hilfe für Frauen in Not“ nur Frauen angehören dürfen, haben sie damals den Förderverein für die Einrichtung gegründet. Nach vielen Jahren steht nun auch wieder ein Mann an der Spitze des Vereins. Jan Wendorf ist neuer Vorsitzender.

Er beerbt Wera Peterek, die den Förderverein in den vergangenen Jahren geleitet hat. Dass sie das Amt nun wieder an einen Mann übergibt, findet sie gut, sei es doch die ursprüngliche Intention der Gründer gewesen, dass Männer Frauen in ausgesprochenen Notlagen helfen können.

Aktiv helfen können sie nicht. Anders als Wera Peterek, die auch Dienste in der 24-Stunden-Rufbereitschaft übernommen hat, können Wendorf, der neue Schriftführer des Vereins, Burkhard Walther, der auf Dorothee Winter folgt, und die vielen weiteren männlichen Mitglieder nur indirekt unterstützen.

Insgesamt, so sagt es Peterek, sei die Anzahl von Frauen und Männern im Verein etwa gleich. „Wie das ein Förderverein so macht, unterstützen wir vor allem finanziell“, sagt Wendorf. Zudem wolle der Verein auf die Problematik der Frauen, die vor häuslicher Gewalt und Missbrauch – oft auch gegen ihre Kinder – flüchten, aufmerksam machen. „Es ist in Debatten anders, wenn man als Mann so etwas anstößt“, weiß der neue Vorsitzende. Das bestätigt seine Vorgängerin: „Es gibt noch immer viele Vorurteile.“

Dabei sei das Problembewusstsein durchaus da, sagt Wendorf. Und wer vom Frauenhaus und der Arbeit, die dort getan wird, erfährt, sei meist zwar erschüttert, dass eine solche Einrichtung notwendig sei, sagt Peterek. Gleichzeitig seien viele bereit, zu helfen.

So ging es auch dem neuen Fördervereins-Vorsitzenden. Ihm sei das Frauenhaus lange ganz unbekannt gewesen. Er habe nun die Arbeit dort und die engagierten Mitarbeiterinnen über viele Gespräche kennengelernt. Nun will er sich auch einbringen, so wie er es kann. „Ich kann verwalten und Struktur geben“, sagt er, der als Jurist bei der Stadt Nienburg beschäftigt ist.

Das Problem habe schon vor Corona bestanden, sei nun aber noch schlimmer geworden, sagt Wendorf. Geschätzt gebe es 30 Prozent mehr Fälle häuslicher Gewalt, weil viel mehr Zeit daheim verbracht werde. „Es sind Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund, die fliehen müssen.“ Nicht immer sind sie allein. „Es sind fast immer auch Kinder betroffen“, betont Peterek.

Im Frauenhaus gehe es um mehr als eine Bleibe, ein Dach über dem Kopf. „Es ist nicht nur eine Wohnung, sondern auch Beratung“, sagt Wendorf. Und dann gibt es Zuschüsse, wenn zum Beispiel eine Frau in eine neue Wohnung zieht. Oder der Förderverein übernimmt einen Teil der Kosten für Ausflüge, Schulmaterial oder ganz bürokratische Dinge wie Nachsendeanträge.

Wendorf zur Seite steht mit Sirim al Hakim die 2. Vorsitzende. Sie kam für Heike Reimer. Auch sie möchte die Arbeit im Frauenhaus gerne unterstützen. Dort aktiv zu sein, schaffe sie während des Studiums nicht. „Wenn ich auf diesem Weg helfen kann, ist das schon gut“, sagt sie.

Der neue Vorstand: 1. Vorsitzender: Jan Wendorf, 2. Vorsitzende: Sirin al Hakim, Schriftführer: Burkhard Walther, Kassenwartin: Sabine Dudek

Geldspenden können auf das Konto bei der Volksbank Nienburg mit der IBAN DE12256900090005322800 überwiesen werden.

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Erstellt:
26. Dezember 2020, 15:22 Uhr
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