Sören Thies faszinierte in Rießen

Erst nach einer Zugabe und dem Versprechen, bald einmal wiederzukommen, entließ das Publikum Sören Thies. Der Limburger Musiker hatte unter dem Titel „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ auf Einladung des Steyerberger Vereins „KulturImpuls“ und der ev. Kirchengemeinde jüngst bei einem besonderen Musikabend in Gemeindezentrum „Altes Pfarrhaus“ in Rießen gesungen. Mit seinem Akkordeon nahm der Interpret die Zuhörer mit in die Zeit der Weimarer Republik und des beginnenden Nationalsozialismus und erinnerte mit seinen Chansons an damals bekannte und auch weniger bekannte jüdische Künstler. Thies moderierte sein Programm selbst und erzählte vom Beginn der Tonfilmzeit, von klingenden Namen wie Lilian Harvey, Hans Albers oder den Comedian Harmonists und interpretierte deren Titel wie „Ein Lied geht um die Welt“ von Hans May und „Es führt kein anderer Weg zur Seligkeit“.

Einem Teil der Zuhörer konnte man ansehen, dass ihnen die Lieder durchaus präsent waren, nicht aber, dass sie von jüdischen Künstlern geschrieben wurden. Er berichtete vom kreativen Leben in den Literatur-Cafes, von einer Blütezeit des Kabaretts mit seiner teils bissigen Kulturkritik, immer verdeutlicht mit liebevoll ausgewählten Liedern zum Beispiel von Curt Brey oder Willy Rosen.

Der Interpret erzählte aber auch vom plötzlichen Niedergang dieser allseits beliebten jüdischen, deutschen Künstler, von Flucht, vom Verlust ihrer Heimat oder auch ihres Lebens. Und selbst, wenn sie im Exil weiterleben konnten, so wurden sie doch mit ihrer Kunst nie wieder so verstanden. Auch dieser Aspekt kam in den Liedern nicht zu kurz, deutlich im Lied „Vorbei“ von Rolf Marbot oder in Vertonungen der Texte Mascha Kalékos.

Sören Thiess setzte zwischen solche eher nachdenklichen Beiträge immer wieder Kompositionen aus seiner eigenen Feder, die Raum schafften für eigene Gedanken zum Gehörten und bei denen die Zuhörer auch einfach nur die Musikalität des Interpreten und die meisterhafte Beherrschung seines Instruments genießen konnten. So entstand trotz aller Nachdenklichkeit schnell eine lockere, aber sehr dichte Atmosphäre zwischen den Zuhörern und dem Interpreten.