In drer Clausewitzkaserne wurden die Flaggen der 24 an der Übung Joint Cooperation teilnehmenden Nationen gehisst.Hörhold / MN CIMIC Cmd

In drer Clausewitzkaserne wurden die Flaggen der 24 an der Übung Joint Cooperation teilnehmenden Nationen gehisst.Hörhold / MN CIMIC Cmd

Nienburg 01.11.2019 Von Die Harke

Soldaten schießen auch scharf

CIMIC-Übung unter realistischen Bedingungen: Soldaten aus 24 Ländern üben in Nienburg / Bevölkerung nimmt aktiv teil

Am Mittwoch startete in Nienburg zum neunten Mal die „Joint Cooperation“, die NATO-weit einzigartige CIMIC-Übung. Rund 500 Soldaten und Zivilisten aus 24 Ländern Europas und Nordamerikas sind dabei. Die Übung dauert bis zum 8. November. Für die Gastgeber in der Nienburger Clausewitz-Kaserne ist dies die erste Veranstaltung unter ihrem neuen Namen „Multinational CIMIC Command“.

„Mit der Umbenennung vor einem Monat unterstreicht das vormalige Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr seine führende Rolle für CIMIC in der NATO und der EU“, erklärt der Kommandeur, Oberst Andreas Timm.

CIMIC (Civil Military Cooperation, englisch für Zivil-Militärische Zusammenarbeit) ist die besondere Fähigkeit speziell ausgebildeter Soldaten, die Belange der Zivilbevölkerung in einem Einsatzland zu ermitteln und bei der militärischen Planung zu berücksichtigen. Diese Fähigkeit wird bei „Joint Cooperation“ eine Woche lang geübt.

Die eingespielten Szenarien sollen möglichst geheim bleiben, erklärt Oberst Timm: „Wenn die Übungsteilnehmer vorher in der Zeitung lesen, welche Aufgaben auf sie zukommen, ist der Überraschungseffekt weg. Im echten Einsatz müssen sie unvorbereitet die richtigen Entscheidungen treffen, und wir wollen hier unter möglichst realistischen Bedingungen üben.“

Im ganzen Landkreis Nienburg sowie in angrenzenden Teilen des Landkreises Verden und der Region Hannover werden CIMIC-Teams unterwegs sein und Gespräche führen. Sie begegnen dabei rund 140 zivilen Darstellern aus der Region, die ihnen nach vorgegebenen Drehbüchern ihre Situation schildern. Dabei sind 15 amtierende Bürgermeister und Gemeindevorsteher sowie Vertreter von Rettungsorganisationen, Behörden und zahlreichen Unternehmen, darunter auch Flughäfen, Radiosender und Krankenhäuser. Die einzelnen Berichte der CIMIC-Teams fügen sich zum Schluss wie ein Puzzlespiel zu einem zivilen Lagebild zusammen.

Die Darsteller nehmen größtenteils die Rollen ein, die sie auch im wirklichen Leben haben. Einer von ihnen ist Polizeioberkommissar Gabor Balint von der Polizeiinspektion Nienburg, der schon zum siebten Mal einen Polizeichef im fiktiven Einsatzland „Framland“ spielt. Er macht aus Überzeugung mit: „Ich war als Polizeibeamter selbst dreimal im Auslandseinsatz, in Bosnien und im Kosovo. Von daher weiß ich, dass es sehr wichtig ist, praxisnah zu üben, wie man die Situation von Menschen in Krisenregionen verbessern kann. Dazu leiste ich gerne meinen Beitrag.“

Schießübungen nur zur Selbstverteidigung

Bei der diesjährigen Übung wird auch scharf geschossen – allerdings nur auf der Standortschießanlage in Langendamm: Erstmals können die Teilnehmer die Schützenschnur der Bundeswehr erwerben. Der Schießlehrer, Hauptfeldwebel Benjamin Kindling, erklärt: „CIMIC-Soldaten haben keinen Kampfauftrag, müssen aber notfalls in der Lage sein, sich selbst verteidigen zu können. Dazu müssen sie mit Gewehr und Pistole umgehen können.“ Wird in den vorgegebenen Disziplinen eine Mindesttrefferzahl erzielt, winkt als Belohnung die Schützenschnur, eine Kordel, die von der Brust zur rechten Schulter reicht und dort mit einer Plakette endet.

Die Plakette ist je nach erzielter Leistung bronzen, silbern oder golden gefärbt. Diese Auszeichnung darf auch an Angehörige fremder Streitkräfte verliehen und von diesen getragen werden.

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Erstellt:
1. November 2019, 04:13 Uhr
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