Willi Claaßen stellt seine Original-Uniform Lisanne Richter und dem Polizeimuseum zur Verfügung. Schmidetzki

Willi Claaßen stellt seine Original-Uniform Lisanne Richter und dem Polizeimuseum zur Verfügung. Schmidetzki

Nienburg 23.09.2017 Von Nikias Schmidetzki

„Sollten Spiele des Friedens werden“

Im Niedersächsischen Polizeimuseum ist eine Original-Uniform der Olympischen Spiele von 1972 zu sehen

Was von den Olympischen Spielen 1972 in München in Erinnerung blieb, ist bei den meisten der Terroranschlag, bei dem elf Mitglieder der israelischen Mannschaft und ein Polizist ums Leben kamen. Dabei sollten es „Spiele des absoluten Friedens sein“, sagt Willi Claaßen. Der Zeitzeuge war als Polizist abgeordnet und hat seine extra dafür angefertigte Uniform dem [DATENBANK=668]Niedersächsischen Polizeimuseum in Nienburg[/DATENBANK] zur Verfügung gestellt. Zusammen mit einigen anderen Original-Stücken sind sie dort in den nächsten Wochen ausgestellt. Lisanne Richter, studentische Praktikantin, hat die Geschichte zur Uniform für die Besucherinnen und Besucher des Polizeimuseums aufgearbeitet. Sie studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt in Hannover, der Stadt, aus der auch Claaßen kommt. Richters Eltern sind beide selbst im Polizeidienst, so dass sie schon früh einen Draht zu der Einrichtung und bestimmten Begriffen bekam. Das, sagt sie, sei bei der Recherche für die kleine Sonderausstellung durchaus hilfreich gewesen.

Claaßen war einer von 8.500 Polizisten aus verschiedenen Bundesländern, die zur Unterstützung der Bayerischen Polizei bei den Spielen eingesetzt wurden – und einer von 13 aus der Landeshauptstadt, wie er sagt. Die türkis-blaue Uniform trug ausschließlich der unbewaffnete Ordnungsdienst. In Farbe und Design entsprach sie dem Gesamtkonzept der geplanten „heiteren Spiele“. „Für das operative Geschäft waren die Münchener Kollegen zuständig“, erklärt Claaßen.

Rückblickend betrachtet steht die eher farbenfrohe Uniform ohne Länderkennung und anderen Abzeichen im krassen Kontrast, zu dem was passierte: dem Attentat der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“. Es auch nach 45 Jahren nicht vergessen. Erst Anfang des Monats weihten Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident [DATENBANK=3503]Frank-Walter Steinmeier[/DATENBANK] einen Gedenkort für die Opfer in München ein.

So lange hing auch die Uniform bei Willi Claaßen im Keller. „Aber sie war zu schade für die Altkleidersammlung“, sagt er. Ein ehemaliger Kollege nannte ihm das Polizeimuseum – das die Uniform sowie eine Dankesplakette, einen Bierkrug sowie ein Fotoalbum und andere Erinnerungsstücke zeigt.

Claaßen erlebte das Attentat nicht direkt mit. „Wir sollten uns alle in die Kaserne zurückziehen und haben es im Fernsehen verfolgt“, sagt er. Schon kurze Zeit später sollten sie zur Tagesordnung übergehen. „Dann waren wir wieder an allen Orten tätig, als wenn nix gewesen wäre.“ Das sei nicht einfach gewesen. „Wer weiß, wie das hier weitergeht, haben wir uns damals gefragt“, erinnert sich der pensionierte Polizeibeamte. Ein mulmiges Gefühl sei da gewesen.

Bei aktuellen Terroranschlägen zieht er oft Vergleiche mit damals. Auch 1972 hätten die Verantwortlichen schnell reagiert und niemand wusste hinterher, ob man nicht doch etwas hätte anders machen sollen. Die Tatsache, dass nun von den Spielen zunächst das schlimme Attentat in Erinnerung bleibt, sei schade. „Es war sonst eine fantastische Veranstaltung“, sagt Claaßen.

Eine Kurzführung bietet Lisanne Richter am Donnerstag, 28. September, ab 16 Uhr an. Der Eintritt ins Museum und die Teilnahme an der Führung sind kostenlos.

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Erstellt:
23. September 2017, 21:00 Uhr
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