Michael Suhr und Frau Silberfisch ermöglichten die Beleuchtung des historischen Fresenhofs und machten so auf die prekäre Situation der Soloselbstständigen aufmerksam. Foto: Frau Silberfisch

Michael Suhr und Frau Silberfisch ermöglichten die Beleuchtung des historischen Fresenhofs und machten so auf die prekäre Situation der Soloselbstständigen aufmerksam. Foto: Frau Silberfisch

Nienburg 27.06.2020 Von Die Harke

Solo-Selbstständige schlagen Alarm

Night of the Light: Auch der Fresenhof wurde Rot angestrahlt

Eigentlich wollten Michael Suhr von SUHR Event- und Veranstaltungstechnik und Frau Silberfisch von der gleichnamigen Werbeagentur nur ein Bannerdesign bei einem Spaziergang in den Straßen von Nienburg besprechen. Beide erzählten sich gegenseitig von ihrer aktuell schweren Lage als Solo-Selbstständige in der Corona-Zeit.

Michael Suhr hat bis auf Weiteres keine Events mehr, die er mit Veranstaltungstechnik ausstatten kann, Frau Silberfisch kann keine Veranstaltungsplakate mehr illustrieren. Beiden sind innerhalb kürzester Zeit die Umsätze eingebrochen, Veranstaltungen wurden abgesagt, Designprojekte nicht realisiert.

Gemeinsames Projekt bei der „Night of Light“

So entstand die Idee, als erstes gemeinsames Projekt bei der „Night of Light“ mitzuwirken und die Elemente Licht- und Animationsdesign zu verbinden. Bei dieser Aktion wurden in ganz Deutschland in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni Gebäude oder Bauwerke in ihrer Region in Rot angestrahlt, um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen. Als markantes Gebäude fiel die Wahl auf den Fresenhof, eines der ältesten und schönsten Gebäude der Stadt Nienburg.

Dr. Kristina Nowak-Klimscha, Museumsleiterin des Fresenhof, zeigte sich sofort begeistert von der Idee und stellte den Fresenhof als Gebäude zur Verfügung. Auch das Museum bemerkt die Auswirkungen von Covid 19. Um die lange Schließung des Museums ein wenig auszugleichen, wird die Sonderausstellung „KALTE ZEITEN – WARME ZEITEN. Von Mammuten und Motoren „ bis Ende August 2020 verlängert.

So wurde in dieser Nacht nicht nur der Fresenhof mit den Scheinwerfern von SUHR VT rot angestrahlt, sondern auch rote Animationen von Frau Silberfisch liefen über das Gebäude des Fresenhofes. Wie es in Zukunft weitergeht, lässt sich nur schwer vorhersagen. Beide haben die Pandemie sinnvoll genutzt und auch ihr Portfolio erweitert. Wenn es auch in einigen Punkten positiv war, mehr Angebote in die digitale Welt zu integrieren, so lassen sich handwerkliche Tätigkeiten oder Emotionen bei Livekonzerten nicht in Bits und Bytes fassen.

Welt befindet sich in „Notbetrieb“

Die Welt befindet sich in vielen Bereichen in einem „Notbetrieb“. Zwar finden Sitzungen statt, doch die Aufträge von öffentlichen Einrichtungen oder Behörden sind extrem zurückgegangen. Einige Veranstaltungsformate sind möglich, doch oft lassen sie sich nur schwer finanzieren, da wenige Besuchende teilnehmen können und zusätzliche Kosten für Hygienemaßnahmen auf die Veranstaltenden zukommen. Die Umsätze sind stark eingebrochen, Soforthilfen dürfen nicht für Krankenkassenbeiträge und private Lebenshaltungskosten genutzt werden. Michael Suhr, der sich auch für die Aus- und Weiterbildung junger Menschen engagiert, berichtet von den Abschlussprüfungen: „Ein Großteil der Auszubildenden in der Veranstaltungswirtschaft kann aufgrund der Situation nicht übernommen werden, auch wenn dieses noch zu Jahresbeginn geplant war und starten ihr Arbeitsleben nun in der Arbeitslosigkeit. Das macht schon nachdenklich.“

„Betrachtet man die Telefonate der letzten Monate, ist für mich das Unwort 2020 nicht Corona, sondern ‚abgesagt‘“, ergänzt Frau Silberfisch und stellt fest „Aufgehoben ist nicht aufgeschoben, sagt der Volksmund, in unserem Fall sind die Ausfälle aber nicht wieder aufzuholen. „Da es sich bei der ‚Night of Light‘ nicht um einen Auftrag handelte, wurde die Aktion auf eigene Kosten von Michael Suhr und Frau Silberfisch unter dem Motto „Solidarität und positiver Blick in die Zukunft“ initiiert.

„Die Stadt Nienburg freut sich, dass eine bedeutende Kulturinstitution auf diese Weise nochmal in den Vordergrund gebracht wurde“, so Pressesprecherin Antonia Kleinert.

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Erstellt:
27. Juni 2020, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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