Landrat Detlev Kohlmeier: „Unbedingt die Hygienevorschriften beachten und soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren.“ Foto: Landkreis Nienburg

Landrat Detlev Kohlmeier: „Unbedingt die Hygienevorschriften beachten und soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren.“ Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 18.03.2020 Von Die Harke

„Soziale Kontakte auf Minimum reduzieren“

Landrat Detlev Kohlmeier: Wir befinden uns im Ausnahmezustand, wir müssen noch einige Woche mit Einschränkungen leben

Wie schätzen Sie die Gesamtsituation rund um das Coronavirus im Landkreis Nienburg ein?

Im Rückblick auf die letzten beiden Wochen glaube ich, dass wir bisher insgesamt sehr umsichtig gehandelt haben. Allein die nächtliche Untersuchung der 26 Teilnehmenden einer Skifreizeit in Hoya hat meinen Mitarbeitern im Gesundheitsamt schon früh einiges abverlangt.

Und auch mit der Entscheidung Mitte vergangener Woche, drei Schulen im Landkreis zu schließen, haben wir uns zunächst schwer getan. Dennoch war es richtig, um die Infektionsketten wirksam zu unterbrechen.

Vielleicht haben diese Maßnahmen bereits dazu beigetragen, dass wir bislang keine auffällig hohe Zahl von Infektionsfällen im Landkreis haben. Und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt.

Trotzdem, das Coronavirus hat auch den Landkreis Nienburg fest im Griff. Mittlerweile haben Sie auf Weisung des Landes u.a. Einzelhandelsgeschäfte geschlossen und das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. Hätten Sie sich ein solches Szenario noch vor einer Woche vorstellen können?

Gerade letzte Woche habe ich auf unserer Pressekonferenz erklärt, dass uns in unseren gewohnten Lebensabläufen spürbare Einschränkungen bevorstehen würden. Heute sage ich: …ohne wirklich zu erfassen, wie weit diese Eingriffe tatsächlich reichen würden. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation und wir ergreifen im Landkreis alle Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus abzubremsen.

Dabei helfen uns vor Ort gerade insbesondere Ärztinnen und Ärzte, die Gesundheitsdienste des Landkreises, aber auch das konsequente und zielführende Vorgehen der Behörden. Und trotzdem wissen wir, dass sich viele von uns infizieren werden. Aber das darf eben nicht in einem Maße gleichzeitig geschehen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird. Das muss weiterhin funktionieren und handlungsfähig bleiben. Persönliche Bedürfnisse müssen sich diesem Ziel unterordnen.

Wie lautet also Ihr Appell an die Bevölkerung im Kreisgebiet?

Die verhängten Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus bedeuten für viele Bürgerinnen und Bürger und Betriebe nicht nur den Verzicht auf lieb gewonnene Gewohnheiten. Ich erlebe Situationen, die für die Beteiligten mit erheblichen Belastungen und auch Zumutungen verbunden sind, es gibt zum Teil existenzielle Bedrohungen. Das beängstigt und verunsichert die Menschen noch über die gesundheitliche Sorge hinaus.

Jeder und jede kann in dieser Situation durch persönliches Verhalten einen Beitrag leisten, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Nehmen Sie die inzwischen bekannten Hygieneempfehlungen ernst und schützen Sie sich durch eine strenge Beachtung vor einer Ansteckung.

Genauso wichtig wird es in den nächsten Wochen sein, unsere sozialen Kontakte auf ein wirklich notwendiges Maß zu reduzieren. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer totalen Isolierung oder einer freiwillig auferlegten Quarantäne. Es geht dabei vielmehr darum, unnötige Kontaktpunkte mit anderen Menschen zu vermeiden und da, wo sie stattfinden die körperliche Distanz zwischen Menschen im Alltag zu vergrößern. Jeder Einzelne muss dabei Verantwortung übernehmen, für sich und für die Gemeinschaft.

Worauf müssen sich die Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Wochen einstellen?

Wir können wohl davon ausgehen, dass wir mindestens noch einige Wochen mit Einschränkungen werden leben müssen. Ich bin aber grundsätzlich optimistisch und hoffe, dass daraus nicht Monate werden.
Wenn wir den Experten glauben, dann können wir diese schwierige Situation gemeinsam durch verantwortungsvolles und solidarisches Verhalten meistern, ich bin zuversichtlich, dass uns Kreis-Nienburgern das auch gelingen wird.

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Erstellt:
18. März 2020, 18:31 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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