Flüchtlingsberater Ilyas Yanc referierte auf Einladung von Carmen Prummer, Leiterin des Fachdienstes Migration und Teilhabe. Landkreis Nienburg

Flüchtlingsberater Ilyas Yanc referierte auf Einladung von Carmen Prummer, Leiterin des Fachdienstes Migration und Teilhabe. Landkreis Nienburg

Landkreis 26.11.2018 Von Die Harke

„Spagat zwischen Tradition und Moderne“

Flüchtlingsberater Ilyas Yanc referierte zum Thema „Das Jesidentum – Religion und Leben“

Der Fachdienst Migration und Teilhabe des Landkreises Nienburg führte kürzlich im Kreistagssaal eine Informationsveranstaltung für Bedienstete des Fachbereiches Jugend und des Fachbereiches Soziales des Landkreises Nienburg sowie für Mitarbeiter von Jugendhilfeträgern, Wohlfahrtsverbänden, Bildungsträgern und Kommunen durch. Flüchtlingsberater und Sozialarbeiter Ilyas Yanc aus Oldenburg referierte in einem detaillierten Vortrag zum Thema „Das Jesidentum – Religion und Leben“.

Die Gemeinschaft der Jesiden ist eine religiöse Minderheit aus dem Nahen Osten. Die Siedlungsgebiete liegen in den unterschiedlichsten Ländern, insbesondere in dem Irak, Syrien und der Türkei, machte der Referent deutlich. Aufgrund des Bürgerkrieges in Syrien und dem Irak hat es in der Vergangenheit ausgeprägte Fluchtwellen gegeben. Doch Jesiden leben bereits seit vielen Jahren in Deutschland, sie sind Ende der 1950er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen.

Die Gäste erfuhren viele Informationen zum Jesidentum, beispielsweise, dass im Monat April nicht geheiratet wird, denn der April ist „die Braut des Jahres“. Jesiden „dürfen“ nur untereinander heiraten, was zur Folge hat, dass Hochzeitsfeiern sehr häufig von zahlreichen Gästen besucht würden, eben auch, um sich näher kennenzulernen. Zudem gibt es viele jesidische Hochzeitsrituale.

Ein schwerwiegendes Thema, so Ilyas Yanc, ist und bleibt die Verfolgung. Zu den Gründen zähle beispielsweise, dass das Jesidentum nicht den Status einer Buchreligion hat. Das Wissen und die Rituale werden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben.

Zudem, das machte Ilyas Yanc deutlich, würden Jesiden nicht den Schutz wie andere Minderheiten genießen. In Deutschland leben derzeit rund 200.000 Jesiden. Aufgrund des Familiennachzuges werde sich die Zahl voraussichtlich erhöhen. „Das Thema wird uns noch weiter beschäftigen“, sagte Yanc.

Hinsichtlich des Themas Integration machte der Referent deutlich, dass eine Aufstockung von Integrationskursen sinnvoll sei. Im Hinblick auf das gesellschaftliche Miteinander bekräftigte Yanc, dass geflüchtete Jesiden, insbesondere Kinder und Jugendliche, in einem „Spannungsfeld der Kultur“ leben würden. In vielen Fällen würden die Geflüchteten aus dörflichen Strukturen stammen, so dass die Lebenswelten nach der Flucht von großen Unterschieden, von orientalischen Kultur- und Wertvorstellungen, geprägt seien, „ein Spagat zwischen Tradition und Moderne“.

Yanc betonte abschließend, dass die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Jesiden aufgrund drohender Verfolgung nicht wieder in ihre Heimatländer zurückkehren wird. Sie seien in Deutschland zwar wieder eine Minderheit, allerdings würden sie das auch als Chance sehen, dem „Fluch der Unterdrückung“ zu entkommen, erklärte Yanc. Veranstaltungen des Fachdienstes Migration und Teilhabe werden gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Zum Artikel

Erstellt:
26. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.