Referenten und Organisatoren der Agrarmanagement-Tagung (von links): Dirk Nienhaus, Jens Müller, Ulrich Lossie, Henrich Meyer zu Vilsendorf, Oliver Pohlmeier und Wolfgang Wilke. Foto: Flentje / LWK Nienburg

Referenten und Organisatoren der Agrarmanagement-Tagung (von links): Dirk Nienhaus, Jens Müller, Ulrich Lossie, Henrich Meyer zu Vilsendorf, Oliver Pohlmeier und Wolfgang Wilke. Foto: Flentje / LWK Nienburg

Landkreis 03.03.2020 Von Die Harke

Spannungen der Landwirtschaft

Agrar-Management-Tagung der Sparkasse und Landwirtschaftskammer Nienburg

Bereits zum zehnten Mal fand die Agrar-Management-Tagung in enger Zusammenarbeit der Sparkasse Nienburg mit der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Nienburg in Eystrup und Nendorf statt.

Die sehr gut besuchten Veranstaltungen zeigten zum einen die große Verbundenheit der Landwirte zur Sparkasse und zum Grünen Zentrum Nienburg. Zum anderen wurde deutlich, dass das Spannungsfeld, in dem die Landwirte mit ihren Familien leben, sehr groß ist und sie stark beschäftigt. „Unsere Landwirte suchen nach Wegen, Lösungen und Partnern an ihren Seiten, um mit den aktuellen Anforderungen umzugehen“, resümierten Oliver Pohlmeier, Firmenkundenberater der Sparkasse Nienburg, und Nils- Joachim Meinheit, Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer in Nienburg.

Hot oder Schrott

„Hot oder Schrott – Welche agrartechnischen Entwicklungen werden das neue Jahrzehnt prägen?“ lautete der Vortragstitel von Ulrich Lossie von der Deula in Nienburg. Lossie überraschte die Gäste mit einem selbstfahrenden kleinen Roboter, der zur Unkrautbekämpfung im Mais bereits heute eingesetzt werden kann, den er geschickt in den Saal lenkte. „In der Landwirtschaft ist mit Blick auf das teilautonome Fahren diese Technik bereits heute viel weiterentwickelter und verbreiteter als in der Autoindustrie“, so der Fachmann.

Die Möglichkeiten, zum Beispiel Pflanzenschutzmaßnahmen oder Düngung noch gezielter und reduzierter einzusetzen, was agrartechnischen Weiterentwicklungen ermöglichen, werden künftig eine entscheidende Rolle auch im Hinblick auf Umweltschutz und Kostenreduzierung spielen. Die Landwirte stehen diesen technischen Entwicklungen weitgehend offen gegenüber. Eine im Publikum durchgeführte Befragung zeigte aber auch, dass sie eine abwartende Position mit Blick auf die Machbarkeit der Umsetzung haben. „Was der Einzelbetrieb an Automatisierung einsetzen kann, wird vermutlich überschaubar sein“, so einer der Gäste des Forums.

Düngeverordnung und Rote Gebiete

Die Verschärfung der Düngeverordnung, die Ausweisung der Roten Gebiete und deren Auswirkung bestimmten in den letzten Monaten viele Diskussionen, Fachgespräche und nicht zuletzt die Proteste der Landwirte. Henrich Meyer zu Vilsendorf, Leiter der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer, zeigte neben den zu erwartenden gesetzlichen Regelungen auch die wirtschaftlichen Konsequenzen für die landwirtschaftlichen Unternehmen auf. Er erwartet erhebliche Auswirkungen für die heimischen Betriebe.

Je nach Betriebsstruktur werden diese jedoch betriebsindividuell sehr unterschiedlich ausfallen. Insgesamt sind wirtschaftliche Effekte nicht nur für die praktizierenden Landwirte, sondern auch für die vor- und nachgelagerten Bereiche und damit für den gesamten ländlichen Raum zu erwarten. Im Landkreis Nienburg ist die Betroffenheit mit einem Anteil der „Roten Gebiete von 50 Prozent“ an der gesamten Nutzfläche besonders hoch. Betriebsindividuelle Anpassungsstrategien etwa durch eine geänderte Fruchtfolge, sowie eine Erweiterung der Lagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger sind jetzt gefragt, so Meyer zu Vilsendorf.

Kulturen, die später in der Vegetation einen Stickstoffbedarf haben, wie zum Beispiel Mais und Zuckerrüben können eine um 20 % reduzierte N-Versorgung unterhalb des Pflanzenbedarfes besser kompensieren als Raps, der künftig vermutlich im Anbau noch weiter zurückgehen wird. Zum Leidwesen der Imker übrigens. „Die umstrittene Ausweisung der Roten Gebiete wird“, so der Fachmann, „noch überprüft werden und soll bundesweit nach einheitlichen Standards erfolgen.“

Transparenz in sozialen Medien

Dirk Nienhaus, Landwirt aus der Nähe von Bocholt und bekannt als Agrarblogger „Bocholter Landschwein“ hat sich zum Ziel gesetzt, in sozialen Medien seine Produktion der Öffentlichkeit transparent darzustellen. Mit Videos direkt aus seinem Stall oder vom Acker zeigte er, wie moderne Landwirtschaft heute funktioniert. „Wir Landwirte dürfen es nicht den NGOs und Tierschutzorganisationen überlassen, das öffentliche Bild der Landwirtschaft darzustellen“, so Nienhaus.

Die Verbraucher, die kritisch und sensibel sind, wollen wissen, wo die Lebensmittel herkommen, wie sie produziert wurden und wie wir Landwirte Tier- und Umweltschutz verstehen und leben. „Werbung prägt ein verklärtes Bild der Landwirtschaft, für die Aufklärung sind wir selber zuständig“, forderte er seine Zuhörer heraus. Dass das mitunter auch herausfordernd und anstrengend ist, verhehlte er angesichts des einen oder anderen Shitstorms bei Facebook nicht.

Wolfgang Wilke, Vorstand der Sparkasse, der die Gäste begrüßte und Oliver Pohlmeier, der die Veranstaltungen moderierte, freuten sich über die positive Resonanz im Anschluss an die Argar-Management-Tagung. „Top aktuell, spannend und herausfordernd“, so das Fazit eines Landwirts aus Liebenau.

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Erstellt:
3. März 2020, 10:10 Uhr
Lesedauer:
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